Phänomen „Hotspot-Einrichtung“: Nach 18 Corona-Todesfällen fordert die AWO Maßnahmen

Die schwäbische Arbeiterwohlfahrt, die im Regierungsbezirk Schwaben 25 Seniorenheime betreibt, war im vergangenen Vierteljahr von der Coronakrise besonders betroffen (Symbolbild).

Insgesamt 18 Menschen starben im Zusammenhang mit Covid-19 in Heimen der Arbeiterwohlfahrt in Schwaben. Jetzt fordert die AWO flächendeckende Reihentests in allen stationären Pflegeeinrichtungen.

Stichprobentests seien mit Blick auf das Ansteckungsrisiko und wegen der zwingend notwendigen weiteren Besuchslockerungen völlig unzureichend – da ist sich AWO-Vorsitzender Heinz Münzenrieder sicher. Die schwäbische Arbeiterwohlfahrt, die im Regierungsbezirk Schwaben 25 Seniorenheime betreibt, war im vergangenen Vierteljahr von der Coronakrise besonders betroffen. „Wir hatten in zwei unserer Einrichtungen, in Aichach und Kempten, insgesamt 18 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 zu beklagen", erklärt Münzenrieder. Er besteht auf regelmäßige und flächendeckende Reihentests in allen stationären Pflegeeinrichtungen.

Zu den Fällen in den AWO-Einrichtung sagt Münzenrieder: "Eine vorher nie dagewesene Belastung aller in unseren Häusern Tätigen war damit verbunden. Dies neben dem Leid der Angehörigen der Verstorbenen und den an die Grenzen gehenden Beeinträchtigungen unserer Bewohner durch restriktive Zu- und Ausgangsregularien, die auch von den Angehörigen schwer zu bewältigen waren und teilweise immer noch sind. Bewohner in Quarantänezimmern oder gar in Quarantäneabteilungen und Pflegende in Ganzkörperschutzkleidung zeigten nicht nur den Ernst der Lage auf, sondern beeinträchtigten auch schwerstens die Lebensqualität der uns anvertrauten Menschen." Auch die Leistungen und das Engagement der Pflegekräfte sei zu würdigen. Es müsse daher auch "zu einer Neuorientierung bei tarifvertraglichen Regelungen kommen".

Die aktuelle Entspannung mit Blick auf Covid-19-Erkrankungen auch in den Seniorenheimen dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass "immer noch ein qualifizierter Handlungsbedarf besteht. Dieser gilt insbesondere hinsichtlich notwendiger Erweiterungen von Covid-19-Testungen", findet der AWO-Vorsitzende. "Die vom Bundesgesundheitsministerium hierzu vorige Woche erlassene Verordnung geht zwar in die richtige Richtung. Leider werden aber die von den Wohlfahrtsverbänden geforderten Reihentestungen in den stationären Pflegeeinrichtungen nicht eingeführt." Vorgesehen sei nur ein stichprobenartiges Verfahren, sofern keine Verdachtsmomente vorliegend sind, erläutert Münzenrieder. Die Wohlfahrtsverbände fordern dagegen – "als Träger der meisten Heime in Deutschland", wie Münzenrieder betont – regelmäßige und flächendeckende Reihentests in allen stationären Pflegeeinrichtungen.

„Hotspotmäßig“ konzentrierte Todesfälle

Die AWO fordert zudem, einem nach ihrer Beurteilung nach bislang nicht hinreichend geklärten Phänomen nachzugehen: den auch in Schwaben in wenigen Häusern mehrerer Träger „hotspotmäßig“ konzentrierten Todesfällen.

Die Seniorenheime dürften jetzt nicht alleine gelassen werden. Das Phänomen der „Hotspot-Einrichtungen“ müsse untersucht werden.

„Wir können es uns beispielsweise heute noch nicht erklären, dass – obwohl alle unsere 25 Häuser in etwa gleich organisiert sind – die bedauernswerten Todesfälle fast alle in unserer Einrichtung in Aichach aufgetreten sind.“ Und: „Wir müssen gegenüber solchen auch künftig nicht auszuschließenden großen Gefahren für Gesundheit und Leben unserer Bewohner gewappnet sein, dies sind wir schon unseren an Covid-19 verstorbenen Bewohnern schuldig." (jaf)

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