Vertragsabschluss perfekt: Diözese Augsburg kauft Hermann-Schmid-Akademie

Außenaufnahme des Gebäudes der bisherigen Hermann-Schmid-Akademie.

Für einen zweistelligen Millionenbetrag hat die Diözese Augsburg die Gebäude der Hermann-Schmid-Akademie erworben.

Die zumindest teilweise Rettung der privaten Hermann-Schmid-Akademie (HSA) im Stadtteil Kriegshaber ist geglückt. Am Freitag haben die Diözese Augsburg und die Familie Schmid den Kaufvertrag für die Gebäude unterzeichnet. Damit kann die Realschule, wenn auch unter neuem Namen, fortbestehen. Die Trägerschaft übernimmt das Schulwerk der Diözese.

Bistum zahlt 18,35 Millionen Euro für die Gebäude der HSA

Das Bistum Augsburg will so sein Engagement im Bildungssektor weiter ausbauen. Vorbehaltlich der staatlichen Genehmigung möchte es dann in der Stadt Augsburg mit einer vierten Realschule und ab dem Schuljahr 2021/22 mit einer neuen Grundschule präsent sein. Die Diözese Augsburg hat die Liegenschaft der HSA am Freitag für 18,35 Millionen Euro erworben und will zudem an diesem Standort auch eine neue Sporthalle errichten, wie das Bistum in einer Presseerklärung informiert.

„Ich freue mich sehr über diese Bereicherung unserer Bildungs-Aktivitäten. Mir ist es äußerst wichtig, damit gerade in dieser unsicheren, von der Corona-Pandemie geprägten Zeit auf Zukunft zu setzen und weiteren Schülern eine Heimat in unserem Schulwerk zu geben“, erklärt dazu der ernannte Bischof von Augsburg, Bertram Meier. „Und gerade Bildung ist für uns Zukunft! Völlig unabhängig von der Herkunft der Schüler sind sie für mich Gemeinden im Kleinen und damit auch ein wichtiger Zukunftsort, an dem wir als Kirche einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung und den Zusammenhalt der Gesellschaft leisten können.“

Nachdem die Schließung der Akademie bekannt wurde, ist die Stadt Augsburg mit der Bitte auf die Diözese zugekommen, am Erhalt dieses Schulstandorts mitzuwirken. „Diesem Anliegen sind wir sehr gerne und schnell nachgekommen“, so Bischof Bertram. „Ich bin allen beteiligten diözesanen Gremien und Einrichtungen, vom Diözesansteuerausschuss bis zum Schulwerk sehr dankbar, dass wir hier zu einer guten und einvernehmlichen Lösung kommen konnten.“

Kritik an Elterninitiative: "Keine konkreten Ansätze für einen Betriebsübergang"

Zufrieden mit dem Geschäftsabschluss sind offenbar auch die bisherigen Eigentümer, Nicole und Hermann Schmid. "Damit konnte ein Teil dessen gerettet werden, was wir in 32 Jahren intensiver Arbeit aufgebaut hatten. Wir haben die Einrichtung einem Träger anvertraut, der eine Gewähr dafür leisten kann, das Haus und die Schule professionell und nachhaltig fortzuführen", lassen sie über eine Pressemitteilung wissen. Einen Seitenhieb gegen das Engagement einer Elterninitiative, die sich um den Erhalt der HSA bemüht hatte, konnten sich die beiden in der Presseinformation nicht verkneifen. „Wir möchten in diesem Zusammenhang klarstellen, dass es von dieser als ‚HSA-Retter‘ bezeichneten Gruppe weder konkrete Ansätze für einen Betriebsübergang mit allen Rechten und Pflichten gab, noch ein Angebot für das Haus“, sagt Nicole Schmid – die Kritik dürfte den Eltern herzlich egal sein, schließlich wurde erreicht, dass die Realschule fortbestehen kann und die Gebäude nicht als Quartier für das Peutinger Gymnasium verwendet werden, wie ein erstes Szenario ausgesehen hatte.

Die Pläne der Diözese sehen nun vor, zunächst den Schulbetrieb der Realschule ab dem kommenden Schuljahr nahtlos fortzuführen. Träger der Einrichtung wird dabei das Schulwerk der Diözese Augsburg sein. Es wird damit ab Herbst in Augsburg mit vier Realschulen, zwei Gymnasien, einer Fachakademie für Sozialpädagogik, einer Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung sowie den Franz-von-Assisi-Schulen (Grund- und Mittelschule) präsent sein.

Neuer Name und flexibles Ganztagsmodell: Bischof-Ulrich-Realschule

Unterrichtet werden soll an der neuen Realschule, die den Namen Bischof-Ulrich-Realschule des Schulwerks der Diözese Augsburg tragen wird, nach dem schulwerkseigenen Modell „GanzTakt+“, einem flexiblen Ganztagsmodell. Dabei werden zwei feste, verpflichtende Ganztage für pädagogisch innovative Programme genutzt, wobei Eltern die beiden anderen Tage optional für eine Ganztagsbetreuung zusätzlich buchen können. In diesem Modell wird sich auch eine Profilierung der Schule nach dem Schulwerks-Leitbild einer ganzheitlich-christlichen Pädagogik verwirklichen lassen. „Als katholischer Träger werden wir bewusst auf die in unserem Schulwerk bewährte Vermittlung christlicher Werte setzen. Auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Schulfamilie wird uns dabei sehr wichtig sein“, erklärt dazu Peter Kosak, Direktor des Schulwerks der Diözese Augsburg. „Aber wir nehmen alle Konfessionen und Religionen auf und sind der Weltoffenheit verpflichtet.“

Schüler, Eltern und auch das Lehrerkollegium haben Kosak zufolge diesem pädagogischen Konzept bereits zugestimmt. Das Schulwerk werde einem Großteil der Lehrkräfte und Mitarbeiter der bisherigen Rudolf-Diesel-Realschule Arbeitsverträge anbieten können, kündigt er an. Die Ausrichtung der Realschule mit den Wahlpflichtfächergruppen I und II (mathematisch-naturwissenschaftlich technischer beziehungsweise wirtschaftlicher Bereich) werde bestehen bleiben.

Zudem richtet der Schulwerksdirektor den Blick bereits auf das übernächste Schuljahr: „Wir planen, an diesem neuen Schulstandort ab September 2021 auch mit einer weiteren Grundschule an den Start zu gehen.“ Diese zweizügig geplante Schule werde nach einem schrittweisen Aufbau bis zu 200 Kindern aus ganz Augsburg offenstehen, ist also nicht an einen Stadtteil gebunden.

Kaufpreis für gemeinnütziges Projekt

Den Kaufpreis von 18,35 Millionen Euro wollen Nicole und Hermann Schmid "nach Abzug aller Kredite und Verbindlichkeiten einem neuen gemeinnützigen Projekt zur Verfügung" stellen. „Mein Vater Hermann Schmid und ich werden in den nächsten Wochen entscheiden, welchen guten Zweck wir mit dem Geld unterstützen werden“, so Nicole Schmid.

Schulwerk der Diözese Augsburg

Das Schulwerk der Diözese Augsburg wurde 1975 als Stiftung des öffentlichen Rechts errichtet und hat seitdem 40 Schulen – insbesondere solche von Orden – in seine unmittelbare Trägerschaft übernommen sowie zwei neuen Schulen gegründet. Rund 18 500 Schüler werden dort unterrichtet. (pm/mh)

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