Region: Augsburger Land

Jodeln und Gesang in den Westlichen Wäldern

von Freier Mitarbeiter Ute Blauert aus Bobingen
Gesangspause vor der Scheppacher Kapelle. In der Mitte mit Stock Erich Sepp.

Der erste „Sing- und Jodel-Wandertag“ in der Region traf auf viel Begeisterung.

Mit einem solchen Zuspruch hatte Sunyela Roider nicht gerechnet: In kürzester Zeit hatte sie rund 80 Anmeldungen für den von ihr organisierten „Sing- und Jodel-Wandertag“. 20 davon musste sie auf eine Warteliste setzen. „Daran merkt man, wie sehr den Menschen gemeinsame Unternehmungen, die wegen Corona nicht möglich sind, fehlen. Wer es gewohnt war, regelmäßig in einem Chor zu singen, vermisst dieses Erlebnis mit jeder Woche noch schmerzlicher“, sagte Roider im Gespräch. Die meisten Teilnehmer kamen aus Königsbrunn, Bobingen und Schwabmünchen, einige hatten auch eine längere Anfahrt in Kauf genommen, etwa aus München. Zum Teil wurden sie angezogen von den Namen der musikalischen Leitung: Dagmar Held, die Leiterin der Forschungsstelle für Volksmusik in Schwaben, und der vielfach geehrte bayerische Volksmusiker Erich Sepp sind vielen ein Begriff. Sepp war von 1982 bis 2008 hauptamtlicher Leiter der Abteilung Volksmusik beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Von 1986 bis 1990 betreute er auch die Beratungsstelle für Volksmusik in Schwaben. Beide sagten sofort zu auf Roiders Anfrage hin.

Treffpunkt für das Wandersingen war der Parkplatz in Burgwalden, wo schon die ersten Jodelversuche unternommen wurden. Von dort ging es in zwei langen Gänsemarsch-Reihen an den Weihern entlang und durch die Wälder zum Engelshof, von dort weiter zur Scheppacher Kapelle und zurück zum Ausgangspunkt. Der Weg ist rund zehn Kilometer lang. Eine kleine Gruppe nahm die Abkürzung vom Engelshof nach Burgwalden zurück, alle anderen waren über vier Stunden lang unterwegs. In den Singpausen auf geeigneten Waldlichtungen wurden zunächst die Jodler und drei Stimmen, Haupt-, Ober- und Bassstimme einzeln einstudiert. Das war bei so vielen, zum Teil schon geübten Sängern, kein Problem. Dann sangen und jodelten alle gemeinsam. Von einer Gesangspause zur nächsten wurden die Jodler immer kräftiger. Die Liedauswahl stammte aus Allgäuer, oberbayrischem und österreichischem Brauchtum. Das Wetter unterstützte die Unternehmung, nach und nach wurde der Himmel blau und die Sonne strahlte. Am Ende beherrschten alle, auch die ganz Ungeübten, die traditionellen Jodler. Vorbeikommende Spaziergänger reagierten erst erstaunt, dann hocherfreut. Auch der Wirt des Restaurants im Golfclub in Burgwalden fand die Idee großartig und hatte ein „Jodelmenü“ zusammengestellt. Er hätte die Gruppe gerne nach ihrer Einkehr am Ende der Wanderung noch ein wenig dabehalten für ein kleines Konzert, aber die Teilnehmer waren zu diesem Zeitpunkt schon rechtschaffen müde und mussten ihm einen Korb geben.

Sunyela Roider entdeckte ihre Liebe zur Volksmusik bei einem eintägigen Jodelseminar und beim allmonatlichen Singstammtisch im Bauernhofmuseum Jexhof bei Fürstenfeldbruck, der wegen Corona ausfallen muss. Als der Lockdown endete und Naturführungen und Spaziergänge wieder erlaubt waren, hatte sie die Idee zum Wandern und Singen im Wald. „Der Organisationsaufwand war schon groß. Aber die Rückmeldungen der Teilnehmer in persönlichen und telefonischen Gesprächen und in vielen E-Mails war so freundlich und aufbauend, dass ich mir vorstellen kann, etwas ähnliches wieder zu machen. Auch Erich Sepp und Dagmar Held waren von der Freude der Teilnehmer ganz beglückt.“

Wenige Tage nach der Wanderung hatte sie schon Ideen für ein Singen in der dunklen Jahreszeit, entweder vor Weihnachten oder Anfang Februar um Lichtmess herum. Es könnte eine „Lichterwanderung“ in Königsbrunn werden.

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