Stadt Augsburg will im Winter Heizpilze erlauben – Doch daran gibt es Kritik

Draußen sitzen auch im Winter: Heizpilze könnten das im Gastro-Bereich angenehmer machen. Doch deren Öko-Bilanz ist "grottig".

Was tun, um die Augsburger Gastronomie in Zeiten der Corona-Pandemie durch den Winter zu bringen? Diese Frage stellte sich nun auch der Allgemeine Ausschuss des Stadtrats. Ein Baustein soll sein, die Aufstellung von Heizpilzen in der kalten Jahreszeit zu erlauben. Denn eine Außenbewirtung auch im Winter soll dazu beitragen, die Corona-Ansteckungsgefahr einzudämmen.

Bislang sind in der Innenstadt Heizpilze und Windschutz-Wände verboten – aus ökologischen und gestalterischen Gründen. Ordnungsreferent Frank Pintsch will Ausnahmen nun bis Ende März erlauben.

Dass die Öko-Bilanz der Strahler "grottig" sei, erkannte der komplette Ausschuss an. Noch drastischer drückte es ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger nach der Sitzung in einer Pressemitteilung aus. Für ihn seien die Aufstellung von Heizpilzen, Heizstrahlern oder die Verwendung von Heizkissen und Heizdecken in der kalten Jahreszeit im Freien vom Grundsatz her "völliger Blödsinn und in Sachen Klimaschutz absolut unverantwortlich". Pettinger betonte: "Heizpilze im Winter aufzustellen ist genauso, als würde man im Sommer offene Kühlschränke in den Biergärten zur Kühlung einsetzen."

Er könne sich aber der Argumentation des Ordnungsreferenten nicht ganz verschließen, dass die Wärmespender in der Gastronomie einen Beitrag leisten könnten, das Partygeschehen in der Stadt zu Corona-Zeiten etwas besser zu kanalisieren.

"Lieber im Anorak als unter einem Heizpilz"

Auch der Augsburger Bund Naturschutz meldete sich im Nachgang zu Wort: "Lieber im Anorak als unter einem Heizpilz", so das Credo der Naturschützer. "Zwei Heizpilze, in der Außengastronomie eingesetzt, setzen in vier Monaten mehr CO2 frei als ein Mittelklassewagen im ganzen Jahr."

Der Bund Naturschutz appelliert an die Gastronomen, "so lange es möglich ist, Heizstrahler und Heizpilze nicht einzusetzen", und an die Gäste, "wenn sie sich mit Freunden draußen auf ein Bier treffen wollen, dies lieber im Winteranorak zu tun". Auch sollten die Wirte einen CO2-Ausgleich schaffen, etwa durch "Energiesanierung ihrer Immobilie, Solaranlagen auf dem Dach, einen energieeffizienten Fuhrpark oder durch das Pflanzen von Bäumen".

Die schlechte CO2-Bilanz der Heizgeräte durch das Pflanzen von Bäumen zu kompensieren, das schwebt auch Ordnungsreferent Pintsch vor. Und Pettinger findet: „Die Entscheidung zu Gunsten der Heizpilze hängt für mich davon ab, wo, in welchem Umfang und wann werden ganz konkret geeignete Bäume zur Kompensation gepflanzt." (jaf/pm)

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