„Man wird offener und toleranter“

von Leserreporter Ute Blauertaus Bobingen
Norbert Schwalber neben einem Bild, das ihm der indische Generalkonsul schenkte.

Der international erfahrene Stadtrat Norbert Schwalber schildert, wie die Schulpartnerschaft zwischen Schulen in Königsbrunn und dem indischen Mysore zustande kam.
Im Herbst dieses Jahres wird eine Gruppe von rund zwanzig Schülern des Gymnasiums Königsbrunn mit zwei Lehrkräften für zwölf Tage eine Schule in der indischen Stadt Mysore besuchen, wie in jedem zweiten Jahr seit 2012. In den Jahren dazwischen ist jeweils eine Gruppe aus Indien in Königsbrunn zu Gast. Wie es zu dieser Schulpartnerschaft kam, kann Norbert Schwalber, der langjährige Stadtrat und „Beauftragte Internationale Kontakte - Sonderprojekte der Stadt Königsbrunn“, erzählen.
„Bayern hat seit 2007 einen Partnerbundesstaat in Indien, Karnataka im Südwesten des Subkontinents“, sagte Schwalber im Gespräch. „Karnataka bezeichnet sich selbst als das „Silicon Valley Indiens“, und das ist nicht übertrieben, denn dort ist in der Stadt Mysore das weltweit tätige Software-Unternehmen „Infosys“ ansässig und betreibt eine eigene Hochschule. Das Partnerschaftsabkommen sieht Austauschprogramme vor in vielen Feldern wie Gesundheit, Wissenschaft, Kultur und Bildung. Für den Austausch im Bildungsbereich wollte der indische Generalkonsul in München eine Partnerschaft zwischen zwei „Schulen von hohem Niveau“ in die Wege leiten.“ Generalkonsul Jagdish Saksena Mukul kannte Schwalber durch Gespräche, die sie über den Standort des heutigen Königsbrunner Museums „Mercateum“ geführt hatten, das die Handelsbeziehungen zwischen Schwaben und Indien dokumentiert. Daher bat er Schwalber, eine in Frage kommende Schule auszusuchen. Als selbstbewusster Königsbrunner benannte Schwalber, nach Rücksprache mit dem Schulleiter, das Gymnasium Königsbrunn als bayerische Schule von hohem Niveau. Wegen einer indischen Partnerschule setzte er sich mit dem indischen Kulturkonsul in Verbindung. Dieser war zunächst ratlos, denn Karnataka hat 64 Millionen Einwohner und entsprechend viele Schulen. Er rief seinen Schwiegervater in Indien an. Der Schwiegervater, nicht weniger selbstbewusst, empfahl die Schule, in die seine Tochter gegangen war. Es war die DePaul International Residential School in der Stadt Mysore, eine katholische Privatschule. Die Erwartungen des Schwiegervaters wurden einige Jahre später erfüllt: 2018 und 2019 wurde DePaul als „beste Schule Indiens“ ausgezeichnet.
„Die Unterstützung der Schulleitung ist natürlich unabdingbar“, so Schwalber weiter. „Der damalige Schulleiter Werner Liessel stand hinter dem Austauschprogramm, ebenso die jetzige Schulleiterin, Frau Eva Focht-Schmidt. Und man braucht engagierte Lehrkräfte wie Volker Täufer und Marietta Weber. Mit den beiden zusammen bin ich damals vorab nach Indien gereist. Wir haben uns dort über das pädagogische Konzept der Schule informiert und mit dem Rektor Dr. Jose Aikara gesprochen. Aikara ist eine beeindruckende, Kompetenz ausstrahlende Persönlichkeit. Wir kamen überzeugt zurück und die Schulpartnerschaft wurde besiegelt.“ Die am Austausch teilnehmenden Schüler sind 15 bis 18 Jahre alt. Von den Kosten tragen die Familien der Schüler einen Anteil, der die Kosten einer Schulabschlussfahrt nicht übersteigen soll. Für die Verpflegung der Gastschüler kommen die Gastfamilien auf. Die übrigen Kosten werden von der Stadt Königsbrunn und der Bayerischen Staatskanzlei übernommen. Die Staatskanzlei hat dem Projekt eine „mustergültige Durchführung“ bescheinigt.

Elefanten, Müllsortierung und Respekt

„Die Jugendlichen besichtigen großartige Sehenswürdigkeiten wie den Maharadschapalast in Mysore oder ein Elefanten-Reservat, in Deutschland die Zugspitze oder München. Aber es erwartet sie keine Urlaubsreise, sondern sie treten als Jugendbotschafter ihres Landes auf“, stellte Schwalber klar. „Während der Treffen zur Vorbereitung auf die Reise erfahren sie, dass gegenseitiger Respekt von größter Wichtigkeit ist für Begegnungen zwischen unterschiedlichen Kulturen. Seit 2015 haben die gegenseitigen Besuche das Arbeitsthema „the wise handling with our natural resources“, auf Deutsch „der kluge Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen“. Universitätsinstitute in München, die Fraunhofer-Gesellschaft oder Firmen wie Grünbeck haben ihre Türen für uns und unsere indischen Gäste geöffnet. Umgekehrt können die deutschen Gäste in Indien Firmen und Forschungseinrichtungen besichtigen. Beispielsweise haben indische Schüler die Abfallverwertungsanlage (AVA) in Augsburg besichtigt und viele sachkundige Fragen gestellt. Und deutsche Jugendliche haben gesehen, wie in Indien in einer Sammelstelle Müll sortiert wird: von Hand.“

Da Schwalber mehrmals in Indien war, weiß er: „Deutsche treffen in Mysore auf eine andere Welt. Die Stadt hat 900 000 Einwohner. Es gibt einen prächtigen Maharadscha-Palast, denn bis 1947 war hier die Hauptstadt des Fürstenstaates Mysore. Man sieht Armut und Reichtum auf engstem Raum nebeneinander, eine Mittelschicht fehlt weitgehend. Das Schulsystem ist britisch geprägt: Die Eltern müssen relativ viel Schulgeld bezahlen. Sport spielt eine große Rolle, auf dem Schulgelände gibt es Tennisplätze und ein 50-Meter-Schwimmbecken. Und es wird eine Schuluniform getragen, die auch für Mädchen eine Krawatte vorsieht.“ Schwalber ist vom Wert des Programms überzeugt: „Die Schulpartnerschaft wird nur der Anfang sein, weitere Partnerschaften auf wirtschaftlicher und politischer Ebene zwischen unserer Region und Indien werden folgen. Die Jugendlichen, die an diesem Austausch teilnehmen, lernen fürs Leben. Der Blickwinkel auf die Welt ändert sich, das eigene Denken wird offener, internationaler. Man entwickelt Verständnis für fremde Kulturen und wird toleranter.“

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