Frauen in den Führerstand: Personalsorgen vor Betreiberwechsel auf Augsburger Bahnstrecken

Siemens Desiro HC im Rohbau: Zumindest die Fahrzeug-Produktion scheint im Plan zu sein.

Vor dem Betreiberwechsel auf den Augsburger Bahnstrecken Ende 2022 plagen das Unternehmen Go-Ahead Personalsorgen - Mehr weibliche Interessenten gewünscht

Es sind noch etwas mehr als zwei Jahre Zeit, bis das Unternehmen Go-Ahead den Betrieb der Bahnstrecken zwischen München, Augsburg und Ulm sowie zwischen Augsburg und Würzburg beziehungsweise Augsburg und Aalen übernimmt. Einige Landtagspolitiker sehen den Betreiberwechsel mit Sorge, da Go-Ahead im benachbarten Baden-Württemberg in einer ähnlichen Situation mit Startschwierigkeiten zu kämpfen hat. Tatsächlich räumt das Verkehrsunternehmen ein, dass insbesondere der Aufbau von notwendigem Personal nicht nach Plan verlaufen ist. Trotzdem ist man bei Go-Ahead zuversichtlich - und das, obwohl für die erste Bewährungsprobe auf bayerisch-schwäbischem Boden nur noch ein gutes Jahr bleibt. Go-Ahead übernimmt ab Dezember 2020 auch das E-Netz Allgäu, also die Strecke zwischen München, Memmingen und Lindau.

Go-Ahead habe in Baden-Württemberg seit über einem Jahr massive Probleme und das lasse für Schwaben nichts Gutes erahnen, warnen die Abgeordneten Markus Büchler und Christina Haubdrich (beide Grüne).

Tatsächlich klingt die Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage Büchlers wenig optimistisch. "Während sich der Zeitplan der Produktion der Fahrzeuge für Bayern erfreulich gut präsentiert, stellt die BEG (Bayerische Eisenbahngesellschaft) Abweichungen vom ursprünglichen, im Rahmen des Betriebsaufnahmekonzepts aufgestellten Meilensteinplan fest. Sie hat daher Go-Ahead um regelmäßige Deltadarstellung gegenüber den ursprünglichen Planungen in den Quartalsberichten und Inbetriebnahmegesprächen in beiden Netzen gebeten", heißt es in dem Schreiben aus dem Verkehrsministerium. Insbesondere seien die "Thematiken Werkstattneubau in Langweid sowie Personalaufbau" betroffen.

"Ohne Personal und ohne Werkstatt werden die Züge nicht fahren können", stellt Büchler, der mobilitätspolitische Sprechers der Grünen-Fraktion, fest. Er fordert die Staatsregierung auf, "alles zu tun, dass das Bahnangebot in unserer Region durch den Betreiberwechsel nicht gefährdet werden kann". Seine Parteikollegin Haubrich erinnert an die Bedeutung der Bahnlinie Ulm-Augsburg-München insbesondere für die vielen Berufspendler nach München. "Es ist Aufgabe des Freistaates Bayern für einen reibungslosen Betrieb mit attraktiven Zügen und Takten zu sorgen und diesen deutlich auszubauen", erklärt Haubrich.

"Wir haben das gleiche Ziel wie die Landtagsabgeordneten Büchler und Haubrich, die BEG und das Ministerium: Wir wollen der Region einen sicheren, pünktlichen und zuverlässigen Regionalverkehr auf der Schiene bieten", stellt Winfried Karg, Pressesprecher bei Go-Ahead, klar.

Tatsächlich sei es so, dass erheblich weniger ausgebildete Lokführer von der DB AG zu Go-Ahead wechseln, als der künftige Betreiber angenommen hatte. Als Reaktion darauf habe Go-Ahead die Aktivitäten zur Ausbildung von Lokführern erhöht und bildet sie nun selbst aus. "Leider mussten wir unsere Ausbildungskurse durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie aussetzen und konnten neue Kurse erst später als geplant beginnen, aber jetzt läuft wieder alles im geplanten Umfang", sagt Karg. Vorgesehen sei, dass noch vier Kurse in diesem Jahr beginnen, der erste bereits im Juli. "Weitere Bewerber können sich gerne bei uns melden. Und sehr gerne auch Bewerberinnen - dieser Beruf kann gut von Frauen ausgeübt werden, auch wenn die Vorstellung davon in vielen Köpfen noch anders ist", wirbt Karg um weibliche Interessenten.

Doch das Problem mit dem Personalmangel ist weit größer. Die Eisenbahnbranche verzeichnet laut dem Go-Ahead-Sprecher bundesweit einen Mangel von rund 1000 Lokführern. Als Antwort darauf wolle sein Unternehmen in nächster Zeit eine eigene Ausbildungsakademie zur Qualifizierung von Lokführern gründen.

Immerhin: Probleme mit zuwenig Fahrzeugen zum Betriebsstart werde es nicht geben: "Derzeit sind die ersten Fahrzeuge für das E-Netz Allgäu fertig und werden von der Herstellerfirma Stadler ersten Tests außerhalb des Werks unterzogen. Auch die Firma Siemens kommt mit ihren Arbeiten an den Fahrzeugen für das Augsburger Netz gut voran", sagt Karg. Und: Auch in Baden-Württemberg habe sich die Situation in puncto Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit deutlich verbessert.

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