„Jedermann“ könnte auch heute leben

von LeserReporter Ute Blauert aus Bobingen
Das Ensemble der „Theater-Schmiede“ bei der Probe der Szene, in der Herr Jedermann mit seinen Freunden ausgelassen feiert – wie viele der Freunde werden für ihn da sein, wenn es ihm schlecht geht?

Bei den Feiern im Juli zum 50. Jahrestag der Stadterhebung Bobingens bildete die Freilichtaufführung des „Jedermann“ auf dem Rathausplatz einen der Höhepunkte. Die Darsteller hatten oft bei schweißtreibender Hitze geprobt, die Premiere hingegen fand im Regen statt. Die Zuschauer waren dennoch begeistert, bei den Vorstellungen wurde stehend applaudiert. Wegen des großen Erfolgs wurde bald überlegt, das Stück im Winterhalbjahr noch einmal aufzuführen. Nun ist es soweit: Am 15. und 16. November ist Hugo von Hofmannsthals berühmtes Theaterstück in der Singoldhalle zu sehen, jeweils um 20 Uhr, Einlass ist ab 19 Uhr.
Das Ensemble der Bobinger „Theater-Schmiede“ hat Mitte September die Proben wieder aufgenommen, diesmal bei angenehmen Temperaturen. Jeden Sonntagnachmittag trifft man sich im Mehrzweckraum der Laurentius-Grundschule. 45 Erwachsene machen mit bei der „Theaterschmiede“, und 40 Nachwuchsdarsteller ab 8 Jahren üben bei den „Theater-Schmiedlingen“ für die Bühne. Die Mitglieder kommen aus Bobingen und der ganzen Umgebung, von Augsburg bis Schwabmünchen, von Königsbrunn bis in die Stauden. Manche Erwachsene haben schon vor über 10 Jahren bei den „Schmiedlingen“ angefangen. Bei so vielen Theaterbegeisterten ist es kein großes Problem, wenn eine Rolle neu besetzt werden muss, wie in diesem Fall der „Glaube“, dessen Darstellerin dieser Tage ein Kind erwartet. Im Zentrum des Ganzen steht Ingrid Schmid. Sie führt Regie, organisiert und führt in die Bühnenkunst ein. Stimm- und Bewegungsübungen, Rollenspiele ohne einen vorgegebenen Text, das sind die ersten Schritte für Anfänger, wie sie am Rande einer Probe erzählte. Wird ein Stück erarbeitet, bekommen die Darsteller Hausaufgaben: Den Text müssen sie zu Hause lernen, damit in den Proben wirklich gespielt werden kann. Auch die Musiker im „Jedermann“ müssen zu Hause üben. Chor und Instrumentalensemble stehen unter der Leitung von Jacqueline Burckhardt.
Hofmannsthal hat seinen Charakteren merkwürdige Namen gegeben: „Buhlschaft“, „Büttel“, „Schuldknecht“, „Guter Gesell“ – das klingt mittelalterlich. Man sollte sich jedoch nicht täuschen, das Stück dreht sich um Menschen, wie sie in jeder Zeit zu finden sind, auch in der unseren. Herrn Jedermann geht es gut, er ist wohlhabend, hat eine Ehefrau, die sich um ihn sorgt, hat einen engen Freund und eine junge Geliebte. Dennoch schafft er es, zu jammern – „auf hohem Niveau“, wie man heute sagt. Ein Eigentümer muss sich ja um so vieles kümmern, hat so viele Sorgen! Herr Jedermann ist weder dumm, im Gegenteil, seine Ansichten vertritt er wortgewandt, noch ist er übermäßig unbarmherzig, nein, er gibt der Familie eines seiner Schuldner sogar ein karges Obdach. Dennoch gibt es einiges zu bereuen, als er sich dem Tod gegenüber sieht. Wer wissen will, wie es Herrn Jedermann auf der letzten Strecke seines Lebensweges ergeht, sollte sich Eintrittskarten besorgen - bei Kulturamt, Bücher DiSanto, Schreibwaren Schiller, Ticketservice Augsburg oder online bei reservix.de oder stadt-bobingen.de.

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