Region: Augsburger Land

Puppenmuseum Fischach Ein Museum für leuchtende Kinderaugen

von LeserReporter Florian Handl

Bereits als kleines Kind sammelte Christine Wagner fleißig Puppen. Anders als viele Kinder in ihrem Alter ging sie mit den Puppen sehr pfleglich um, wodurch diese heute in einem wunderbaren Zustand von allen Besuchern im Puppenmuseum in Fischach bewundert werden können.

Christine Wagner hat ihr ganzes Leben lang leidenschaftlich Puppen gesammelt. Ihren größten Schatz hat sie der Michael-Wagner-Stiftung „Kinderlachen“ gespendet. Seit 2012 können die Puppen im eigens dafür von der Stiftung errichteten Puppenmuseum im Zentrum Kinderlachen in Fischach besichtigt werden.

Das Puppenmuseum Fischach ist zusammen mit dem Spieleparadies in dasWohlfühlhaus des Vereins Wohlfühlhaus Westliche Wälder e.V. integriert. Die Erlebniswelt bietet auf vier Stockwerken vieles zu entdecken für die ganze Familie. Das Spieleparadies im Unter- und Erdgeschoss beinhaltet das Reich des Bergkönigs und die Funbox „20.000 Meilen unter dem Meer“. In der Bergwelt gibt es für die Kinder, ausgerüstet wie ein Bergarbeiter mit Helm und Stirnlampe, geheimnisvolle Gänge zu erkunden, einen Schatz zu entdecken und ein Bällebad unter den Augen des Bergkönigs. Die Funbox dagegen lädt ein zum Krabbeln, Klettern, Rutschen und Spaß haben. Außerdem können Interessierte hier auf Anmeldung einen Kinder-Kneipp-Erlebnistag verbringen und dabei die fünf Elemente der Kneippschen Lehre spielerisch erlernen. Den Höhepunkt der Erlebniswelt bildet jedoch das Puppenmuseum im ersten und zweiten Stock. Diese liebevollen und oft auch in historischen Kontext gesetzten Arrangements machen das Puppenmuseum auch zu einem beliebten Ausflugsziel für Seniorengruppen, die in großer Zahl die Ausstellung besuchen. „Die Ausstellung ist etwas Besonderes und das merkt man an den Reaktionen der Besucher“, erzählt Ursula Micheler-Koschel, die Leiterin des Zentrums. Die Kinder bekommen leuchtende und große Augen, aber auch die Erwachsenen können sich dem Zauber der Puppenschätze nicht entziehen.

Die erste Puppe machte Christine selig

Zu Weihnachten 1948 erhielt Christine Wagner ihre erste Puppe – ein Schildkröt-Modell aus Zelluloid das auf den Namen Inge getauft wurde. So kurz nach dem Ende des 2.Weltkrieges hatte die junge vierjährige Christine Wagner, die zusammen mit zwei Geschwistern aufwuchs, zu Weihnachten eigentlich mit gar keinen
Geschenken gerechnet. „Schließlich war alles zerstört, was sollte es da schon zu kaufen geben, “ erinnerte sich Frau Wagner. Umso überraschter war sie als unter dem Weihnachtsbaum eine Puppe lag. Diese Puppe schloss das junge Mädchen sofort in die Arme und ihr Herz. In diesem Moment fühlte sie sich wie das glücklichste Mädchen auf der ganzen Welt. 

Für die junge Christine war die Puppe ein wertvolles Geschenk und zugleich eine Verheißung auf bessere Zeiten. Und so kam es dann auch. Im darauffolgenden
Jahr gesellte sich zu Inge eine weitere Puppenfreundin dazu. Soweit gleicht die Geschichte der jungen Frau Wagner der zahlreicher anderer Mädchen. Im Grundschulalter entdeckte Christine in einem Schaufenster eine Babypuppe. Anders als die beiden Puppen, die sie bereits besaß, hatte die Babypuppe echte Haare
und sah damit viel lebensechter aus. Viele Monate sparte die junge Christine das Geld, das sie zu Weihnachten und Geburtstag bekam – bis sie schließlich mit ihrer
Mutter in den Laden gehen und die Puppe von ihrem eigenen Geld kaufen konnte.

Je älter das junge Mädchen wurde und je weiter die Schule voranschritt, desto weniger Zeit blieb für die Puppen. Das änderte sich auch nicht, als sie nach der Schule ihren Mann Michael Wagner heiratete und drei Söhne hinzukamen, die ihrer vollen Aufmerksamkeit bedurften. Erst als die Söhne älter wurden, entdeckte
Frau Wagner ihre Leidenschaft und Liebe zu den Puppen wieder und ließ sich fortan zum Geburtstag und Weihnachten Puppen schenken. „Ich liebte meine Puppen wie früher – es sind meine Kinder. Ich möchte dass es ihnen gut geht und ich hegte und pflegte sie, “ so die Puppenliebhaberin. Im Laufe der Jahre wuchs die Sammlung immer weiter an – heute sind es 343 Puppen.

Mikrokosmos verschiedener Lebenswelten

Wie kam es, dass die leidenschaftliche Puppensammlerin ihren Schatz der Michael-Wagner-Stiftung „Kinderlachen“ für ein Museum schenkte? Um den Kindern im Kindergarten der Stiftung eine Freude zu machen, gestaltete Frau Wagner zunächst einen Schaukasten mit ein paar Puppen und dazu passender Dekoration. „In den Au-
gen der Kinder, die den Schaukasten betrachteten, sah ich die gleiche Freude, die auch mich als kleines Mädchen beim Anblick der Puppen erfüllt hatte.“ Aus diesen leuchtenden Kinderaugen erwuchs der Wille, die Sammlung allen Kindern zugänglich zu machen. In dem für die Stiftung gebauten Turm im Zentrum Kinderlachen bot sich die Möglichkeit mit ihren Schildkröt-, Käthe- Kruse- und Zapfpuppen sowie Kuscheltieren von Steiff ein Museum einzurichten.

Die kleinen und großen Puppen beweisen durch ihre täuschend echten Gesichtszüge, filigranen Proportionen und durch die prächtigen Kleider, die großen kunsthandwerklichen Fähigkeiten ihrer Erschaffer. Die verschiedenen Szenerien, die mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurden, ermöglichen einen Einblick in frühere Lebenswirklichkeiten. So gibt es unter anderem ein Klassenzimmer mit Schülern beim Unterricht zu sehen, einen Rummelplatz mit einem drehenden Karussell und einem Leierkasten spielenden Bären. Der Bauernhof ermöglicht einen Einblick in die alltäglichen anfallenden Arbeiten und das muntere Leben auf dem Hof. In der ersten Etage des Museums kommt das bürgerliche und ländliche Ambiente zur Geltung.

Im zweiten Stock der Ausstellung taucht der Besucher in das Leben der feinen Gesellschaft im Barockzeitalter ein: Dienstmägde und Küchenhilfen bereiten den Herrschaften ein stattliches Mahl, die Damen des Hauses lassen sich derweil Champagner servieren oder flanieren durch die Straßen Richtung Kaffeehaus.
Abends steht natürlich ein Besuch in der Oper an.

Die dargestellten Szenerien sind unterhaltsam und bieten dem aufmerksamen Betrachter zudem einen Einblick in den Mikrokos mos früherer Lebensrealitäten. Mit diesem Museum bekamen Christine Wagners 343 große und kleine Schätze ein würdiges Zuhause. Sie selbst kann ihre Lieblinge jederzeit besuchen und zugleich schenkt die Ausstellung den Kindern und Erwachsenen „ein paar Stunden Fröhlichkeit und ein Gefühl von heiler Welt.“

Zentrum Kinderlachen und Wohlfühlhäuser

„Bei all unserem Tun steht der Mensch im Mittelpunkt, vor allem die uns anvertrauten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen,“ mit diesem Leitspruch beschreibt der Verein sich und seine Arbeit selbst. Das Wohlfühlhaus Westliche Wälder e.V., Zentrum Kinderlachen in Fischach, ist in mehrere Teilbereiche untergliedert. Es beinhaltet ein Haus für junge Mütter mit Kindern, welche für das alltägliche Leben verselbstständigt werden, einen Jugendhilfebereich, welcher Jugendliche ab 14 Jahren betreut und zugleich unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ins alltägliche Leben integriert, sowie den Bereich der Kindertagesbetreuung. Mittlerweile betreibt der Verein Wohlfühlhaus Westliche Wälder e.V. neun Häuser und Einrichtungen in Fischach und Schwabmünchen.

Die Häuser wurden von der Michael-Wagner-Stiftung „Kinderlachen“ gebaut und langfristig an den Verein Wohlfühlhaus vermietet. Die Michael-Wagner-Stiftung Kinderlachen“ ist eine öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts und verfolgt ausschließlich gemeinnützige und mildtätige Zwecke. Die Stiftung wurde anlässlich des 60. Geburtstages des Stifters, Michael Wagner sen., am 19. Februar 2003 ins Leben gerufen. Seit Gründung der Stiftung konnten bereits mehr als 2500 unterschiedliche Projekte mit etwa 2,4 Millionen Euro unterstützt werden.

Weitere Informationen

Öffnungszeiten: Jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr ist das Puppenmuseum für Besucher geöffnet. Außerhalb der Öffnungszeiten sind Führungen für größere Gruppen mit vorheriger Anmeldung möglich. Gruppenanmeldungen unter Telefon 08236/959977100 möglich. Seniorengruppen und Erwachsene mit Kind zahlen 8 Euro pro Erwachsenen und 4 Euro pro Kind. Im Preis enthalten ist ein Kaffee und Kuchen.
Adresse: Im Wohlfühlhaus Westl. Wälder e.V., Zentrum Kinderlachen, Poststraße 14, 86850 Fischach

Weitere Bilder

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X