Coronavirus: Das plant die Stadt, wenn die Infektionszahlen weiter steigen

Oberbürgermeisterin Eva Weber gab in einer Pressekonferenz am Donnerstag bekannt, welche Maßnahmen die Stadt plant, sollten die Corona-Fallzahlen weiter ansteigen. Das Gesundheitsamt meldete indes 17 neue Fälle. Zwölf Neuinfektionen wurden bei Reiserückkehrern festgestellt. Als Infektionsorte wurden unter anderem Kroatien (fünf Fälle) und der Kosovo (drei Fälle) ermittelt. Insgesamt hat das Gesundheitsamt in Augsburg nun 748 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. 616 Personen sind genesen, 116 sind aktuell erkrankt, 16 Personen sind verstorben.

Der Ordnungsdienst der Stadt Augsburg soll künftig Verstöße gegen den Infektionsschutz verstärkt ahnden. Sollte der Warnwert für die Infektionszahlen überschritten werden, steht ein "Maßnahmenkatalog" bereit.

Ein bisschen sei es so, dass "alle wissen, dass wir eine Krise haben, aber keiner will wahrhaben, dass wir eine Krise haben", formulierte Oberbürgermeisterin Eva Weber auf einer Pressekonferenz am Donnerstag zur Corona-Lage in Augsburg. Es war die erste Corona-Pressekonferenz der Stadt seit mehreren Monaten. Im Frühjahr war die Stadtspitze teilweise wöchentlich vor die Presse und vor das Internetpublikum getreten. Auch die Ansprache von Weber am Donnerstag wurde wieder live ins Internet übertragen. Die aktuellen Infektionszahlen in Augsburg haben die Stadt in Alarmbereitschaft versetzt. Am Mittwoch stand die Sieben-Tage-Inzidenz bei 34,6. Ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen muss eine Stadt oder ein Landkreis konkrete Maßnahmen zur Senkung der Zahlen vorlegen. Ab 50 Neuinfektionen müssen Lockerungen rückgängig gemacht werden und Beschränkungskonzepte in Kraft treten.

"Wir müssen damit rechnen, dass der Signalwert überschritten wird"

Am Donnerstag ging der Wert wieder leicht zurück. 17 neue Corona-Fälle meldete das Gesundheitsamt. In den vergangenen sieben Tagen waren es insgesamt 98 Neuinfektionen im Stadtgebiet. Die Sieben-Tage-Inzidenz steht nun bei knapp 33. "Wir müssen damit rechnen, dass der Signalwert überschritten wird", sagte Weber auf der Pressekonferenz.

Ein "Maßnahmenkatalog", der dann zum Einsatz kommen könne, sei bereits erarbeitet. Die Oberbürgermeisterin nannte auch gleich ein paar Beispiele, etwa eine Einführung einer Maskenpflicht an stark besuchten Orten, eine Reduzierung der maximalen Personenzahl bei privaten Veranstaltungen, Alkoholverbote an öffentlichen Plätzen oder verschärfte Besuchsregeln in Alten- und Pflegeheimen. Solche Einschnitte gelte es dann mit der Regierung von Schwaben, aber auch mit den Nachbarlandkreisen abzusprechen. Denn würde beispielsweise die Stadt Augsburg "den Einzelhandel wieder zurück fahren", sei zu erwarten, dass viele Augsburger womöglich ins Augsburger Land oder nach Aichach-Friedberg fahren würden, um dort einzukaufen. Dies könnte dann zur Folge haben, dass in den Nachbarlandkreisen Hotspots entstehen – und "da hätten wir alle miteinander nichts davon".

Verstöße gegen den Infektionsschutz verstärkt ahnden

Eine Maßnahme, die die Stadt Augsburg direkt umsetzen möchte, sei, dass der Ordnungsdienst nun Verstöße gegen den Infektionsschutz verstärkt ahnden werde, erklärte die Oberbürgermeisterin. Dies betreffe etwa Bußgelder bei einer Nichteinhaltung von Hygienekonzepten in Geschäften oder in der Gastronomie.

Mit einem totalen Lockdown für Augsburg rechnet Weber nicht. "Da müsste schon sehr viel passieren." Die Stadt sieht sich mit ihrem "Maßnahmenkatalog" gut gewappnet, um der weiteren Ausbreitung des Virus in Augsburg entgegenzutreten.

Ab September soll zudem das Testzentrum am Messegelände für alle, die sich testen lassen wollen, geöffnet werden. Ein Dienstleister solle das Zentrum dann künftig betreiben und Kapazitäten für 600 bis 900 Tests am Tag bereitstellen.

Auf mögliche Absagen von Corona-Demos – wie in Berlin – ging Augsburgs Oberbürgermeisterin ebenfalls ein. Auch in diesem Fall "müsste sehr viel passieren". Das Demonstrationsrecht sei "ein wesentliches Grundrecht", betonte Weber. Eine Untersagung von Demos "wäre eine der aller letzten Maßnahmen".

Weber wies auch darauf hin, dass Veranstaltungen "abhängig vom Infektionsgeschehen" jederzeit kurzfristig abgesagt werden könnten. Gewandt an die Kritiker des Plärrers, der in abgespeckter Variante am Freitag beginnt, sagte sie: "Es ist kein Volksfest." Stattdessen handle es sich um eine Art eingeschränkten Vergnügungspark, der unter strengen Auflagen genehmigt wurde. Es sollen Kontaktdaten der Besucher erfasst und die Besucherströme geregelt werden, die Fahrgeschäfte seien reduziert, die dezentralen Gastrobereiche auf maximal 200 Sitzplätze begrenzt – und "es gibt kein Bierzelt", betonte Weber. Außerdem seien jederzeit Security-Kräfte auf dem Gelände, die Ansammlungen gar nicht erst entstehen lassen sollen. (jaf)

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