Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst: Augsburg muss mit weiteren Streiks rechnen - Start macht Uniklinikum am Montag

Über die aktuellen Tarifverhandlungen informierten am Freitag (von links) Katharina Wagner, Aline Gottschalk, Roman Martynez, Karl Schneeweis, Florian Böhme, Klaus Koch und Erdem Altinisik von der Verdi Augsburg.

Die Gewerkschaft Verdi wird die Augsburger Mitarbeiter des öffentlichen Diensts wohl erneut zu Streiks aufrufen. Vorerst streiken am Montag Beschäftigte des Universitätsklinikums.

Im Zuge der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst und den ÖPNV wird es in Augsburg wohl zu weiteren Warnstreiks kommen. Verdi Augsburg informierte nun über die bisherigen Verhandlungen und Streiks sowie über die weiteren Pläne. Als nächstes wird in der Fuggerstadt demnach am Montag ein Teil der Belegschaft des Uniklinikums streiken.

Möglichen Vorwürfen aus der Bevölkerung griff Roman Martynez, bei der Verdi Augsburg zuständig für den Bereich Kliniken, auf der Pressekonferenz am Freitag gleich vorweg: "Wir werden damit niemanden gefährden", betonte er. Notfälle würden selbstverständlich behandelt. Und auch in der Corona-Station, die aktuell nicht voll belegt sei, werde die Versorgung normal weiterlaufen. Insgesamt erwartet die Gewerkschaft, dass am Montag bis zu 300 der rund 5500 Beschäftigten des Uniklinikums streiken werden. Einzelne Stationen werden wohl geschlossen. Das Krankenhaus habe dann fünf Tage Zeit gehabt, geplante Operationen zu verschieben.

Dass nach zwei Verhandlungen keinerlei Angebot von der Bundesvereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und vom Bund gekommen sei, sei ärgerlich, so Martynez. "Wir reden ja hier von den Helden der Corona-Krise", betonte Martynez. Nachdem in den vergangenen Monaten so oft die Forderung nach einer besseren Bezahlung für Pflegekräfte laut geworden war, müsse nun ein konkretes Angebot folgen.

Die Gewerkschaft fordert in ihrer Tarifrunde unter anderem eine Gehaltserhöhung für den öffentlichen Dienst um 4,8 Prozent über zwölf Monate. Außerdem sollen die Arbeitsbedingung in der Pflege verbessert werden. Die Arbeitgeber betrachten die Forderungen der Gewerkschaft aufgrund der pandemiebedingt schlechten wirtschaftlichen Situation der Kommunen als zu hoch.

Die Verhandlungen betreffen auch die Dienststellen und Einrichtungen der Stadt Augsburg. Auch hier gebe es dringenden Nachholbedarf, so Aline Gottschalk, die bei Verdi unter anderem die Stadt Augsburg betreut.

In Augsburg streikten am Dienstag bereits rund 200 Mitarbeiter der städtischen Kitas. Sollten die Arbeitgeber ihr zwischenzeitlich angekündigtes Angebot nicht vor der dritten Verhandlungsrunde am 22. und 23. Oktober vorlegen, wird es wohl nicht nur in diesem Bereich erneut zu Warnstreiks kommen. Man könne sich darauf einstellen, dass von den Mitarbeitern der Augsburger Kindergärten "noch mehr kommt", so Gottschalk. Die Erzieher seien während der Corona-Krise wegen der Arbeit ohne Mindestabstand besonderen Risiken ausgesetzt, und auch sonst müsse der Beruf attraktiver werden, um dem Personalmangel entgegen zu wirken. Wie mit der Stadt Augsburg abgesprochen, würden die Eltern mindestens drei Tage vor möglichen Streiks informiert.

Auch zu Warnstreiks im Augsburger Gesundheitsamt könnte es laut Gottschalk noch kommen, falls in der dritten Verhandlungsrunde kein passendes Angebot gemacht wird. Bislang hätten sich die Mitarbeiter der Gesundheitsämter nicht an den Streiks beteiligt, so Gottschalk. Doch es müsse dringend etwas passieren. Die Mitarbeiter arbeiteten aktuell häufig zwischen zehn und zwölf Stunden pro Schicht. Seit 2017 streite die Gewerkschaft mit der Stadt Augsburg um bessere Bedingungen für die Mitarbeiter, die "gerade Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um die Stadt am Laufen zu halten".

Für die kommunalen Verkehrsunternehmen möchte Verdi bundesweite Verhandlungen für bessere Arbeitsbedingungen aufnehmen. Bislang lehne die VKA bundesweite Verhandlungen also ab, weshalb es in der kommenden Woche deutschlandweit erneut zu Streiks kommen könnte. Dafür bittet Karl Schneeweis, der bei den Augsburger Stadtwerken als Bus- und Straßenbahnfahrer arbeitet, um Verständnis. Der Schichtdienst, durch den Fahrern jede zweite Woche nur ein freier Tag zusteht, die wenigen freien Wochenenden und ungünstigen Arbeitszeiten, und dennoch lande zu Monatsbeginn "kaum etwas im Geldbeutel": "Das sind alles Bedingungen, die die Leute nicht mehr mitmachen", so Schneeweis. Es gebe immer mehr Fahrer, die nach der teuren Ausbildung wieder aufhörten, und in den nächsten Jahren gehen laut dem Betriebsrat circa 80 der 540 Fahrer in Rente. "Wir versuchen händeringend, das aufzufüllen", so Schneeweis. Doch dafür brauche es für die Altfahrer bessere Arbeitsbedingungen, "und für die Jungfahrer eine Zukunft". Unter anderem fordern die Augsburger Fahrer zwei freie Tage pro Woche und eine 35-Stunden-Woche für ältere Fahrer.

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