Region: Augsburg Stadt

Entscheidung zur Linie 5 vertagt: Unstimmigkeit im Augsburger Stadtrat

Bestenfalls soll die Linie 5 mit der Fertigstellung des Bahnhofstunnels an den Start gehen. Erst einmal muss der Stadtrat aber über den ersten Planfeststellungsantrag für die neue Straßenbahn abstimmen.

Die Planung der Linie 5 verzögert sich nach Unstimmigkeit im Stadtrat erneut.

Nach der Stadtratssitzung am Donnerstag ist in Sachen Straßenbahnlinie 5 weiterhin nichts entschieden. Mehrere Fraktionen hatten Beratungsbedarf angemeldet, weshalb nun doch erst in der nächsten Sitzung am 17. Dezember über die Einreichung des Planfeststellungsantrags bei der Regierung von Schwaben abgestimmt werden soll. Zu einer mehrstündigen Diskussion führte die Beschlussvorlage allerdings bereits aktuell. Denn nicht alle Fraktionen stimmten mit der von den Stadtwerken und der Stadtverwaltung ermittelten Vorzugsvariante für die Trassenführung überein.

Zwei Varianten für den ersten Streckenabschnitt stehen aktuell noch in der engeren Auswahl, wobei die Variante "4c" in der zur Abstimmung gegebenen Beschlussvorlage als Vorzugsvariante angegeben ist. Es handelt sich dabei um die "Flügelvariante", bei der die stadteinwärtige und die stadtauswärtige Richtung der Straßenbahnen 3 und 5 zwischen dem Hauptbahnhof und der Luitpoldbrücke geteilt – also "geflügelt" – fahren. Eine Richtung fährt dabei über die Rosenau- und die Pferseer-Straße, zurück fahren die Bahnen durch die Perzheim- und die Hörbrotstraße.

Die Idee für diese Variante stammt bereits aus dem Jahr 2014. Seitdem wurden allerdings auch zahlreiche andere mögliche Trassenführungen geprüft – über 30 laut Stadtwerke-Chef Walter Casazza. Übrig blieb neben der Flügelvariante nur noch die laut Oberbürgermeisterin Eva Weber vielleicht auf den ersten Blick "logischer erscheinende" Variante, die beide Fahrtrichtungen durch die Rosenaustraße führt. Dass die Wahl aber letztendlich nicht auf diesen direkten Weg fiel, begründete Casazza damit, dass diese "gesamtverkehrlich" weniger günstig sei.

Unter anderem könnten in der Pferseer Straße aufgrund der Breite der Schienen in dieser Variante keine Fahrradwege angelegt werden und die dortigen Kurzzeitparkplätze würden entfallen, so Baureferent Gerd Merkle. An der bereits jetzt problematischen Kreuzung der Rosenau- und der Pferseer Straße könnten zwei zusätzliche Straßenbahntrassen zu Staus führen.

Während sich sowohl die CSU als auch die Grünen für die vorgelegte Flügelvariante aussprachen, wünschten sich einige Fraktionen, allen voran die Soziale Fraktion aus SPD, Linken und ÖDP, den Weg durch die Rosenaustraße – und zwar nach dem Tunnel die komplette Straße entlang. Die Fraktion folgt damit unter anderem den Vorschlägen des Augsburger Verkehrsplaners und ehemaligen Chefs der Münchner Verkehrsgesellschaft Herbert König. Die längere Strecke mit zusätzlichen Kurven mache die neue Linie demnach weniger attraktiv für die Fahrgäste, weil die Fahrt länger dauere. Außerdem würden 100 Anwohnerparkplätze in der Flügelvariante ersatzlos gestrichen.

Baureferent Merkle sprach sich deutlich gegen diese Variante aus, denn die Kastanienallee in der nördlichen Rosenaustraße müsse in dieser Variante wohl fast vollständig gefällt werden. Dagegen hätten sich die Anwohner "vehement ausgesprochen", so Merkle.

Als Lösung für das Problem der anstehenden Baumfällungen schlug die Soziale Fraktion vor, die Straßenbahnen in der Rosenaustraße nicht auf einer eigenen Trasse zu führen, sondern im Verkehr "mitschwimmen" zu lassen. Dadurch müsste die Straße nicht verbreitert werden, und die Bäume könnten so, laut der Sozialen Fraktion, erhalten oder zumindest an gleicher Stelle nachgepflanzt werden. Von den Stadtwerken wurde diese Variante ausgeschlossen, da die erhoffte Förderung zu Beginn der Planung davon abhing, dass die Bahn auf einem eigenen Gleiskörper fährt. Inzwischen wurde diese Vorgabe allerdings leicht abgeändert; die Straßenbahnen müssen nur noch "überwiegend" auf eigenen Gleiskörpern fahren.

Die SPD wünscht sich aufgrund dieser neuen Rahmenbedingung eine erneute genauere Betrachtung der Alternativvariante. Die Stadtwerke aber halten dies nicht für nötig. Es gebe aktuell noch keinerlei Richtlinie, wie das Wort "überwiegend" ausgelegt werden würde, und damit auch keinerlei Sicherheit, ob das gesamte Bauprojekt weiterhin förderfähig bleibe, wenn in der Rosenaustraße keine eigene Trasse gebaut werde. "Diese Argumentation ist auf Sand gebaut", sagte dazu Walter Casazza.

Mehrheit für Trasse mit Flügelung und Holzbachstraße

Dass sich doch noch eine Mehrheit dafür findet, die Rosenaustraße zur Vorzugsvariante zu erklären, ist unwahrscheinlich. Sowohl CSU als auch Grüne, die gemeinsam die Mehrheit des Stadtrates stellen, zeigten sich zufrieden mit der Beschlussvorlage. Der Vorschlag, den die Stadtwerke nun mit dem Antrag auf Planfeststellung bei der Regierung von Schwaben einreichen wollen, sei eine "Herleitung aus vielen Jahren", sagte OB Weber. Man dürfe sich hier nicht nur von einem Bauchefühl verleiten lassen, sondern müsse den Experten trauen.

Die Variante 4c habe "einfach sehr viele Vorteile", sagte Deniz Anan (Grüne). Sie belaste den Fahrradverkehr am wenigsten, trage durch eine geplante Einbahnstraßenregelung zur Verkehrsberuhigung im Thelottviertel bei und ermögliche außerdem ein ebenerdiges Umsteigen zwischen der Linie 3 und der Linie 5, das bei der getrennten Führung der beiden Bahnen nur am Hauptbahnhof möglich sei. Der Fahrzeitunterschied von einer knappen Minute pro Richtung sei außerdem beim Mitschwimmen im Verkehr "ganz schnell wieder weg", meinte Matthias Lorentzen (Grüne).

Ohnehin gehe es aktuell nur um die Frage, ob die Stadtwerke ihren Antrag bei der Regierung von Schwaben einreichen dürfen, betonte Casazza. Innerhalb der Planfeststellung werden von Seiten der Regierung von Schwaben "noch einmal ein Abwägungsprozess stattfinden" darüber, welche Variante die geeignetste ist.

Die Abstimmung im Stadtrat findet nun im Dezember statt. Spätestens dann muss die Entscheidung laut der Stadtverwaltung fallen, um mit dem Projekt im Zeitplan zu bleiben.

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