"Purer Wahnsinn": Deutliche Kritik an Preiserhöhung des AVV

Die Preiserhöhung des AVV hat ein politisches Echo verursacht.

Politische Parteien in Stadt und Land kritisieren den Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund.

Ein geringerer Takt in Corona-Zeiten und dennoch höhere Preise? Vergangene Woche verkündete der Verkehrs- und Tarifverbund (AVV), die Kosten für Fahrkarten um fast fünf Prozent zu erhöhen – und löste damit eine Welle der Empörung bei den Kunden aus. Und auch viele Parteien melden sich zu Wort und fordern, auf die Preiserhöhung ab Juli zu verzichten.

Vor allem die SPD übt deutliche Kritik. In einer gemeinsamen Erklärung betonen die Sozialdemokraten aus Stadt und Land: „Wir fordern vom AVV die Aussetzung der Tariferhöhung." In diesen Zeiten der Unsicherheit könne man eine solche Erhöhung nicht verantworten, sagt Florian Freund, Vorsitzender der Fraktion SPD/Die Linke im Augsburger Stadtrat. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion im Landkreis Augsburg, Fabian Wamser, nennt die Erhöhung „puren Wahnsinn“. Jedem sei inzwischen doch klar, sagt Wamser, dass der Öffentliche Personennahverkehr allein schon aus Klimaschutzgründen gestärkt werden müsse und trotz Corona nicht darauf verzichtet werden könne, langfristig viel mehr Fahrgäste zu gewinnen. Mit Preiserhöhungen erreiche man dieses Ziel nicht.

Der AVV müsse unverzüglich auf die geänderten Rahmenbedingungen reagieren, findet auch Harald Güller, SPD-Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender im Landkreis. Deutlich weniger Fahrgäste aufgrund von Corona, aber auch seit Wochen niedrige Dieselpreise, ein jetzt soeben gesenkter Mehrwertsteuersatz und vor allem die Finanzspritze des Bundes in Höhe von 2,5 Milliarden Euro seien doch Grund genug, nochmals nachzudenken und die Tariferhöhung zum 1. Juli nicht in Kraft treten zu lassen.

„Die Kalkulationsgrundlagen haben sich geändert und ändern sich in den nächsten Wochen weiter. Deshalb darf diese Preiserhöhung nicht kommen, im Gegenteil, der AVV sollte über Preissenkungen nachdenken, um eine verkehrs- und klimapolitische Katastrophe zu verhindern", resümiert die SPD.

Für ein "fatales Signal" hält auch Frederik Hintermayr, Bezirksrat und Stadtrat der Linkspartei in Augsburg, die angekündigte Erhöhung der AVV-Fahrpreise. Angesichts zunehmender Luftverschmutzung in Innenstädten sei es "doch wirklich zynisch, immer und immer wieder dafür zu sorgen, dass öffentliche Verkehrsmittel noch unattraktiver werden".

"Kostenlose Minizone" stattdessen aufheben

Christian Pettinger, Stadtrat der Augsburger ÖDP, hat inzwischen einen Antrag an Oberbürgermeisterin Eva Weber gestellt. Er fordert darin ebenfalls, die geplante Tariferhöhung auszusetzen. Darüber hinaus solle die Taktung im städtischen Bus- und Tramverkehr wieder "mindestens auf das Vor-Corona-Maß erhöht" werden. In seinem Antrag schreibt Pettinger: Zur Teilkompensierung der erhöhten Kosten solle "die kostenlose Minizone um den Königsplatz mit sofortiger Wirkung" wieder aufgehoben werden. Die Stadtspitze solle zudem "offensiv auf den Freistaat sowie den Bund" zugehen und "zusätzliche Mittel zum Ausgleich der coronabedingten Einnahmeausfälle und zur Re-Attraktivierung des öffentlichen Nahverkehrs" fordern.

Die Landkreis-Grünen fordern ebenfalls die "Rückkehr zum normalen Taktfahrplan". Um die vielen Fahrgäste, die "während der Pandemie dem ÖPNV verloren gegangen sind, wieder für diesen zu gewinnen, brauchen wir ein attraktives und kostengünstiges Angebot", sagt Silvia Daßler, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag. "Jetzt haben wir ein ausgedünntes Angebot, das zur Enge in den Fahrzeugen führt und somit auch nicht zur Nutzung anregt und jetzt soll dafür auch noch mehr Geld bezahlt werden; das alles passt nicht zusammen.“

Kommentare

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Beitrag von LeserReporter: Bruno Stubenrauch
10. Juni 2020 - 12:34

Eigentlich habe ich längst ein Schreiben der swa erwartet, dass die Abbuchung für mein Mobil-Abo einen Monat ausgesetzt wird, ganz nach dem Vorbild des Zoos und des Botanischen Gartens: dort wird aufgrund des eingeschränkten Angebots die Gültigkeit der Jahreskarten um einen Monat verlängert.

Weit gefehlt. Leider verhalten sich die Stadtwerke monopolistisch wie die frühere OPEC: geht die Nachfrage zurück, wird einfach der Preis erhöht, um das eigene Ergebnis zu halten. Jeder normale Kaufmann muss mit dem Preis nach unten reagieren, wenn sein Absatz sinkt.

Dass unsere neue OB hier nicht einschreitet verstehe ich nicht. Kurt Gribl hätte das gemacht.

 

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