Kritik an AVV-Preiserhöhung reißt nicht ab

Die Kritik an der AVV-Tariferhöhung nimmt zu.

Nach deutlichen Worten von SPD, Linke, ÖDP und Landkreis-Grünen meldet sich nun die "Bürgerliche Mitte" zu Wort. Und eine Bürgerbewegung stellt gar einen Antrag an die Oberbürgermeisterin

Scharfe Kritik an der Preiserhöhung des Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund zum 1. Juli gab es bereits in der vergangenen Woche von politischen Parteien aus Augsburg Stadt und Land. In der Stadt Augsburg kritisierte vor allem die Fraktion aus SPD und Linke die Tarifanpassung. Nun meldet sich die neue Fraktion im Augsburger Stadtrat "Bürgerliche Mitte", bestehend aus Freien Wählern, Pro Augsburg und FDP, zu Wort. Nach Ansicht der FDP wäre der Verzicht auf die Tariferhöhung für den AVV durchaus verkraftbar. Augsburg in Bürgerhand stellt zudem einen Antrag und fordert, dass die beabsichtigten Preiserhöhungen und die Preisstufenregelungen der Stadtwerke zurückgenommen werden.

"Die vom AVV vorgebrachten Einnahmeausfälle aufgrund des Corona-Virus lassen die Liberalen als Begründung nicht gelten", teilt die FDP in einer Pressemitteilung mit. Im Gegenteil seien die corona-bedingten Belastungen der Bevölkerung ein Grund, auf die Fahrpreiserhöhung in diesem Jahr zu verzichten. Dass die Fahrkarten heuer um knapp fünf Prozent teurer werden sollen, wurde bereits Mitte vergangenen Jahres in einem Index-Verfahren mit Faktoren wie Strom- oder Treibstoffpreise und Personalkosten berechnet. Auf Grundlage dieser Berechnungen im relevanten Berechnungszeitraum von April 2018 bis März 2019 ergeben sich neue Preise zum 1. Juli dieses Jahres. "Das heißt, die geschönt ‚Tarifanpassung‘ genannte Verteuerung hat nicht nichts mit Corona zu tun", ist sich die FDP sicher, erkennt jedoch an, dass die Covid-19-Pandemie für den AVV eine unerwartete Belastung darstellt.

Für diese corona-bedingten Belastungen darf der AVV auf Hilfen der Bundesregierung hoffen. „Die Spitzen der Berliner Koalition haben sich letzte Woche darauf geeinigt, für den öffentlichen Nahverkehr 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen", so die Liberalen in ihrer Mitteilung. Auch wenn noch nicht klar sei, wie diese Summe auf die knapp 120 Tarifverbünde in Deutschland verteilt werden soll, komme man für die Region Augsburg demnach rein rechnerisch auf einen zweistelligen Millionenbetrag. "Wegen Corona wird also auch in Zukunft keine Fahrpreiserhöhung notwendig", findet die FDP.

Die Kosten, die ein Verzicht auf die Tarifanpassung auch in der zweiten Jahreshälfte bedeuten würde, beziffert der AVV auf zwei Millionen Euro für das gesamte Tarifgebiet. In der Stadt Augsburg fällt etwas mehr als die Hälfte an. Diese Summe hält die FDP für verkraftbar, denn: “Die Stadtwerke subventionieren den Nahverkehr aus Erträgen der Energiesparte ohnehin mit knapp 40 Millionen Euro pro Jahr. Gleichzeitig entfallen Sponsoringausgaben für zahlreiche Kultur- und Sportveranstaltungen, die dieses Jahr wegen Corona abgesagt werden mussten."

Mehr Bürgerbeteiligung gefordert

Die Bürgerbewegung Augsburg in Bürgerhand hat derweil einen Dringlichkeitsantrag an Oberbürgermeisterin Eva Weber gestellt. Aus Sicht der Bewegung müsse die aktuelle Preiserhöhung und neue Preisstufenregelungen der Stadtwerke sofort zurückgenommen werden.

"Die vergangene Verkehrspolitik der Stadtregierungen und auch der Stadtwerke gehen in die falsche Richtung und verschärfen die vorhandenen Probleme", heißt es in einer Mitteilung. Demnach müssten Anreize in Preisgestaltung und Versorgungsqualität geschaffen werden, um Menschen zu motivieren auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Deshalb fordert Augsburg in Bürgerhand Stadtrat Bruno Marcon die Aussetzung der AVV-Preiserhöhung, die Rückkehr zur Taktfrequenz der Linienfahrzeuge vor den Corona-Einschränkungen, die Einführung eines 365 Euro Jahrestickets sowie die Gründung einer "Allianz für den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr" unter direkter Bürgerbeteiligung. (pm/pb)

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 

Neueste Kommentare

Europas Zukunft gestalten – besser zusammen! …
1 Tag 11 Stunden
Tödlicher Unfall auf der A8 bei Adelsried
3 Tage 11 Stunden
Versteck beim Gewitter!
4 Tage 1 Stunde
Auf einem Bein
4 Tage 1 Stunde
Auf einem Bein
6 Tage 14 Stunden


X