Immer mehr abgegebene Tiere: Augsburger Tierschutzverein fordert Wildtierstation

Besonders oft bekommt der Tierschutzverein Augsburger junge Vögel übergeben, die von den Eltern nicht mehr versorgt werden können. Sie müssen rund um die Uhr gefüttert werden, bis sie bereit sind, in die Wildnis entlassen zu werden, wie hier von Tierpflegerin Joana Müller.

Immer mehr Wildtiere werden im Tierheim abgegeben. Der Tierschutzverein fordert nun eine spezielle Wildtierstation und nimmt den Freistaat in die Pflicht.

Wenn die meisten Menschen an Tierheime denken, entstehen in ihrem Kopf wohl vor allem Bilder von Katzen oder Hunden hinter Gittern – oder vielleicht von einsamen Kanarienvögeln. Doch ausgesetzte Haustiere sind nicht die einzigen Schützlinge, die der Tierschutzverein Augsburg und Umgebung regelmäßig in seinem Tierheim aufnimmt.

Seit einigen Jahren steigt die Anzahl der Augsburger, die sich mit hilfsbedürftigen Wildtieren an die Tierschützer wenden. Letztere freuen sich einerseits darüber, dass die Bürger sich immer mehr für die Belange von Wildtieren einsetzen. Allerdings sei das Augsburger Tierheim langsam nicht mehr ausreichend ausgestattet, um sich um die zusätzlichen Tiere zu kümmern. Das Fazit der Vereinsführung: Augsburg brauche eine spezielle Wildtierstation. Unterstützung hierfür erhofft sich der Verein von der Landespolitik.

Mit einem Vergleich zwischen den Jahren 2013 und 2019 macht der Tierschutzverein seine zusätzliche Belastung deutlich. Während im Jahr 2013 insgesamt nur 279 Wildtiere im Tierheim abgegeben wurden, waren es im Jahr 2018 bereits 652 und im Jahr 2019 735 Tiere, um die die sich die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer kümmern mussten.

Bei jungen oder verletzten Wildtieren ist das eine besonders aufwendige Aufgabe. Sie müssten meistens "von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefüttert werden", erzählt Tierpflegerin Andrea Strauß. Die Mitarbeiter oder Praktikanten nehmen die Tiere teilweise mit nach Hause, um sich dort weiter um sie zu kümmern. Insgesamt bedeuteten die zusätzlichen Wildtiere einen deutlich höheren Arbeitsaufwand, sowohl personell als auch finanziell. Denn auch das nötige Futter sei teilweise sehr teuer.

Rund 400 abgegebene Tiere in diesem Jahr bis jetzt

In diesem Jahr sei man bereits bei rund 400 abgegebenen Tieren. Die Tierschützer gehen also davon aus, dass die Zahl 2020 erneut steigen wird. Einen Anteil daran habe wohl auch die Corona-Pandemie. Die Leute seien mehr spazieren gegangen, "weniger Party, mehr Wald", sagt Sabina Gassner, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Deshalb seien ihnen wohl besonders viele Tiere aufgefallen.

In etwa 70 Prozent der Fälle sei das Eingreifen der Tierfreunde auch berechtigt und die Tiere bräuchten Hilfe, erzählt Gassner. Besonders oft landen junge Vögel oder verletzte Vögel im Tierheim: Im Jahr 2019 machten diese 510 der insgesamt 735 Tiere aus. Am zweithäufigsten werden Igel im Tierheim vorbeigebracht.

Es sei wichtig, dass es in Augsburg eine qualifizierte Anlaufstelle gebe, die sich um diese Tiere kümmern oder die Menschen beraten könne, so Gassner. Nicht jeder "private Päppler" wisse, wie die Wildtiere versorgt werden müssen. Bei den Vögeln ergebe sich oft das Problem, dass die Tierfreunde nicht erkennen, um welchen Vogel es sich handelt und welches Futter er braucht. Junge Raubtiere müssten nicht nur richtig gefüttert werden, sondern auch beigebracht bekommen, wie man jagt, um erfolgreich ausgewildert werden zu können.

"Die Anforderungen an uns steigen, fachlich und vom Platz her", sagt Gassner. Man werde darum für einige Stunden pro Woche eine weitere Tierärztin einstellen, die sich mit Wildtieren besonders gut auskennt. Eine Auszubildende soll sich künftig nur um die Wildtiere kümmern. Man habe den zusätzlichen Aufwand bislang durch Spenden und ehrenamtliche Hilfe finanziert. Doch nun fordert das Tierheim auch Unterstützung vom Freistaat.

Es sei aus Tierschutzgründen wichtig, dass es eine bayernweite Regelung für Auffangstationen und die Unterstützung von Wildtieren gebe, so Gassner. In Augsburg müsse das auch nicht im Tierheim sein, doch der Verein bietet seine Unterstützung an. "Wir sind fachlich und inhaltlich schon sehr weit", begründet das die Geschäftsführerin. "Aber wir sehen den Freistaat in der Zuständigkeit." Der Verein hofft in diesem Zusammenhang auf die Unterstützung der Landtags-Grünen, deren Abgeordnete Stephanie Schuhknecht Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins ist.

Tierheim Lechleite als Wildtierauffangstation?

Auch einen möglichen Ort für eine Wildtierauffangstation hat der Tierschutzverein bereits in der Hinterhand. Das Tierheim Lechleite darf nach mehreren Wechseln im Vorstand weiterhin keine Tiere aufnehmen. "Es kann eigentlich nicht sein, dass ein Tierheim über ein Jahr leer steht", betont Gassner. Der Bedarf für ein Tierheim sei in Friedberg weiterhin vorhanden. Der Standort biete allerdings zusätzlich auch "ideale Voraussetzungen für eine Wildtierstation". Unabhängig von der Wildtierstation verspricht Gassner: "Es wird dort eine gute Lösung geben. Und es wird ein Tierheim geben." Neuigkeiten dazu gebe es hoffentlich nach der Sommerpause.

Auch eine Kooperation mit der Stadt, mit der bereits eine gute Zusammenarbeit bestehe, schließt der Verein im Hinblick auf die Wildtierstation nicht aus. Doch letztendlich sehe man den Freistaat in der Pflicht. Und sollte es zu der gewünschten bayernweiten Regelung nicht kommen: "Auch wenn wir nicht bezahlt werden, wir machens", sagt Gassner.

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