Universität Augsburg macht im Wintersemester "einen Schritt zurück zur Normalität"

Im Sommersemester musste die Uni Augsburg heuer lange Zeit leer bleiben. Im Winter soll sich das teilweise ändern.

Im Wintersemester sollen an der Universität Augsburg auch wieder Präsenzveranstaltungen stattfinden.

Wenn an der Universität Augsburg im November das Wintersemester beginnt, müssen die Studenten weiterhin mit Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise rechnen. Die Universität hat darum nun eine Befragung der Studenten durchgeführt, um herauszufinden, wie diese mit dem Online-Semester im Sommer klar kamen. Darin hätten sich die Studenten zwar größtenteils zufrieden mit der Umsetzung der Online-Kurse gezeigt, allerdings stellten für einen Teil der Befragten die digitalen Lernformate und der fehlende soziale Kontakt auch eine große Herausforderung dar. Ein "hybrides Konzept" soll im nächsten Semester Abhilfe verschaffen.

Nicht alle Studenten haben die nötige technische Ausstattung

Das Sommersemester 2020 begann für die Studenten im April ungewohnt. Innerhalb von kurzer Zeit hatte die Universität, wie vom Wissenschaftsministerium beschlossen, ihr gesamtes Lehrangebot in den digitalen Raum verlegt. "Für alle hat dies einen enormen Kraftakt bedeutet“, resümiert nun Werner Schneider, Vizepräsident für Lehre und Studium. Insgesamt habe es die Universität geschafft, 88 Prozent der Lehrveranstaltungen auch im Online-Studium anzubieten. "Uns ist es jetzt aber wichtig, nach diesem rein digitalen Sommersemester zu analysieren, wo Verbesserungspotential besteht und wo Bestandteile der Online-Lehre auch langfristig integriert werden können", sagt Schneider.

An der Befragung der Universität beteiligten sich rund 4000 Studenten. Rund zwei Drittel der Befragten hätten sich mit der technischen Umsetzung der Online-Kurse zufrieden gezeigt. Die Umfrage ergab auch, dass die meisten Studenten eine ausreichende technische Ausrüstung für das digitale Studium besitzen. Trotzdem gaben zumindest 13 Prozent der Studenten an, dass es für sie eine große Erleichterung gewesen wäre, wenn sie sich von der Universität ein Notebook hätten ausleihen können. "Hier setzten wir für das kommende Wintersemester an und werden bei Bedarf die Möglichkeit bieten, entsprechende Hardware auszuleihen", verspricht Schneider.

Probleme mit Internet und Software

Probleme gab es bei einem Drittel der Befragten auch bei der Internetanbindung: In ihren Wohnorten war diese demnach teilweise zu schlecht ausgebaut, um auch mit größeren Datenmengen problemlos zu arbeiten. Der Universität sei klar, dass nicht alle Studenten die ideale technische Ausgangslage für digitale Lehrveranstaltungen haben, sagt Schneider. Als Lösung habe man unter anderem darauf geachtet, dass alle prüfungsrelevanten Video-Vorlesungen nicht nur live, sondern auch als Aufzeichnung jederzeit zum Download zur Verfügung stehen. So könnten sich Studenten, die zuhause eine schlechte Internetverbindung haben, sich die Lerninhalte an einem anderen Ort herunterladen und dann Zuhause damit arbeiten.

Häufig seien von den Studenten in der Umfrage auch Probleme mit benötigter Software genannt worden. Da die Studenten keinen Zugriff mehr auf die Computerräume am Campus haben, habe die Universität inzwischen mit Softwareherstellern verhandelt, um Programme, die bislang nur auf diesen Computern genutzt werden konnten, auch auf den Heimcomputern nutzbar zu machen.

Es fehlte der soziale Kontakt

In der Wahrnehmung der befragten Studierenden ist die zeitliche Flexibilität gestiegen, allerdings gleichzeitig auch die Arbeitsbelastung. „Studierende, die mit Struktur und selbstdiszipliniertem Lernen Probleme haben, spüren diese jetzt noch viel mehr“, meint Psychologin Kerstin Jähne von der Zentralen Studienberatung der Universität Augsburg. Auch das subjektive Arbeitspensum sei durch das Selbststudium gestiegen. Struktur und Selbstmotivation seien nun besonders große Themen für die Studenten. Besonders vermissten die Befragten außerdem den sozialen Kontakt zu den Dozenten und den Kommilitonen.

Im Allgemeinen hätten sich, trotz insgesamt guter Noten für das Sommersemester, große Unterschiede in der Bewertung bei verschiedenen Studenten gezeigt. Die einen hätten das digitale Semester sehr positiv gesehen und wünschen sich Online-Kurse auch für die Zeit nach der Krise, weil diese sich besser mit Nebenjobs vereinbaren lassen und die Inhalte einfacher wiederholt werden können. Anderen wiederum fehle der soziale Kontakt und das Lernen zuhause stelle eine größere Herausforderung dar.

Online-Unterricht ist nicht für alle Fächer gleich gut geeignet

Diese Unterschiede in der Bewertung seien laut Schneider auch nachvollziehbar, denn nicht für alle Themen und Fächer sei der Unterricht im Internet gleich gut geeignet. „Kunst, Sport, Musik, Exkursionen und physikalische Experimente lassen sich digital nicht in der Qualität abbilden, die wir uns wünschen“, sagt Vizepräsident Schneider. Daher habe die Universität für diese Bereiche bereits im Sommersemester wieder einige wenige Präsenzveranstaltungen angeboten.

Im Wintersemester soll allerdings noch besser Abhilfe geschaffen werden. Im "hybriden Wintersemester" soll es neben den Online-Kursen auch Präsenzveranstaltungen geben, sowie Formate, die beides kombinieren. Besonders für Erstsemester sollen außerdem zusätzliche Angebote geschaffen werden, damit diese nicht nur inhaltlich einen guten Start ins Studium hätten, sondern auch persönliche Kontakte zu anderen Studenten aufbauen können. Zwar sei aufgrund der Hygienebedingungen die nutzbare Raumkapazität eingeschränkt, dennoch soll an der Universität im Winter so "ein Schritt zurück zur Normalität stattfinden". Digitale Angebote, die von den Studenten positiv bewertet wurden, könnten außerdem weiterentwickelt werden und auch künftig die Präsenzveranstaltungen ergänzen.

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