Wildreicher Stadtwald

von LeserReporter Ute Blauert aus Bobingen
Kleine Bäume mit Plastikmanschetten zum Schutz vor Wild.

Im Stadtwald muss mehr gejagt werden, damit junge Laubbäume überleben können. So scheinen Blätter und Triebe junger Buchen für Rehe ein besonderer Leckerbissen zu sein.

„Ob Spaziergänger in einem Wald Rehe zu Gesicht bekommen oder nicht, hängt weniger vom Wildbestand des Waldes ab, als von der Art der Bejagung“, erläuterte Stadtförster Maximilian Greiter bei einem Rundgang durch den Stadtwald. „Wenn ein Jäger regelmäßig am Morgen und am Abend auf den gleichen Hochsitzen auf die Jagd geht, stellt sich das Wild um und wird nachtaktiv. Das heißt, es bleibt tagsüber im Versteck und ist vor Menschen auf der Hut. Dort, wo nur ein- oder zweimal im Jahr eine Drückjagd mit Treibern und Hunden veranstaltet wird, sind die Tiere an diesem Tag auf der Flucht, den ganzen Rest des Jahres haben sie wenig Angst vor Menschen und sind auch tagsüber zu sehen.“

Im Bayerischen Jagdgesetz heißt es, die Bejagung soll „die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen“. Ob diese Vorschrift eingehalten wird, überprüfen die Revierbeamten der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten alle drei Jahre und erstellen ein „Forstliches Gutachten zur Situation der Waldverjüngung“. Im Gutachten von 2018 für den Stadtwald stand: „Verbissbelastung zu hoch, teilweise deutlich zu hoch“, verbunden mit der Empfehlung, „den Abschuss von Rehwild zu erhöhen.“ Greiters Beobachtungen bestätigen das Gutachten. Im Bobinger Stadtwald können junge Buchen seit Jahren nicht mehr aufwachsen, es sei denn, sie werden durch eine Umzäunung geschützt. Rehe verschmähen junge Fichten, aber Blätter und Triebe junger Buchen scheinen für sie ein besonderer Leckerbissen zu sein. „Alle abgebissen!“ rief Greiter fassungslos, als er eine Fläche betrachtete, auf der er Buchen ohne Umzäunung gepflanzt hatte. Etwa einen halben Meter hoch sind die Bäumchen. Die Spuren von Rehbissen sind deutlich zu erkennen. Wo der Leittrieb abgebissen wurde, haben sich viele Seitentriebe gebildet, so dass die Bäumchen aussehen wie kleine Sträucher. An den dünnen Zweigen sind keine Knospen mehr vorhanden.

Hohe Kosten durch Wildverbiss

Ohne Wildverbiss vermehrt sich die Buche mühelos selbst, sie verstreut ihre Bucheckern in einem Umkreis von mehr als fünfzig Metern. Die Bäumchen, die daraus wachsen, sind also gratis. Wo Sämlinge vom Wild bis zum Boden abgefressen werden, müssen Buchen gepflanzt werden, es entstehen also Kosten für Setzlinge. Damit die Setzlinge nicht sofort dem Wild zum Opfer fallen, muss ein Zaun errichtet werden, was wiederum Kosten verursacht. Auf kleineren Flächen werden die Bäumchen mit Plastikmanschetten geschützt. „Natürlich will kein Förster Plastik in seinem Wald, das ist ja letztlich ein riesiger Müllberg. Aber ohne Schutzmaßnahmen hätten wir gar keine jungen Laubbäume im Revier“, so Greiter. Die Bayerische Staatsregierung hält die Erhöhung des Anteils von Laubbäumen in den Wäldern für so wichtig, dass sie die Pflanzung von Laubbäumen finanziell stark unterstützt. Ob das Geld korrekt verwendet wird, kontrollieren Fachleute einmal nach der Pflanzung und noch einmal fünf Jahre später. Wenn nach fünf Jahren von den Bäumchen nichts mehr zu sehen ist, weil sie von Rehen abgefressen wurden, fordert die Regierung die gesamten Fördermittel zurück.

„Der Umbau der Fichtenmonokulturen in Mischwälder ist ein wichtiges Ziel im Stadtwald Bobingen“, so Greiter. „Dies wäre durch die Fördermittel des Freistaates finanziell gut zu stemmen, wenn die Bäume nicht durch teure Maßnahmen gegen Wild geschützt werden müssten. Im Bayerischen Waldgesetz ist der Grundgedanke „Wald vor Wild“ verankert. Deshalb soll in Zukunft die Bestandsdichte des Rehwildes so angepasst werden, dass bei gepflanzten Buchen keine Schutzmaßnahmen mehr nötig sind.“ Bisher wurde der Stadtwald als Jagdrevier verpachtet. Pachtverträge haben eine Laufzeit von neun Jahren. Um die Empfehlung des staatlichen Gutachtens umsetzen zu können, stellt die Stadt ab dem 1. April auf Eigenbewirtschaftung um. Das bedeutet, dass die Jagd nicht mehr verpachtet wird, sondern nur noch Jagderlaubnisscheine für die Dauer von neun Monaten ausgestellt werden. Die ganze Jagdfläche wurde in vier Pirschbezirke aufgeteilt. Jeder Jagderlaubnisschein berechtigt zur Jagd in einem Pirschbezirk. Auch die Bayerischen Staatsforsten und der Augsburger Stadtwald haben auf dieses System umgestellt.

Wildschweine verursachen keine Schäden im Wald, dennoch müssen auch sie scharf bejagt werden, denn sie verursachen teilweise große Schäden auf den angrenzenden Feldern und sie können die „Afrikanische Schweinepest“ übertragen. Diese Infektion breitet sich seit 2007 von Osteuropa aus nach Westen aus und hat Polen und Tschechien erreicht. Die Viruserkrankung führt bei Schweinen schnell zum Tod, für Menschen ist sie ungefährlich. Es gibt keinen Impfstoff und kein Heilmittel. Für die großen Schweinemastbetriebe in der Region wäre ein Ausbruch eine Katastrophe.

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