Meringer Volksfest: Er wollte helfen und wurde zum Opfer

Ein 20-Jähriger wollte auf dem Meringer Volksfest einen Streit schlichten, dabei schlug ihn ein 26-Jähriger so, dass er jetzt auf einem Auge beinahe blind ist.

Er wollte einen Streit schlichten, nun ist er auf dem linken Auge so gut wie blind. Als ein 20-Jähriger im vergangenen Jahr auf dem Meringer Volksfest bei einer Rangelei dazwischen geht, verpasst ihm ein 26-Jähriger aus dem südlichen Landkreis einen Faustschlag ins Gesicht. Die gesundheitlichen Folgen für das Opfer sind gravierend: Wegen eines Netzhaut-Risses und eines Jochbeinbruchs musste er zwei Wochen lang stationär im Krankenhaus behandelt werden. Der Schläger wurde nun vor dem Aichacher Schöffengericht zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Im Oktober 2018 musste er sich bereits wegen eines Einbruchs verantworten. Damals wurde er am Augsburger Amtsgericht zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung und einem einmonatigen Fahrverbot verurteilt. Der junge Mann war zuerst in eine Wohnung und dann in ein Autohaus eingebrochen. Dort entwendete er Papiere und Schlüssel verschiedener Fahrzeuge. Mit dem Kennzeichen eines anderen Wagens wollte er sich daraufhin mit einem Porsche Carrera aus dem Staub machen - was lediglich daran scheiterte, dass der Tank bereits nach einer kurzen Strecke leer war, wie Amtsgerichtsdirektor Walter Hell aus dem damaligen Urteil verlas. In einem Schreiben hatte der 26-Jährige zudem vom Händler für die Herausgabe des Wagens 5000 Euro gefordert. Die Anklagepunkte lauteten daher auf Einbruch, Sachbeschädigung, versuchte Erpressung, Urkundenfälschung und Diebstahl.
In offener Bewährung also schlug der Angeklagte auf dem Volksfest auf sein Opfer ein, und im November fanden Zivilpolizisten Marihuana in seiner Tasche, als sie ihn am Münchener Bahnhof einer Kontrolle unterzogen. In der Anklage war die Rede von 35 Gramm, der Angeklagte allerdings sprach vor Gericht von einem Gramm für ein bis zwei Joints, die er von einem Bekannten geschenkt bekommen habe. Bei einem Treffen habe er einen Joint geraucht und den Rest des Marihuanas in seiner Brusttasche verstaut. Seit zwei Monaten habe er nichts mehr konsumiert.
Für den Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz wurde der junge Mann nun zu zwei Monaten auf Bewährung verurteilt, aus dem Einbruchsdelikt und der vorsätzlichen Körperverletzung wurde eine Gesamtstrafe gebildet. In einem Rechtsgespräch zu Beginn der Verhandlung hatten sich Gericht, Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Nebenklage im Falle eines Geständnisses auf eine Maximalstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verständigt, zudem muss der Angeklagte 5000 Euro an das Opfer zahlen. Die ersten 500 Euro übergab der Verteidiger in seinem Auftrag bereits während der Verhandlung an den 20-Jährigen.
Vor Verhandlungsbeginn hat sich der Angeklagte bei dem Opfer entschuldigt. Er gab zu: "Ich hab' ihm eine Faust verpasst." Er selbst habe die Rangelei zuvor beobachtet und nur schlichten wollen. Der Geschädigte habe ihn aber "angemacht", woraufhin es zum Faustschlag gekommen sei. Der Angeklagte erklärte, er habe an diesem Tag Bier getrunken.
Das Opfer berichtete, mit einer Freundin auf dem Volksfest gewesen zu sein, als der 20-Jährige den Streit beobachtete. Daraufhin sei er hingegangen und habe die Kontrahenten auseinandergezogen. Als er sich umdrehte, kam der Schlag. Der Jochbeinbruch ist mittlerweile verheilt. Sein linkes Auge hat allerdings bleibende Schäden davongetragen: Es besitzt nur noch eine Sehkraft von fünf Prozent, zudem berichtete der 20-Jährige vor Gericht über eine Lichtempfindlichkeit aufgrund einer Pupillenfehlstellung seit dem Vorfall.
Staatsanwältin Stefanie Dylla rechnete dem Angeklagten positiv an, dass er mit dem Geständnis und der Entschuldigung "guten Willen gezeigt hat, die Straftat wiedergutzumachen". Sie plädierte auf zwei Jahre auf Bewährung. Dem schloss sich der Anwalt der Nebenklage, also des Opfers, Andreas Müller, an. Verteidiger Moritz Bode versicherte, der 26-Jährige mache auf ihn einen "geläuterten Eindruck".
Vor der Urteilsverkündigung wandte sich der Angeklagte an das Opfer: "Es tut mir von ganzem Herzen leid, ich wollte Sie nie so verletzen."
"Sie sollten Ihr Aggressionspotenzial überdenken. Wenn sich da nichts ändert, sehe ich schwarz", machte Richter Walter Hell deutlich. Zu den zwei Jahren auf Bewährung und der Zahlung der 5000 Euro an das Opfer muss sich der 26-Jährige nun regelmäßigen Drogen-Tests unterziehen, das einmonatige Fahrverbot aus dem vorangegangenen Urteil bleibt ebenfalls bestehen. (Nayra Weber)

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