Bobinger Stadtwald im Klimawandel

von LeserReporter Ute Blauert aus Bobingen
Stadtförster Maximilian Greiter vor einer Fläche mit jungen Buchen, die unter den Kronen alter Fichten gut gedeihen.

Der bisherige Baumbestand kann im wärmer werdenden Klima nicht gut gedeihen. Deshalb sollen weitere wärmeverträglichere Baumarten einen großen Teil der Fichten nach und nach ersetzen.

„Die Zeit drängt“, sagte Stadtförster Maximilian Greiter in einem Gespräch über den Zustand des Bobinger Stadtwaldes. Er meinte damit die Zeit, die noch bleibt, um den Baumbestand an das seit Jahren wärmer und trockener werdende Klima anzupassen. Die Stadt besitzt zwei große Waldflächen: Von der Bobinger Kläranlage nach Süden entlang der Wertach erstreckt sich der „Auwald“ mit einer Fläche von 102 Hektar. Zwischen Burgwalden und der Bobinger Siedlung liegt der 254 Hektar große „Landwald“, der sich nach Norden bis kurz vor Bannacker ausdehnt.

Der Landwald steht auf gutem, tiefgründigem Boden und wird wirtschaftlich genutzt. Wie Greiter erläuterte, stehen hier zu 76 Prozent Fichten, die mit dem wärmeren Klima nicht gut zurechtkommen. Ihre Wurzeln reichen nicht sehr tief, deshalb vertrocknen sie schneller als andere Baumarten. Zuerst verlieren sie Nadeln, die Kronen werden immer lichter, bevor die Bäume von selbst absterben oder geschwächt dem Borkenkäfer zum Opfer fallen. Nach dem Krieg wurden sehr viele Fichten gepflanzt, weil sie schnell wachsen und viel Brenn- und Bauholz benötigt wurde. Eine Fichten-Monokultur lässt jedoch den Boden unter den Bäumen versauern. „Dass der Boden verarmt, kann man gut daran erkennen, dass darin nur wenige Regenwürmer zu finden sind. Im Boden eines naturnahen Mischwaldes leben rund 1000 Regenwürmer pro Quadratmeter“, erklärte Greiter. Buchen sind für das wärmere Klima besser gewappnet, machen bisher aber nur 12 Prozent des Bestandes im Landwald aus.

Inzwischen hat man herausgefunden, dass Fichten sogar noch schneller wachsen, wenn sie in der Nachbarschaft von Buchen stehen. Dies lässt sich damit erklären, dass Buchen im Herbst Laub abwerfen, das am Boden kompostiert und den Fichten Nährstoffe liefert.

Die Buche profitiert in ihrer Jugend vom Schatten hoher Baumkronen. Als sogenannte Schattenbaumart wächst sie im Schatten schneller als ihre Konkurrenten. Deshalb pflanzt Greiter vermehrt Buchensetzlinge zwischen alte Fichten. Der Zeitdruck entsteht dadurch, dass die Fichten absterben könnten, bevor die Buchen eine Höhe von vier Metern erreicht haben. Fichten säen sich in großer Menge selbst aus. In der prallen Sonne wachsen Fichtensämlinge schneller als Buchen, die ohne einen Wachstumsvorsprung von mindestens vier Metern im Kampf um Platz und Nährstoffe schnell ins Hintertreffen geraten. „Der Wald soll stabiler und naturnäher werden“, so Greiter. Deshalb sollen weitere wärmeverträglichere Baumarten einen großen Teil der Fichten nach und nach ersetzen, wie Stieleiche, Bergahorn, Weißtanne, Lärche und Douglasie. „Die Douglasie wird heute für eine nicht heimische Art gehalten. Bis zur letzten Eiszeit war sie jedoch in Europa heimisch, wie Pollenfunde bewiesen haben“, erläuterte Greiter. In kleineren Mengen sollen auch Schwarznuss und Esskastanie gepflanzt werden, die man bisher eher in Weinbaugebieten findet.

Ein „Juwel“ an der Wertach

Der Auwald steht auf magerem Boden und wird nicht als Wirtschaftswald genutzt, sondern als Biotop geschützt und gepflegt. „Hier gibt es hunderte verschiedene Arten von Bäumen, Sträuchern, Gräsern und Blumen. Der Auwald ist ein kleines Juwel“, sagte Greiter. Hier stehen viele Eschen. Leider breitet sich seit 2008 ein Pilz immer weiter in Deutschland aus, der das „Eschentriebsterben“ verursacht, auch in Bobingen. Die Bäume sterben von den Zweigspitzen her ab. Deshalb müssen in den nächsten Jahren die Eschen gefällt und durch andere Baumarten wie Spitzahorn, Schwarzpappel, Winterlinde, Eiche oder Flatterulme ersetzt werden.

„Der jetzige warme Winter bereitet den Bäumen weniger Probleme als den Waldarbeitern. Wenn der Boden nicht gefroren ist, sinken die schweren Maschinen im Boden ein, obwohl die Reifen 90 Zentimeter breit sind“, so Greiter. Hinzu komme, dass die Frostperioden seit Jahren kürzer werden, und damit der Zeitraum, in dem Holz bodenschonend eingeschlagen und abgefahren werden kann. Wenn der Winter keinen Schnee bringt, sei auch die Gefahr von Waldbränden im März sehr hoch. „Der Boden ist von trockenem Laub und Gras bedeckt, da kann durch eine einzige weggeworfene Zigarettenkippe ein Großbrand verursacht werden“, sagte Greiter besorgt. Anders als viele denken, erfrieren Insekten in kalten Wintern nicht, denn sie fallen in eine Winterstarre. Sie leiden eher unter warmen Wintern, weil dann die Winterstarre immer wieder unterbrochen wird, was die Tiere viel Energie kostet. Hinzu komme, dass sich Bakterien und Pilze, die Insekten schädigen, sich in warmen Wintern stärker vermehren als bei Minusgraden. Die Borkenkäfer vermehren sich trotzdem sprunghaft. Bis vor wenigen Jahren entwickelten sich in einem Sommerhalbjahr zwei Generationen von Borkenkäfern. Inzwischen ist die warme Jahreszeit so lang, dass sich drei Generationen entwickeln können.

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