Stadtregierung will Augsburger Kolonialgeschichte aufarbeiten

Nicht nur im Fugger und Welser Erlebnismuseum soll künftig die koloniale Vergangenheit der berühmten Augsburger Handelsfamilien aufgearbeitet werden.

Stadtpolitik reagiert auf Kritik an Augsburger Umgang mit seiner Vergangenheit.

Nachdem in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass das Augsburger Traditionshotel "Drei Mohren" zum Ende des Jahres seinen Namen ändern wird, und das Fugger und Welser Erlebnismuseum Anfang August eine Führung aus dem Programm nahm, die die Erlebnisse eines Sklavenjungen verharmloste, will sich auch die Stadtpolitik nun verstärkt mit der Augsburger Kolonialgeschichte auseinandersetzen. Die Regierungsparteien CSU und Grüne haben einen entsprechenden Antrag an Oberbürgermeisterin Eva Weber gestellt.

Darin fordern die beiden Stadtratsfraktionen, die Verwaltung mit mehreren Maßnahmen zu beauftragen, die in Augsburg künftig "einen offenen und differenzierten Dialog mit seinem Kolonialismus und Rassismus" zulassen sollen. Zum einen solle die Verwaltung prüfen, wie die Kolonialgeschichte der Stadt geeignet aufgearbeitet und dargestellt werden kann. Dabei sollen auch Historiker und andere Wissenschaftler eingebunden werden, die sich mit Antirassismus und Kolonialismus beschäftigen. Außerdem soll die Verwaltung sich informieren, wie andere Städte mit der lange einseitigen geschichtlichen Befassung umgegangen sind.

Als "ersten konkreten Schritt" wolle man die Verwaltung außerdem beauftragen, an der sogenannten "Welsertafel" in der vielbesuchten Annastraße eine zusätzliche Tafel anzubringen, die "dem geschichtlichen Hintergrund gerecht wird". Auf dem neuen Schild sollen die Ausbeutung von Menschen anderer Kontinente sowie die Kolonialbestrebungen der Welser thematisiert werden. Die Augsburger Handelsfamilie versuchte im 16. Jahrhundert, Venezuela zu kolonialisieren, und beteiligte sich am Handel mit afrikanischen und venezolanischen Sklaven. Bislang spreche die Tafel nur von sogenannten "Kolonialunternehmungen" der Welser, ohne auf den damit einhergehenden Menschenhandel einzugehen.

In diesem Zusammenhang soll auch ein Antrag der Grünen aus dem September vergangenen Jahres aufgegriffen werden. Die Verwaltung soll demnach auch prüfen, ob in den Augsburger Museen und Kunstsammlungen aktuell Kulturgüter afrikanischer Herkunft ausgestellt werden, die in einem kolonialen Kontext erworben wurden, und wie Darstellungen aus dieser Zeit gekennzeichnet werden. Denn auch solche Objekte könnten ein koloniales Denken widerspiegeln oder rassistische Stereotype transportieren.

"Der öffentliche Diskurs der Stadt Augsburg über ihre Kolonialgeschichte ist nicht ausreichend aufgearbeitet", begründen CSU und Grüne ihren Antrag. Die Verwaltung müsse sich gemeinsam mit der Stadtgesellschaft und der Wissenschaft mit diesen Teilen der Augsburger Geschichte kritisch auseinandersetzen. "Wie bereits in anderen deutschen Städten angestoßen, muss sich auch Augsburg auf einen offenen und differenzierten Dialog mit seinem Kolonialismus und Rassismus einlassen", heißt es in dem Antrag abschließend. (lat)

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