Baby auf Wiese ausgesetzt: Mutter in Augsburg verurteilt

Eine 32-jährige Frau aus Dillingen hat ihr Neugeborenes in einer Wiese ausgesetzt und stand nun wegen versuchten Totschlags vor dem Augsburger Landgericht.

Im Juli vergangenen Jahres setzte eine Mutter ihr neugeborenes Baby auf einer Wiese im Landkreis Dillingen aus. Nun wurde sie am Augsburger Landgericht verurteilt.

Eineinhalb Tage lang musste ein Neugeborenes im Juli 2019 einsam um sein Leben kämpfen – auf einer Wiese am Ortsrand von Unterglauheim im Landkreis Dillingen. Nach 34 Stunden fand ein Passant, der beim Gassi gehen zufällig an der Wiese vorbei kam, den komplett unterkühlten Jungen. Am Landgericht Augsburg wurde nun ein Urteil gefällt: Am Dienstag verurteilte die vorsitzende Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser die 32-jährige Mutter des Babys zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten.

Es sei offensichtlich, dass die Mutter den Säugling umbringen wollte, sagte Riedel-Mitterwieser in der Urteilsbegründung. Wie der Donaukurier berichtet, habe die Mutter, bevor sie ihn ausgesetzt hatte, noch mit einer Schere auf den Kopf des Buben eingestochen. Außerdem hätte die Beweisaufnahme ergeben, dass sie am ersten Tag noch einmal nach ihrem neugeborenen Sohn sah – allerdings nichts unternahm, um diesem zu helfen.

Nur durch unglaubliches Glück überlebte der Junge, der inzwischen bei einer Pflegefamilie wohnt. Denn wie der 63-Jährige, der das Kind bei einem Spaziergang entdeckt hatte, vor Gericht erzählte, war er an diesem Tag nur ausnahmsweise an der Wiese entlang gelaufen, weil er mit seinen Frau in den Urlaub starten wollte und es deshalb schnell gehen sollte. Auf dem Weg sei für gewöhnlich "gar nichts los", erzählte er dem Gericht. Als der 63-Jährige ein Wimmern aus dem 50 Zentimeter hohen Gras hörte, vermutete er zunächst kleine Kätzchen.

Stattdessen entdeckte er den Säugling, der blau angelaufen und komplett verdreckt und ausgetrocknet gewesen sei. Ein Rettungshubschrauber brachte das Baby in die Augsburger Uniklinik. Dort stellten die Ärzte unter anderem Verbrennungen ersten Grades aufgrund der Sonneneinstrahlung und eine schwere Blutvergiftung fest, da der Bub Keimen und Nagetieren schutzlos ausgesetzt war. Kurz darauf versagten die Nieren des Babys, was eine Dialyse zur Folge hatte. Aufgrund von Mangeldurchblutung starben drei Zehen des Säuglings ab und mussten amputiert werden.

Das Motiv für die Tat war wohl, dass die 32-jährige Mutter, die laut ihrer Verteidigerin schwer geistig behindert und laut einem Gutachter auf dem Entwicklungsstand einer zwölf- bis 14-Jährigen sei, den Eltern kein weiteres Kind zumuten wollte. Diese ziehen bereits zwei Kinder ihrer Tochter auf, hatten aber wohl deutlich gemacht, dass sie ein weiteres Kind nicht großziehen würden. Aus Angst vor Ärger mit ihren Eltern hielt die 32-Jährige die Schwangerschaft geheim und brachte ihr Kind allein im Badezimmer auf die Welt. Anschließend wickelte sie das Kind in ein Handtuch und legte es in die Wiese am Ortsrand.

Aufgrund der geistigen Behinderung der Frau wurde die Angeklagte wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung schließlich nur zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt. Dem Kind gehe es heute zwar gut, doch Spätfolgen seien noch nicht abzusehen, sagte Richterin Riedel-Mitterwieser. Sie folgte in ihrem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte aufgrund der schwere der Behinderung eine deutlich kürzere Freiheitsstrafe von höchstens drei Jahren für die Mutter gefordert. Am Dienstag nahm die Verteidigung das Urteil deshalb vorerst noch nicht an, eine Revision ist wäre also möglich. (lat)

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