Kompetenzteam Energie in Königsbrunn: Energie sparen und nachhaltig erzeugen

von LeserReporter Ute Blauert aus Bobingen
Im Büro der Energieberatung im Rathaus: Wilhelm Terhaag, Claudia Günther, Bürgermeister Franz Feigl und Harro von Dunker(von links).

Königsbrunn hat das Ziel, 2021 den „European Energy Award“ zu bekommen.
„Allein durch eine Änderung menschlichen Verhaltens wird es nach meiner Überzeugung nicht gelingen, den Klimawandel aufzuhalten, sondern nur durch den Einsatz neuer Technologien“, sagte Bürgermeister Franz Feigl bei einem gemeinsamen Interview mit Wilhelm Terhaag, dem Referenten des Stadtrats für Energie, Umwelt und Naturschutz, sowie den beiden städtischen Energieberatern Harro von Dunker und Claudia Günther. „Königsbrunn liegt in einer der sonnenreichsten Regionen Deutschlands, die Gewinnung von Energie aus Sonnenlicht ist hier äußerst sinnvoll. Deshalb haben wir Mitte 2019 ein städtisches Förderprogramm für Photovoltaik (PV) aufgelegt mit einem Budget von 100000 Euro im ersten Jahr. Gefördert werden sowohl PV-Anlagen als auch angeschlossene Batterien zur Speicherung der Sonnenenergie. Ein solches Förderprogramm gibt es nur in sehr wenigen Kommunen“, berichtete Feigl nicht ohne Stolz. Laut von Dunker wurde das Programm lebhaft nachgefragt, bis heute sind über 30 Anträge eingegangen. Eine stadteigene PV-Anlage wird in diesem Jahr auf dem Dach einer Lagerhalle des Betriebshofes installiert werden.
„Seit Jahren schon bezieht die Stadt zu 100 Prozent Ökostrom“, so von Dunker weiter. „Etwa genauso lange least die Stadtverwaltung mehrere Elektroautos. Momentan sind vier E-Smarts im Einsatz, zwei stehen der Verwaltung zur Verfügung, eines dem Betriebshof und eines gehört zum Fuhrpark des Carsharing-Dienstes „Auto-Teiler“ und wird für den Seniorenfahrdienst genutzt.“ E-Autos können in Königsbrunn an drei öffentlichen Ladesäulen aufgeladen werden, am Marktplatz, auf dem Parkplatz beim Mercateum und beim LEW-Leuchtenpark in der Hunnenstraße. „Der größte kommunale Stromverbraucher ist die Straßenbeleuchtung“, erläuterte von Dunker. „Derzeit werden alle Leuchten auf LED-Technik umgerüstet. Damit werden wir hier eine Energieeinsparung von über 70 Prozent erreichen.“
Wie Claudia Günther beobachtet, hat das PV-Förderprogramm den Nebeneffekt, dass das Thema Nachhaltigkeit mehr ins Bewusstsein der Bürger gerückt wird: „Das merken wir daran, dass seither bei uns auch mehr Beratungen zur Gebäudesanierung nachgefragt werden.“ Die kostenlose Beratung zu Energiethemen kann von allen Königsbrunnern in Anspruch genommen werden. Sie ist neutral, es werden also keine bestimmten Herstellerfirmen empfohlen, sondern Möglichkeiten der technischen Umsetzung und der finanziellen Förderung vorgestellt.

Durch Zusammenarbeit zum Ziel

Heizenergie kann eingespart werden durch die energetische Sanierung von bestehenden Gebäuden und moderne Bautechnik bei Neubauten. „Wenn die Stadtverwaltung solche Vorhaben plant, arbeiten die Mitarbeiter von Bauamt und Energieberatung Hand in Hand“, freut sich Günther. „Für jedes Projekt entwickeln wir ein Energiekonzept, zu dem die Dämmung der Gebäudehülle ebenso gehört wie eine Be- und Entlüftung ohne Klimaanlage, wie sie im Neubau der Grundschule Nord verwirklicht wird. Der Hort der Grundschule Süd entspricht bereits dem Passivhaus-Standard.“ Ein bewährtes Projekt in Königsbrunn ist die „Energiekarawane“. In jedem zweiten Jahr werden die Hauseigentümer in jeweils einem Stadtviertel angeschrieben mit dem Angebot einer einstündigen, detaillierten, professionellen Sanierungsberatung, deren Kosten die Stadt übernimmt. „In der Vergangenheit haben jeweils etwa ein Viertel der angeschriebenen Eigentümer das Angebot genutzt“, berichtete von Dunker.
Die Vorschläge für solche Projekte kommen oft aus dem „Kompetenzteam Energie“, das im Herbst 2014 gebildet wurde. Das Team hat 22 Mitglieder aus Stadtverwaltung, Stadtrat und engagierten Bürgern, die in Beruf oder Ehrenamt Wissen und Erfahrung in diesem Bereich erworben haben. Den Vorsitz haben Harro von Dunker und Wilhelm Terhaag. Um mehr Klarheit über die erzielten Fortschritte zu gewinnen, bemüht sich die Stadt seit 2017 um den „European Energy Award“, abgekürzt „eea“, auf Deutsch „Europäischer Energiepreis“. Der Preis wird an Kommunen verliehen, die mehr als 50 Prozent der möglichen Punkte in verschiedenen Handlungsfeldern erreicht haben. Zu den Handlungsfeldern gehören etwa die Gebäude oder die Ver- und Entsorgung einer Stadt. Wie viel eine Kommune erreicht hat, wird anhand zahlreicher Kennzahlen überprüft. Deshalb ist der eea nicht nur ein Preis, sondern auch ein Hilfsmittel für das Qualitätsmanagement der Kommunen. Bei einer Bestandsaufnahme im Herbst 2019 kam Königsbrunn auf 46 Prozent. Erklärtes Ziel ist es, bei der nächsten Überprüfung im Jahr 2021 mehr als 50 Prozent und damit einen Preis zu erreichen. „Durch den eea gewinnt das Thema an Dringlichkeit. Die Fortschritte werden protokolliert und die Beurteilung von außen gibt uns eine Zielrichtung“, so von Dunker. „Der eea ist für uns eine Art Impulsgeber. Wir freuen uns über die zusätzlichen Ideen und Vorschläge von Experten“, ergänzte Günther. Und Terhaag lobte: „Durch den eea-Prozess wurde auch deutlich, wie viele Aufgaben zu bewältigen sind, weshalb im letzten Jahr die Stelle von Frau Günther neu geschaffen wurde. Ich bin sehr froh darüber, dass Stadtverwaltung, Stadtrat und das "Kompetenzteam Energie" an einem Strang ziehen.“

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