Stadträtin fordert einen Stadtmaler

Das Weberhaus dient als Erinnerung für die Fassadenmalerei in Augsburg.

Lisa McQueen als Einzelstadträtin von "Die Partei" setzt sich für Fassadenmalerei in Augsburg ein. Aus historischer Sicht sei dies ein Muss.

Augsburg braucht wieder einen Stadtmaler. Diese Meinung vertritt „Die Partei“-Stadträtin Lisa McQueen und stellte kürzlich einen entsprechenden Antrag an Oberbürgermeisterin Eva Weber. Demnach soll die Stelle ausgeschrieben und für einen Zeitraum von drei Jahren besetzt werden und dem Referat „Bau“ untergeordnet sein. Allein schon aus rein historischer Sicht sei es nach Auffassung McQueens ein Muss, die Augsburger Innenstadt wieder für legale Wandbemalungen zur Verfügung zu stellen. Private Immobilien-Eigentümer sollen auch in der Innenstadt selbst entscheiden dürfen, ob sie ihre Fassaden bunt gestalten lassen möchten oder nicht. Außerdem sieht der Antrag vor, dass Kunst am Bau in Augsburg wieder stärker berücksichtigt werden muss. Dafür müsse Geld vorhanden sein oder an anderer Stelle am Bauprojekt eingespart werden.

„Wieso lässt man unsere Generation und ihre Künstler keinen Fußabdruck ihrer Zeit hinterlassen und Geschichte ,malen’ für die Menschen und Augsburger in 200 Jahren“, führt Lisa McQueen als Begründung an. Viele Jahrhunderte lang sei Augsburg das deutsche Zentrum der Fassadenmalerei gewesen. Es gebe aus historischer Sicht keinen Grund „Fassadenmalerei“ in der Innenstadt zu untersagen. „Es ist förderlich um die echte Geschichte unserer Stadt zu erhalten“, sagt die Stadträtin und ergänzt: „Unsere heutige Ansicht von unserem Stadtbild ist historisch gesehen schlichtweg falsch und wir sollten anfangen zu unseren Wurzeln zurückzukehren.“

Zu den Wurzeln zurückkehren

In ihrem Antrag an die Oberbürgermeisterin geht sie zudem auf die Stadtgeschichte Augsburgs ein. Noch bis vor dem Zweiten Weltkrieg konnte man an vielen Augsburger Gebäuden die für die Fuggerstadt typischen Fassadenmalereien bewundern. Die Erinnerung daran halten einzelne Gebäude wie das Weberhaus, das Kathan-Haus und Bilddokumente im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege aufrecht, die sehr alt sind. Heute geben praktisch nur noch diese Bilder eine Vorstellung von dem sinnlichen Glanz, den die vielfältige Farbigkeit der Gebäude in früheren Zeiten verströmte.

Schon im 16. Jahrhundert hätten zahlreiche Augsburger Hauseigentümer begonnen, ihre Gebäude mit Fassadenmalereien zu schmücken. 1503 berichtete Anton Lalaing, der Kammerherr Philipps des Schönen, dass Augsburg voll sei „von schönen Häusern, die in der Mehrzahl bemalt sind“. Und 1644 schwärmte Kardinal Rossetti in einer Reisebeschreibung von den auf der „Straßenseite prachtvoll bemalten Gebäuden, wodurch das Gemüt ergötzt, zur Bewunderung hingerissen wurde und die Feinheit der Bemalung die Meister lobte“. 1790 soll sich, wie McQueen in ihrem Antrag ausführt, Johann Wolfgang von Goethe von den Augsburger Fassadenmalereien sehr beeindruckt gezeigt haben. Besonders bewunderte er die Werke von Johann Evangelist Holzer. Die besten und bekanntesten Maler ihrer Zeit wurden mit der Bemalung von unzähligen Augsburger Fassaden beauftragt, so dass Johann Wolfgang von Goethe meinte, er müsse in Augsburg keine Galerie (Museum) besuchen, da man die besten Arbeiten in der frischen Luft an den Fassaden bestaunen könne.

Das Konzept des Ensembleschutzes in seiner heutigen Form entstand in den siebziger Jahren. „Die Stadt Augsburg hat hier wohl einiges falsch verstanden“, sagt Lisa McQueen.

Die prägende Bauweise und Fassadengestaltung der Siebziger (Bauhaus – grau, weiße, kühlfarbene Kuben) sei als schützenswerter Stil übernommen worden, der sich nach der Entstehung des Ensembleschutzes bis heute durchzieht. „Das ist aber nicht unsere historische Vergangenheit, sondern eine farbenfroh gestaltete Stadt.“

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