Nahverkehr in der Krise: Schwarz-grüne Koalition will 365-Euro-Ticket prüfen lassen

Laut Augsburger Stadtwerken sind derzeit nur 40 bis 45 Prozent der sonst üblichen Fahrgäste in Straßenbahnen und Bussen unterwegs. Wie kommt der ÖPNV aus der Krise? Die neue schwarz-grüne Koalition im Rathaus will nun die Einführung eines 365-Euro-Tickets prüfen.

Die Preiserhöhung im AVV ab Juli hat viele Fahrgäste verärgert. Kommt in Augsburg bald ein günstigeres Jahresabo?

Die Corona-Pandemie hat den öffentlichen Nahverkehr in eine Krise gestürzt. Das eigene Auto – für die meisten ohnehin Verkehrsmittel Nummer eins – scheint auch den Augsburgern Corona-sicherer zu sein, als Straßenbahn und Co. Laut Stadtwerken sind derzeit nur 40 bis 45 Prozent der sonst üblichen Fahrgäste in Trams und Bussen unterwegs. Während der strengen Ausgangsbeschränkungen seien es sogar nur 20 Prozent gewesen. Zu allem Überfluss hält der Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV) an seiner Preiserhöhung zum Juli fest. Wie also den ÖPNV wieder attraktiver machen?

Die neue schwarz-grüne Koalition im Rathaus will nun das Thema 365-Euro-Jahresticket zumindest einmal prüfen. Die Augsburger Grünen fordern dieses Jahresabo, das rund um die Uhr gelten soll und heruntergerechnet pro Tag einen Euro kostet, schon lange. Die CSU war bislang dagegen.

Die beiden Fraktionen haben jetzt einen gemeinsamen Antrag an Oberbürgermeisterin Eva Weber und den Stadtrat gestellt. Demnach soll die Stadtverwaltung mit dem AVV und den Stadtwerken prüfen, ob im Raum Augsburg ein 365-Euro-Ticket eingeführt werden kann. Geklärt werden soll vor allem, was das kosten würde und ob die aktuellen Kapazitäten bei Bussen und Bahnen überhaupt ausreichen, um zusätzliche Fahrgäste zu befördern.

Vorbilder für das Vorhaben sind die Städte Wien und Nürnberg. Die österreichische Hauptstadt verfügt schon länger über eine 365-Euro-Jahreskarte, die Franken wollen spätestens Anfang 2023 ein solches Abo einführen. Erst vor wenigen Tagen beschloss dies der Nürnberger Stadtrat.

In Nürnberg hat die Stadt ausgerechnet, dass ein 365-Euro-Ticket den städtischen Haushalt mit circa 30 Millionen Euro pro Jahr belasten würde, sollte es keine Zuschüsse vom Freistaat oder vom Bund geben. In Augsburg gibt es Schätzungen, wonach die Stadtwerke Einnahmeausfälle von rund zwölf Millionen Euro pro Jahr hätten, würde das günstige Abo kommen. In ihrem Antrag fordern CSU und Grüne daher, eine „nachhaltige Finanzierung“ für den Nahverkehr, zu der auch der Freistaat seinen Teil beitragen soll.

"Finanzierbarkeit besonders sorgfältig prüfen"

Ziel müsse sein, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen und dessen Nutzung durch eine nachhaltige Tarifstruktur attraktiver zu gestalten, erklärt Peter Rauscher, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Die CSU tritt eher auf die Bremse und mahnt in Person von Leo Dietz: "Im Angesicht der massiven Rückgänge der öffentlichen Einnahmen durch die Corona-Krise muss die Finanzierbarkeit besonders sorgfältig geprüft werden."

Beide Parteien erkennen an, dass die Preiserhöhung im AVV zum 1. Juli "in der Öffentlichkeit teils auf großes Unverständnis gestoßen" ist. Im gemeinsamen Antrag heißt es aber auch: "Die Stadt Augsburg verfügt alleine ohne die anderen Aufgabenträger über keinerlei Handlungsspielraum, um diese Preisanpassung rückgängig zu machen oder zu verschieben, denn die Anpassung der Preise im AVV ist keine tagespolitische Entscheidung, sondern folgt einem auf objektiven Kriterien basierenden Warenkorb, der sich insbesondere an der Entwicklung der Personal- und Energiekosten orientiert."

Zumindest eine kleine Preisverbesserung könnte sich zeitnah ergeben. Im Antrag fordert Schwarz-Grün, die Stadt solle sich zudem im AVV dafür einsetzen, dass die befristete Mehrwertsteuersenkung, „in geeigneter Weise an die Kundinnen und Kunden weitergereicht werden kann“.

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