Augsburgs Oberbürgermeister verabschiedet: Kurt Gribl sagt "auf Wiedersehen"

Beifall für Kurt Gribl: Stellvertretend für alle 60 Stadträte dankte Willi Leichtle (SPD, rechts) dem scheidenden Oberbürgermeister für die geleistete Arbeit in den vergangenen zwölf Jahren.

Statt auf einem großen Festakt verabschiedet sich Oberbürgermeister Kurt Gribl in einem Online-Stream von den Augsburger Bürgern und überreicht den Rathausschlüssel an seine Nachfolgerin

Oberbürgermeister Kurt Gribl hat gestern nach zwölf Jahren Amtszeit seine Amtskette abgegeben. Aufgrund der Corona-Krise musste der 55-Jährige auf einen Festakt im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses verzichten, stattdessen sprach er in einem Online-Stream zu den Bürgern.

Im Jahr 2008 trat Anwalt Gribl als parteiloser OB-Kandidat für die CSU gegen den Amtsinhaber Paul Wengert (SPD) an. Bereits im ersten Wahlgang erhielt Gribl mehr Stimmen und setzte sich auch in der Stichwahl gegen Wengert durch. Bei der Kommunalwahl 2014 trat unter anderem Stefan Kiefer von der SPD gegen Gribl an, der amtierende OB behauptete sich gegen seine Mitbewerber im ersten Wahlgang klar mit 51,8 Prozent aller Stimmen. Vor gut einem Jahr dann kündigte er an, bei der diesjährigen Kommunalwahl nicht erneut als Bürgermeisterkandidat anzutreten.

In den vergangenen zwölf Jahren besuchte unter anderem im Jahr 2009 der damalige Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Fuggerstadt und schrieb ein Versprechen in das Goldene Buch: "Die Uni-Klinik kommt!" Weitere zehn Jahre später war es dann endlich so weit und das Augsburger Klinikum ging zum 1. Januar 2019 von der Trägerschaft der Stadt und des Landkreises Augsburg an den Freistaat über und wurde zur Uni-Klinik. Ursprünglich hatte der Augsburger Stadtrat bereits 1951 das Krankenhaus als Universitätsklinik in Auftrag gegeben. Im Stadtrat wurde Gribl bereits in der letzten Sitzung der Amtsperiode am Donnerstag vergangener Woche stellvertretend für alle 60 Stadträte von Willi Leichtle (SPD), der selbst nach 48 Jahren aufhört, verabschiedet. In seiner Dankesrede an den scheidenden OB erklärte Leichtle, dass Augsburg das Universitätsklinikum nur der engen Zusammenarbeit Gribls mit Seehofer zu verdanken habe. „Ohne diese Konstellation glaube ich nicht, dass dies zustande gekommen wäre“, sagte Leichtle.

Den Startschuss für ein weiteres Großprojekt gab der Stadtrat unter Vorsitz Kurt Gribl mit der Theatersanierung. Neben Zuschüssen half der Freistaat 2018 mit der Ernennung zum Staatstheater erneut aus. Künftig finanzierten also Freistaat und Stadt zu gleichen Teilen das Schauspielhaus, dessen Sanierungskosten mit knapp 190 Millionen Euro zu explodieren drohen. "Gemeinsam und miteinander", wie Gribl sagt, habe man zudem die Innenstadt samt Königsplatz-Umbau neu gestaltet, die Finanzmarktkrise bewältigt, die Weihnachtsbombe 2016 überstanden und mit dem Innovationspark inklusive Technologiezentrum den Weg frei für neue und moderne Arbeitsplätze gemacht. Außerdem wurde das neue Stadion des FC Augsburg erschlossen, das Curt-Frenzel-Stadion umgebaut sowie der Kongress am Park saniert und der Bahnhofsumbau angegangen. In seinen beiden Amtszeiten flossen laut Eva Weber knapp 400 Millionen Euro in die Augsburger Schullandschaft und die Fuggerstadt erhielt den Titel "Unesco-Weltkulturerbe". "Man könnte meinen, dass du zwölf Jahre lang nur Großprojekte gemacht hast", sagte Weber.

Einige Niederlage musste Gribl allerdings hinnehmen, wie beispielsweise 2015, als er sich für eine Fusion der Stadtwerke und Erdgas Schwaben aussprach, die Mehrheit der Augsburger Bürger jedoch dagegen stimmten und einen Zusammenschluss verhinderten. "Ich blicke mit Staunen, Stolz, Dankbarkeit und Demut zurück", sagte Gribl gestern und war den Tränen nah, als er sich bei Familie, Freunden und vor allem seiner Ehefrau Sigrid bedankte. "Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute, leben sie diese wunderbare Stadt und seien sie achtsam mit ihr. Ich sage nicht lebe wohl, ich sage auf Wiedersehen", richtete sich Kurt Gribl an die Bürgerschaft.

Mit den fachlichen Erfahrungen im Rücken, werde Gribl künftig selbstständiger Berater mit Schwerpunkt auf den Bau- und Immobilienbereich für die Entwicklung und Realisierung von Bauprojekten. "Ich war gerne Ihr OB, mit Leib und Seele, weil a bissle OB geht halt auch nicht", sagte Kurt Gribl, ehe er die Amtskette an den Stadtratsältesten Bernd Kränzle abgab und den Rathausschlüssel an Nachfolgerin Eva Weber überreichte. Einstimmig hat der Stadtrat beschlossen, Kurt Gribl die Ehrenwürde des Altbürgermeisters zu verleihen.

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