Gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution: Stadt beteiligt sich an bundesweiter Kampagne "SchattenDasein"

Rund 500 Frauen gehen allein in Augsburg der Prostitution nach. Eine bundesweite Kampagen will nun auf Menschenhandel und Zwangsprostitution aufmerksam machen.

Die bundesweite Kampagne "SchattenDasein" startet am Samstag. Sie wird vom Dachverband „Gemeinsam gegen Menschenhandel“ organisiert. Dem Bündnis gehören über 30 Initiativen und Organisationen an, die sich gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution einsetzen – darunter auch der Verein „AugsburgerInnen gegen Menschenhandel“, der vom Büro für Kommunale Prävention der Stadt Augsburg unterstützt wird.

Neben Augsburg finden auch in Düsseldorf, Gera, Reutlingen, Essen, Freiburg, Saarbrücken, Kiel, Plauen, Bonn, Salzburg und auch Zürich Aktionen zum Kampagnenauftakt von „SchattenDasein“ statt. Ziel sei, auf das Leid hunderttausender Prostituierter aufmerksam zu machen, das auf den ersten Blick oft nicht sichtbar sei, teilt die Stadt Augsburg mit. Unter anderem mit drei Plakat- und Postkartenmotiven soll die Öffentlichkeit sensibilisiert werden, wie trügerisch das weit verbreitete Bild der selbstbestimmten und freiwilligen Prostitution ist. Oft führten Gewalt, Drogen, wirtschaftliche Existenznöte oder persönliche Zwänge bis hin zum Menschenhandel in die Prostitution, aus der die Frauen nur schwer entfliehen könnten.

„Menschenhandel ist ein Verbrechen gegen die universellen Menschenrechte", berichtet Diana Schubert, Leiterin des städtischen Büros für Kommunale Prävention und Geschäftsführerin des Kommunalen Präventionsrats Augsburg. "Dieses weltweit verbreitete Phänomen ist auch in Deutschland erschütternde Realität. Denn Deutschland gilt als Herkunfts-, Transit- und Zielland für Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung." Menschenhandel und Prostitution stünden in enger Verbindung zueinander - und Deutschland habe weltweit eine der liberalsten Gesetzgebungen im Bereich Prostitution. Allein in Augsburg gingen täglich etwa 500 Frauen in Bordellen der Prostitution nach.

Im Jahr 2018 seien in der Bundesrepublik 356 polizeiliche Ermittlungsverfahren zu Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung abgeschlossen worden. 96 Prozent der Opfer waren weiblich, fast die Hälfte unter 21 Jahren. Besonders Frauen aus Bulgarien und Rumänien, aber auch Frauen aus Deutschland würden meist mit falschen Versprechungen, Drohungen sowie physischer und psychischer Gewalt zur Prostitution gezwungen. Ein Kreislauf, der ohne Hilfe von außen kaum durchgebrochen werden könne.

Deutschland hat sich in internationalen Verträgen dazu verpflichtet, Menschenhandel vorzubeugen und zu bekämpfen. Als eine wesentliche und effektive Maßnahme wird die Verringerung der Nachfrage genannt. Die könne aber nur gelingen, wenn das Thema auf die politische Tagesordnung, auch auf kommunaler Ebene, gesetzt wird. Oberbürgermeisterin Eva Weber sagt dazu: „Es ist Aufgabe der Politik und Zivilgesellschaft, alles dafür zu tun, dass Deutschland nicht weiterhin als Hotspot des europäischen Menschenhandels und Bordell Europas bezeichnet werden kann und Sextouristen aus der ganzen Welt anlockt.“

Die Stadt Augsburg übernehme dabei eine Vorreiterrolle, schreibt die Stadt weiter. Grundlage dafür sei die enge Vernetzung von Polizei, Justiz, städtischen Dienststellen und zivilgesellschaftlichen Trägern im Arbeitskreis Prostitution des Kommunalen Präventionsrates. Dadurch würden seit 2013 Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Prostituierten in Augsburg erfolgreich entwickelt, gebündelt und von Geschäftsführerin Diana Schubert koordiniert sowie erfolgreich umgesetzt. So konnte etwa ein Verbot der Straßenprostitution erreicht werden. Zudem werden die Frauen in den Bordellen von Milieusozialarbeiterinnen des städtischen Gesundheitsamtes und des Trägers „SOLWODI – Solidarity with women in distress“ aufgesucht und über Möglichkeiten des Ausstiegs beraten. Über intensive Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Augsburg gemeinsam mit dem Verein „AugsburgerInnen gegen Menschenhandel e. V.“ gelinge es zunehmend, das Nischenthema Zwangsprostitution zu enttabuisieren.

Ab 19. September wird die Internetseite www.schattendasein.de für weitere Informationen zur Kampagne freigeschaltet. Die drei Postkarten-Illustrationen zur Kampagne „SchattenDasein“ liegen ab der kommenden Woche auch in den Bürgerbüros der Stadt Augsburg sowie in der Bürgerinformation am Rathausplatz zum Mitnehmen aus. (pm)

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