Region: Augsburg Stadt

Seit 200 Tagen campen Augsburger Jugendliche für das Klima

Auch bei kalten Temperaturen schlafen Jugendliche weiterhin im Klimacamp neben dem Augsburger Rathaus.

Nachdem die "Fridays for Future"-Bewegung erst am Freitag an ihre erste Klimademo in Augsburg vor ziemlich genau zwei Jahren erinnerte, stand am Samstag ein weiteres Jubiläum an: Seit 200 Tagen steht das Klimacamp der Aktivisten neben dem Augsburger Rathaus. Jugendliche und junge Erwachsenen verbrachten dort in dieser Zeit ihre Freizeit, veranstalteten Workshops, kochten und übernachteten mitten im Stadtzentrum – auch während der Wintermonate. Ihr Ziel erreicht haben sie allerdings noch nicht.

Von der Stadtregierung fordern die jungen Klimaaktivisten unter anderem, dass diese sich zu stärkeren und schnelleren CO2-Einsparungen verpflichtet. Laut den Aktivisten werde die Stadt mit den Zielen des aktuellen Koalitionsvertrags den Emissionsanteil, der der Stadt noch zusteht, um die 1,5-Grad-Grenze nicht zu überschreiten, um das dreifache überschreiten.

Die bisherigen Maßnahmen und Ziele der Stadt ernten von den Klimaschützern harte Kritik. Dass die Forderung der Jugendlichen "monatelang ignoriert wird, obwohl es um nichts geringeres als unsere Lebensgrundlage geht, finde ich schockierend", sagt etwa der 17-jährige Fabian Theenhaus. Überhaupt hätte die Stadt erst begonnen, inhaltliche Gespräche mit den Demonstranten zu suchen, als sie damit scheiterte, gegen das Camp vor Gericht vorzugehen, kritisieren die Klimacamper.

Die Bewohner des Camps hoffen, dass die Stadt ihre Ziele doch noch anpasst und weitere Maßnahmen trifft. "Schon in der Schule lernen wir, dass es nichts bringt, die Arbeit immer weiter aufzuschieben", sagt die 14-jährige Anouk Zenetti. "Da kommt nie etwas gutes raus."

Dabei loben die Aktivisten andere deutsche Städte. Die Stadt Aachen etwa habe bereits den Klimanotstand ausgerufen und Hamburg habe eine Photovoltaikpflicht für Neubauten ab 2023 beschlossen. Rostock habe die Forderungen des dortigen Klima-Camps in wenigen Tagen umgesetzt.

Die Augsburger Aktivisten wollen hingegen auch weiter neben dem Rathaus campieren. "Natürlich sind wir erschöpft, und wäre das hier eine Spaßveranstaltung, wäre sie längst vorbei", sagt die 16-jährige Janika Pondorf. "Aber die Angst um die eigene Existenz ist ein so großer Antrieb, wie es keinen gibt. Wir werden hier nicht gehen können, bis die Stadt einlenkt und wir diese Angst nicht mehr spüren müssen."

Dafür campe man nun auch in der Kälte. Für den 200. Tag des Klimacamps seien die Wetterprognosen ganztägig von "bitterkalten Temperaturen in den den Minusbereichen" ausgegangen. Manche Bürger hätten sich ob der Kälte bereits besorgt gezeigt und einen Abbruch des Camps vorgeschlagen. Die Aktivisten ziehen dies aber weiterhin nicht in Betracht. Stattdessen freue man sich über Unterstützung durch Decken, warmes Essen, "oder darüber, wenn neue Menschen mal ein paar Stunden im Camp verbringen und damit die Versammlung mit uns aufrecht erhalten wollen", so Janika Pondorf. "Und mit kommenden wärmeren Temperaturen und einem dann hoffentlich beruhigten Infektionsgeschehen taut unser Camp auch wieder auf mit ganz viel neuem Programm." (pm)

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