In Dinkelscherben wird weiterhin gechlort

Die Gemeinde Dinkelscherben muss ihr Trinkwasser der Wasserbereiche Oberschöneberg und Dinkelscherben weiterhin chloren. Gegen die umfangreiche Maßnahme, verordnet durch das Landratsamt Augsburg, hat die Gemeinde geklagt. Die Klage wurde vom Verwaltungsgericht Augsburg abgewiesen. Foto: Stefan Gruber

Die Gemeinde Dinkelscherben hat ein Problem mit seinem Trinkwassersystem, das sich in die Dinkelscherbener und die Oberschöneberger Gruppe auftrennt, und klagte vor dem Verwaltungsgericht gegen eine Chlorungsanordung durch das Landratsamt.
Am 14. März 2018 wurde im Oberschöneberger Teilsystem eine Kolonie coliformer Keime festgestellt. Seit Monaten wird das zusammenhängende Dinkelscherbener und Oberschöneberger Trinkwasser nun auf Anordnung des Landratsamts gechlort. Im Dinkelscherbener System wurde erst nach der Chlorungsanordnung ein Keimbefall nachgewiesen. War es nun zulässig, dass das Landratsamt das Dinkelscherbener System hat ebenfalls gleich chloren lassen?
Das Landratsamt meint ja, denn das System sei dort ebenso marode wie das Oberschöneberger Leitungssystem. Die Möglichkeit der Keimbelastung habe bestanden, denn nur weil in der Probe kein Keim gefunden wurde, könne man, laut Vertreter des Landratsamts und Gesundheitsamts, nicht davon ausgehen, dass keine Keime im System seien. Gegen diese Anordnung hatte nun am Verwaltungsgericht Augsburg Richter Dr. Nikolaus Müller zu verhandeln. Er hat die Klage Dinkelscherbens gegen die Chlorungsanordnung des Trinkwassers durch das Landratsamt abgewiesen.

Coliforme Bakterien

Nach dem Nachweis coliformer Bakterien wurde auch festgestellt, dass das Leitungssystem der Wasserversorgung Oberschöneberg und Dinkelscherben nicht mehr der Zeit entsprächen. Das Landratsamt ordnete an, das Wasser abzukochen, später eine Chlorung des Trinkwassers auf unbestimmte Zeit. Auch im Dinkelscherbener Leitungssystem wurde später trotz Chlorung eine Kolonie coliformer Bakterien gefunden. Die Chlorung im gesamten Trinkwassersystem muss andauern, bis alle Leitungen gespült, keine Keime mehr nachweisbar sind. Die Abkochanordnung konnte wegen des erreichten Chlorgehalts des Wassers am 12. Juli 2018 aufgehoben werden.
Viele Wasserproben sind in der Vergangenheit genommen worden, anfänglich drei Mal täglich an vielen Stellen im Wassersystem unter großem personellen wie finanziellen Aufwand, seit 6. Juli 2018 reichen eine Probenentnahme an wenigen Stellen täglich. Eine gute Zusammenarbeit der Gemeinde in der Sanierung des maroden Systems, der Wasserversorgung und dem Landratsamt wird allseits bestätigt.
Das Auffinden von Totleitungen und Spülung derselben gestaltet sich aber als schwierig und zeitaufwändig, wird aber vorgenommen und ist noch lange nicht abgeschlossen - "das kann ja noch Jahre dauern", so Richter Müller. Gilt das System irgendwann wieder als unbelastet und sauber, wird das Landratsamt die Chlorung aufheben und weitere zwei Wochen lang muss das Wasser dann wieder abgekocht werden - so das Prozedere.
Die Auslegung von Gesetzen und die Umwandlung von Verordnungen waren Thema der Gerichtsverhandlung und ob die Verordnungen an die Gemeinde als juristische Person oder die Bürger hätten gehen müssen.

Verantwortung abwälzen

Das Gericht diskutierte, ob eine einfachere, leichtere, günstigere Version die Trinkwasserchlorung ersetzen könnte, aber letztendlich hieß es in der Urteilsbegründung, die Gemeinde habe für sauberes Trinkwasser zu sorgen, das gelte zumindest bis zum Übergabepunkt an jedes Haus und dem Ventil nach der Wasseruhr. Den Bürgern anstatt einer Chlorung ein monatelanges Abkochen zu raten, sei nicht sinnvoll, da den Bürgern diese Maßnahme irgendwann lästig werde und man davon ausgehen müsse, dass das Abkochen des Trinkwassers nicht langfristig konsequent durchgeführt werde. Die Gemeinde könne nicht ihre Pflicht auf den Bürger übertragen, so beendete Richter Müller die Verhandlung. Dinkelscherben wird weiterhin seine Wassersysteme chloren, die Leitungen und Totleitungen spülen und das marode Leitungssystem sanieren müssen. (Stefan Gruber )

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