Der Müllberg wächst weiter: Erweiterung der Deponie im Augsburger Norden geplant

von LeserReporter Hans Blöchl aus Augsburg-Lechhausen
In diesem Bereich wird die Deponie in die Breite wachsen.

Die Mülldeponie im Norden Augsburgs soll um acht Hektar erweitert werden. Dazu informierte nun die Stadt Augsburg.

So schön waren die Prognosen und Pläne. Vor 30 bis 40 Jahren hatte man gehofft, dass mit einem Bündel von Maßnahmen der anfallende Abfall so abnehmen würde, dass die Mülldeponie im Norden Augsburgs bis zum Jahr 2023 genutzt und dann geschlossen werden könnte. Wie es aber mit Prognosen so ist, manchmal führt die Realität sie einfach ad absurdum. Trotz der Zunahme von Recyclingquoten und anderen Methoden, Abfall wiederzuverwerten, wird die Menge in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter wachsen und zunehmen.

Stadt muss weitere Kapazitäten für Abfall schaffen

In Augsburg fallen jährlich bis zu 81 000 Tonnen Abfälle an, die nicht verbrannt oder recycelt werden können. Deshalb plant die Stadt jetzt die Erweiterung der bestehenden Deponie nördlich der Autobahn. Die jetzt teilweise noch betriebene Ablagerungsstätte ist jetzt zum großen Teil ein beliebtes Naherholungsgebiet und der „Monte Schutto“ mit 54 Metern die höchste Erhebung im Stadtgebiet.

Stadt informiert über das Vorhaben

Ungefähr 100 Zuhörer waren zur Informationsveranstaltung der Stadt in den Biergarten des Hubertushofes in der Firnhaberau gekommen. Aufgrund der Corona-Beschränkungen konnte nicht mehr Interessierte zugelassen werden. Umweltreferent Reiner Erben informierte zusammen mit dem Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs der Stadt und einigen Experten über das Vorhaben und die damit zusammenhängenden Fragen und Probleme.

Die derzeit bestehende Deponie wird ihre Aufnahmekapazität bis zum Jahr 2023 erreicht haben, mit Übergangslösungen kann dann dort noch für drei bis vier Jahre Abfall der sogenannten Deponieklasse 1 eingelagert werden. Dann muss die Stadt aufgrund ihrer gesetzlichen Verpflichtungen weitere Deponiemöglichkeiten schaffen.

In einem aufwändigen Verfahren im Auftrag des Stadtrates wurden fünf verschiedene Standorte im Stadtgebiet geprüft. Nach Aussagen der Experten erwies sich die Erweiterung des derzeitigen Geländes nördlich der Autobahn als der am besten geeignete Standort. Die dort bereits vorhandene Infrastruktur kann weiter genutzt werden, die ökologische Belastung wird sich in diesem Bereich besser begrenzen lassen als anderswo. Ungefähr acht Hektar zusätzliche Fläche werden zwischen der bestehenden Deponie und der Autobahn neu für den geplanten Zweck vorbereitet werden müssen.

Mit der Stadt Gersthofen und den Grundstückseigentümern ist man in der Diskussion um den Kauf der notwenigen Flächen. Derzeit ist das aufwändige Genehmigungsverfahren bei der Regierung von Schwaben in Arbeit. Es soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein und der Antrag eingereicht werden. Mit einem Baubeginn ist aber nicht vor dem Jahr 2024, mit einer Inbetriebnahme nicht vor 2026 zu rechnen.

Derzeit werden auf der Deponie Abfälle der Deponieklasse I abgelagert. Es werden nur nicht organische (inerte) Abfälle entsorgt. Dies sind beispielsweise Abfälle, die durch Bauvorhaben anfallen, wie etwa Bauschutt, Boden und mineralische Abfälle. Es ist damit zu rechnen, dass aufgrund auch vieler Bauvorhaben ein höherer Anfall von mineralischen Stoffen wie Glaswolle oder Asbest erfolgen wird. In Zukunft sollen auch Deponieklasse II-Abfälle mit einem geringen Schadstoffpotenzial hinzukommen. Diese werden momentan noch nach Binsberg in Nordschwaben gebracht. Erben wies daraufhin, dass es auch aus ökologischer Sicht sinnvoll sei, weite Transportstrecken zu vermeiden. Die neue Deponie wird mit den aktuell und zum Zeitpunkt des Baues geltenden Sicherheitsmaßnahmen ausgerüstet werden. Eine Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung sahen die Experten nicht gegeben.

Skepsis bei manchen Interessierten

Bereits im Vorfeld hatte die Stadt das Gespräch mit verschiedenen Akteuren unter anderem der Aktionsgemeinschaft „Lebenswerte Firnhaberau“ gesucht, um Fragen zu beantworten und Bedenken auszuräumen. Ganz gelungen scheint das nicht zu sein. Zumindest gab es einige skeptische Nachfragen bezüglich möglicher Belastungen für Umwelt und Grundwasser. Man sorge sich auch um die Erhaltung des derzeitigen Radwegs entlang der Deponie und die zusätzlich Verkehrsbelastung vor allem auch beim Bau der neuen Anlage.

Die befragten Experten wiesen darauf hin, dass keinerlei Sondermüll dort eingelagert werden dürfe. Die Abdichtung der Fläche nachunten würde den neuesten technischen Standards entsprechen. Die Verkehrsführung beim Bau und auch bei er Anlieferung der Abfallstoffe soll weiterhin über die Gersthofer Straße erfolgen und somit keine zusätzliche Belastung für die Firnhaberau oder die Hammerschmiede darstellen. Als dann die Frage aus dem Publikum kam, was denn in „40 Jahren sein würde und ob dann die Deponie noch einmal erweitert werden würde“, kam sichtlich ein wenig entnervt die Antwort, dass man dazu nicht reden, sondern in die Glaskugel sehen müsste.

Nun stehen die Hürden eines Genehmigungsverfahrens und des Planfeststellungsverfahrens, bei dem alle Bürger Einsprüche erheben können, vor dem Zukunftsprojekt. Erst dann fällt die endgültige Entscheidung.

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