Über 15.000 Austritte aus der katholischen Kirche in der Diözese Augsburg

Immer mehr Austritte, immer weniger Menschen in den Gottesdiensten: Zu Beginn seiner Amtszeit bereiten diese Zahlen Bischof Bertram Meier Sorgen.

Statistik zu kirchlichem Leben in Augsburg gibt Bischof Bertram Meier "Anlass zur Sorge"

In der Diözese Augsburg leben 1 266 153 Katholiken. Bei einer Gesamtbevölkerung von 2 438 177 Millionen entspricht das einem Anteil von 51,9 Prozent. Dies geht aus den Eckdaten kirchlichen Lebens des Jahres 2019 hervor. Sie wurden kürzlich von den 27 Erzbistümern und Bistümern sowie der Militärseelsorge veröffentlicht.

Die Taufe haben im Bistum demnach im vergangenen Jahr 10 487 Menschen empfangen (2018: 11 275), es gab 10 692 Erstkommunionen (2018: 10 720) und 9061 Firmungen (2018: 9005). In die Kirche zurückgekehrt oder zu ihr übergetreten sind 396 Personen (2018: 478).

Ein deutlicher Anstieg zeigt sich vor allem bei den Kirchenaustritten. 15 532 Menschen verließen die katholische Kirche in der Diözese Augsburg im vergangenen Jahr, 2018 waren es nur 12 981. Den sonntäglichen Gottesdienst besuchten 148 826 Menschen (2018: 151 856).

Bischof Meier: "Sind wir lebensrelevant?"

"Ich gebe zu: Diese Zahlen sind für mich Impuls und zugleich Anlass zur Sorge", kommentierte Bischof Bertram Meier die Statistik. "Ich bin erst wenige Wochen im Dienst. Aber schon jetzt ist für mich klar, dass die Weitergabe des Glaubens und die Hilfe zum Leben zentrale Aufgaben meiner Amtszeit sein müssen."

Er wolle nicht über die Gründe spekulieren, die zu den zahlreichen Kirchenaustritten führten. Aber sie seien für ihn genauso Grund zur Nachdenklichkeit wie der schleichende Rückgang der sonntäglichen Gottesdienstbesucher in den vergangenen Jahren: "Selbstkritisch müssen wir uns fragen: Was bieten wir den Leuten an? Womit speisen wir sie ab? Wie steht es um unsere Glaubwürdigkeit? Sind wir lebensrelevant?"

Chancen für die katholische Kirche

Es handle sich dabei um grundsätzliche Fragen kirchlichen Lebens. Wie könne es gelingen, wieder die Herzen der Gläubigen zu erreichen? Der Bischof zeigt sich trotz allem zuversichtlich. "Die Kirche hat in unserer Heimat eine Vergangenheit, die bis in die Zeit der Römer zurückreicht", sagt er. "Deshalb wird sie auch Zukunft haben."

Große Hoffnungen setzt Meier in die Pfarrgemeinden, in alte Ordensgemeinschaften und junge geistliche Bewegungen, in die Verbände und in die große Zahl der Haupt- und Ehrenamtlichen.

Wichtig seien auch die vielen karitativen Initiativen, die "dem Glauben Hand und Fuß geben", betont Meier. "Wenn wir miteinander glaubwürdige Zeugen der christlichen Botschaft sind, dann werden wir zum Sauerteig für die Gesellschaft, dann sind und bleiben wir systemrelevant."

Eine Chance seien die 32 000 Kinder in den rund 450 Kindertageseinrichtungen sowie die 18 500 Schüler in den 42 Schulen des Schulwerks der Diözese. Auch die "Hauskirche", die sich zu Corona-Zeiten etabliert habe, sieht der Bischof als Chance an. "Laden Sie Freunde und Nachbarn zu sich nach Hause ein", ruft Meier die Gläubigen auf. Man könne gemeinsam Beten, den Glauben zum Thema machen und einander in Nöten beistehen. "Wenn uns das gemeinsam gelingt, dann werden wir das Wirken des Heiligen Geistes spüren, dann geben wir der Kirche von Augsburg Zukunft", glaubt Bischof Meier. (pm/lat)

Kommentare

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Beitrag von LeserReporter: Josef Lay
16. September 2020 - 15:43

Die ganze Schaumschlägerei und kluge Worte der Kirchenoberen ,sind fast nicht mehr zu ertragen, denn sie sind nicht mehr glaubwürdig. Wem wurden diese Fragen gestellt ?Wer sollte sie beanworten? Wem sollten sie beanwortet werden ? Hat Jemand die Menschen an der Basis einbezogen, die in Massen davonlaufen ? Wurde hinterfragt warum sie davonlaufen ? Oder braucht man das nicht, und
und sie werden nicht dazugerechnet ? Ich war 23 Jahre Mesner in st.Ulrich Kempten ,und bekam 8 Monate vor der Rente einen Schlaganfall. Nach der Reha wurde Alles versucht um mich rauszudrängen, und wurde behandelt als hätte ich durch Krankheit keine Würde mehr. Weil es nicht möglich war und mich wehrte ,wurde ich nach Renteneintritt mit einer Verbotsliste belegt ,und einfach aus der Pfarrei rausgeschmissen. Weil auch das nicht möglich war habe ich mich über Gemeindeberatung des Bistums ,bis zum Generalvikariat mit mehreren Schreiben gewendet. Alles ohne Resonanz. Wenn die Kirche die Menschen nur noch als Kirchensteuerzahler und ehrenamtliche sieht, dann geht die Errosion munter weiter und die Herren können noch oft diese Fragen stellen. Aber
wem ?
K

 


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