Ministerpräsident macht sich Bild über aktuelle Lage am Augsburger Uniklinikum

Uniklinik ist „gut gerüstet“: Michael Beyer (von links), Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Klinikums, führt Wissenschaftsminister Bernd Sibler, Ministerpräsident Markus Söder und Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber durch das Universitätsklinikum.

Die Anzahl der Patienten in den Kliniken, vor allem im Augsburger Universitätsklinikum, ist "dramatisch". Das hatte Axel Heller, Ärztlicher Leiter Krankenhauskoordinierung für den Rettungszweckverband für die Stadt und umliegenden Landkreise, in der vergangenen Woche während einer Pressekonferenz erklärt. Nun hat sich Ministerpräsident Markus Söder gemeinsam mit Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler und Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek, als Koordinator der Taskforce Corona-Pandemie des bayerischen Gesundheitsministeriums, ein Bild über die aktuelle Situation bei der Behandlung von Covid-19-Patienten in der Uniklinik Augsburg gemacht.

Derzeit werden im Klinikum etwa 150 Covid-19-Patienten behandelt, bayernweit seien es laut Holetschek rund 2660 Patienten, wovon sich etwa 475 auf Intensivstationen befinden. Anders als im Frühjahr gebe es bei der zweiten Corona-Welle keinen Mangel an Material und Betten, sagte Söder.

In Augsburg seien laut Klinikchef Michael Beyer Kapazitäten umgewandelt worden, damit an der Uniklinik mehr Betten für Corona-Patienten zur Verfügung stehen. "Die Situation in Augsburg ist als Hotspot erheblich angespannt", erklärte der Ärztliche Direktor. So habe man in den vergangenen Wochen eine stetige Zunahme an Covid-19-Patienten im Uniklinikum verzeichnet. Dabei handle es sich, wie Beyer betonte, nicht nur um die über 80-Jährigen mit Vorerkrankungen, sondern vermehrt würden junge Menschen mit starken Symptomen eingeliefert werden.

"Die Zahlen sind schlicht und ergreifend viel zu hoch"

Auch wenn die Lage derzeit "dramatisch ernst" sei, erklärte der Ärztliche Direktor am Klinikum: "Wir sind gerüstet". Seit dieser Woche unterstützen 24 Bundeswehrsoldaten die Universitätsklinik im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Einige der Soldaten sind Rettungssanitäter, der Großteil von ihnen soll im Pflegebereich eingesetzt werden.

Warum es in den vergangenen Wochen zu einem explosionsartigen Infektionsgeschehen in der Fuggerstadt gekommen ist, das könne sich Oberbürgermeisterin Eva Weber nicht erklären. Gemeinsam mit dem Klinikum betreibe man Ursachenforschung. Am Donnerstag vermeldete das städtische Gesundheitsamt erneut 200 Neuinfektionen, wodurch die Sieben-Tage-Inzident auf 295,6 anstieg.

"Es ist besser geworden aber es gibt keinen Anlass zur Entwarnung", sagte Söder, denn: "Die Zahlen sind schlicht und ergreifend viel zu hoch", so der Bayerische Ministerpräsident. Als Teilerfolg bezeichnete Söder das Bremsen des exponentiellen Wachstums der Infektionszahlen. Dennoch müsse das Ziel sein, den Inzidenzwert wieder auf unter 50 Infektionen pro 100 000 Einwohner zu reduzieren. Denn nur dann würden die Gesundheitsämter "seriös und dauerhaft" die Infektionsketten nachverfolgen können.

"Wir müssen uns genau überlegen, wie wir die nächsten Wochen gestalten", betonte der Ministerpräsident. Gerade vor Weihnachten sollen die Infektionszahlen deutlich gesenkt werden. Ob dann ein Weihnachtsfest im Kreise der Familie stattfinden kann, das würden die kommenden Wochen zeigen. Nächste Woche steht erneut eine Ministerpräsidentenkonferenz an, in der über das weitere Vorgehen diskutiert wird.

Da die ersten Corona-Impfstoffe bereits in den Startlöchern stehen, soll der Freistaat Bayern "schnellstmöglich vorbereitet sein", sagte Söder. Bis Mitte Dezember soll demnach die nötige Infrastruktur geschaffen werden, um einen Impfstoff an die Bevölkerung zu verteilen. Allerdings rechnet der Ministerpräsident am Donnerstag noch nicht damit, dass zu diesem Zeitpunkt dann tatsächlich schon ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird.

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