Unfallstatistik: Polizei will Tempolimit auf A8 zwischen Neusäß und Friedberg

Das Polizeipräsidium Schwaben-Nord stellte am Donnerstag die Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr vor. Auf einem Teilabschnitt der A 8 solle eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Stundenkilometern herrschen.

Auf der A 8 kommt es immer öfter zu Unfällen. Im Bild ein LKW-Unfall vom vergangenen Oktober. Nun fordert die Polizei ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern.

Mit elektronischen Schildern ist es der Polizei gelungen, die geschwindigkeitsbedingten Unfälle auf der B 17 erheblich zu reduzieren. Das erklärte Kriminaloberrätin Stefanie Schleich am Donnerstag in Augsburg, als sie gemeinsam mit Polizeivizepräsident Markus Trebes die Verkehrsunfallstatistik des vergangenen Jahres für das Augsburger Stadtgebiet sowie die Landkreise Augsburg, Aichach-Friedberg, Dillingen und Donau-Ries vorstellte. Nun will sich das Polizeipräsidium Schwaben-Nord um die A 8 zwischen Neusäß und Friedberg kümmern. Dort sollen die Autofahrer künftig maximal 120 Stundenkilometer fahren dürfen. 

Sehr erfreut zeigte sich Schleich über die positive Entwicklung auf der B 17. In Fahrtrichtung Augsburg kam es dank elektronischer Verkehrsbeeinflussungsanlagen im Vergleich zum Jahr 2017, als der Probetrieb der Anlagen begonnen hatte, zu 42 Prozent weniger Geschwindigkeitsunfällen. „Das wünschen wir uns auf der A 8 zwischen Neusäß und Friedberg auch“, sagte die Kriminaloberrätin. Seit 2011 stieg die Zahl der Unfälle auf diesem Streckenabschnitt um 27 Prozent auf 298 im vergangenen Jahr an. Nach Auffassung von Schleich eindeutig zu viele. Dabei verletzten sich 2019 89 Menschen und zwei Personen kamen ums Leben.

Schleich will Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf der A8

Nun wird eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Stundenkilometern auf diesem Abschnitt der Autobahn geprüft. Das Tempolimit soll zwischen 6 bis 20 Uhr gelten. Ab 2023 sollen dann, wie auf der B 17, elektronische Verkehrsbeeinflussungsanlagen den Verkehr besser regeln. Als Gründe für die hohe Verkehrsdichte nennt die Polizei die vielen Spurwechsel an den Auf- und Abfahrten am Autobahnkreuz A 8/B 17.

Allgemein sind die häufigsten Ursachen für Unfälle auf Autobahnen im Gebiet des Polizeipräsidiums Schwaben Nord die unangepasste Geschwindigkeit (39 Prozent), ein nicht eingehaltener Sicherheitsabstand (22 Prozent), dicht gefolgt von Überholmanövern (20 Prozent).

Fahrten unter Einfluss von Drogen um 68 Prozent gestiegen

Besonders zu schaffen machen der Polizei die Geisterfahrer. Waren es im Jahr 2014 nur 33 Fälle, zählten die Beamten im vergangenen Jahr 66. „In der Regel sind es vor allem ältere Personen“, gab Schleich bekannt und sprach vor allem an Angehörige eine Bitte aus: „Wer mitbekommt, dass ältere Verwandte unsicher am Steuer werden, soll das Thema ansprechen.“ Die meisten Falschfahrer waren auf der B 2 (41 Prozent), der B 17 (29 Prozent) und der A 8 (11 Prozent) unterwegs.
Ebenfalls nicht mehr hinter dem Steuer sitzen sollten alkoholisierte Personen. Alkohol war 2019 bei 432 Unfällen die Ursache. Dabei verletzten sich 266 Personen und drei Menschen starben.

„Mit diesem Ergebnis können wir nicht zufrieden sein“, sagte Schleich. Insgesamt kam es im vergangenen Jahr zu 1781 folgenlosen und bereits im Vorfeld unterbundenen Trunkenheitsfahrten. Das sind 19 Prozent mehr als noch im Vorjahr.
Die Polizei kenne mittlerweile die Orte, an denen viel Alkohol fließt und Feiernde hinterher möglicherweise noch mit dem Auto nach Hause fahren wollen, erklärte Polizeivizepräsident Markus Trebes und betonte: „Alkohol hat auf unseren Straßen nichts verloren, Drogen noch weniger.“
Die Anzahl der Drogenfahrten hat im Vergleich zu 2010 um 68 Prozent und im Vergleich zu 2018 um 26 Prozent zugenommen. 2019 registrierte das Polizeipräsidium in seinem Zuständigkeitsbereich 569 Fälle. „Das ist eine bedenkliche gesellschaftliche Entwicklung“, sagte Trebes. In diesem Bereich gebe es zudem ein „sehr hohes Dunkelfeld“.

Unangepasste Geschwindigkeit als Hauptunfallursache

Der größte Anteil der insgesamt 129 400 Verkehrsordnungswidrigkeiten sind mit 75 643 die Geschwindigkeitsverstöße. 6399 Mal benutzten die Fahrer Mobiltelefone, Tablets oder Laptops am Steuer. In Lastwagen habe die Polizei zudem vermehrt Fernseher entdeckt. „Die Fahrer justieren während der Fahrt die Antenne“, erläuterte Trebes.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben-Nord ereigneten sich vergangenes Jahr alle 18,7 Minuten ein Verkehrsunfall und alle 107 Minuten verletzte sich jemand bei einem Unfall auf der Straße. Etwa alle zwei Wochen kam ein Mensch bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 23 Personen bei Verkehrsunfällen. „Deshalb investieren wir so viel Energie in die Verkehrssicherheit“, sagt der Polizeivizepräsident. Die Polizei könne seiner Ansicht nach so viel Präventionsarbeit leisten, wie sie wolle. „Das hilft nur bei Kindern und Senioren“, führte Trebes aus. Bei Rasern helfe nur die konsequente Sanktionierung.

Da die Polizei mit mehr als 8000 ausgebildeten Schülern in den Jugendverkehrsschulen in den vergangenen Jahren an die Kapazitätsgrenzen gestoßen ist, wird laut Kriminaloberrätin Stefanie Schleich in der Rosenaustraße in der Nähe des Turnvereins Augsburg eine neue Jugendverkehrsschule gebaut. Der städtische Bauausschuss habe das Vorhaben bereits im Januar genehmigt.

Für dieses Jahr plant die Polizei im April einen Blitzermarathon. Im Mai werden verstärkt Radfahrer kontrolliert. 2019 waren Radler bei 1514 Verkehrsunfällen beteiligt, in 73 Prozent der Fälle waren sie die Verursacher.

Verkehrsunfallstatistik für den Stadtgebiet Augsburg

Im Augsburger Stadtgebiet kam es 2019 zu 10.984 Verkehrsunfällen. Das sind 32 weniger als im Vorjahr. Bei den Unfällen wurden 1847 Personen verletzt und drei Menschen starben. Als häufigste Ursache nennt die Polizei mit 52 Prozent den unangepassten Sicherheitsabstand. In 26 Prozent der Fälle waren Unachtsamkeiten beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren die Unfallursache. Im Stadtgebiet war eine unangepasste Geschwindigkeit mit drei Prozent nur selten der Grund für einen Unfall.

Verkehrsunfallstatistik für den Landkreis Augsburg

Im Landkreis Augsburg kam es vergangenes Jahr zu 6799 Verkehrsunfällen. Dabei verletzten sich laut Polizei 1140 Personen, neun Menschen kamen ums Leben. Die Hauptursachen für Verkehrsunfälle im Augsburger Landkreis sind Sicherheitsabstand (37 Prozent), Unachtsamkeit beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärts 28 (Prozent). In Zehn Prozent der Fälle war eine unangepasste Geschwindigkeit die Ursache.

Verkehrsunfallstatistik für den Landkreis Aichach-Friedberg

Im Landkreis Aichach-Friedberg ereigneten sich im vergangenen Jahr insgesamt 4002 Verkehrsunfälle, 60 mehr als im Vorjahr. 767 Personen verletzten sich dabei und fünf Menschen starben, wovon drei mit dem Fahrrad unterwegs waren. Hauptunfallursache war der Polizei zufolge der nicht eingehaltene Sicherheitsabstand (34 Prozent), dicht gefolgt von Unfällen beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren. Die Geschwindigkeit spielte nur in zehn Prozent der Fälle eine Rolle.

Die vollständige Verkehrsunfallstatistik findet sich im Internet unter www.polizei.bayern.de/schwaben/verkehr/statistik/index.html. (pb)

 

 

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 

Neueste Kommentare

Ein Bläuling, aber welcher?
25 Minuten 21 Sekunden
Augsburger Stadtsommer
1 Tag 4 Stunden
Mondaufgang
6 Tage 7 Stunden
Europas Zukunft gestalten – besser zusammen! …
1 Woche 3 Tage
Tödlicher Unfall auf der A8 bei Adelsried
1 Woche 5 Tage


X