Neue gepanzerte Polizeifahrzeuge entstehen in Friedberg

Das Friedberger Unternehmen ACS hat am Donnerstag das erste von zwei neuen Panzerfahrzeugen an die Polizeiinspektion "Spezialeinheiten Südbayern" übergeben.

Zwei neue "Offensivfahrzeuge" sollen die Spezialeinheiten Süd- und Nordbayern besser schützen

Die Bayerische Polizei bekommt in diesem Jahr zwei neue Fahrzeuge. Die gepanzerten Wagen vom Typ "Enok 6.2" sollen die Spezialeinheiten der Polizeiinspektionen Süd- und Nordbayern bei ihren Einsätzen, insbesondere bei der Terror-Bekämpfung, künftig besser schützen. Enok-Modelle sind auch bei der Bundeswehr im Einsatz. Gebaut wurden die Einsatzwagen vom Friedberger Mercedes-Benz-Zulieferer "Armoured Car Systems" (ACS), einem Spezialisten für gepanzerte Geländewagen. Mit den Polizeifahrzeugen liefere man nun zum ersten Mal komplett "in eigener Regie ein Daimler-Fahrzeug aus", so Geschäftsführer Ulrich Belwe.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann war am Donnerstag anlässlich der Übergabe des ersten Fahrzeugs zu Besuch im Derchinger Industriegebiet. Vorerst ist nun die Spezialeinheit Südbayern mit Sitz in München mit dem Panzerfahrzeug ausgerüstet. Voraussichtlich im Mai soll dann das zweite Fahrzeug fertiggestellt und an die nordbayerischen Spezialeinheiten in Nürnberg übergeben werden.

Drehbarer Waffenturm und Schutz gegen ballistische Geschosse

Die neuen Polizeiwagen zählen laut Belwe noch zu den leichten gepanzerten Fahrzeugen. Sie hätten einen engen Wendekreis, eine hohe Steigfähigkeit und seien nur rund zwei Meter breit, zählt er auf. Die Modelle für die bayerische Polizei haben außerdem ein verlängertes Heckmodul, das Platz für zwei zusätzliche Personen bietet. Sie besitzen einen drehbaren Waffenturm und bieten einen hohen Schutz gegen ballistische Geschosse. Mit den ersten Erprobungen des neuen Fahrzeugs wurde im November 2019 begonnen.

Joachim Herrmann erklärte die Entscheidung, neue Fahrzeuge dieser Art für die Spezialeinheiten der bayerischen Polizei anfertigen zu lassen. Denn auch der Freistaat stehe vor immer größeren Herausforderungen, etwa durch Terrorismus, vermehrte Naturkatastrophen und extremistische Bestrebungen.

So werde die feierliche Übergabe nun auch überschattet von der "grässlichen Gewalttat", die sich am Mittwoch in Hanau ereignete. Und erst wenige Tage zuvor sei deutschlandweit eine rechtsextremistische Zelle ausgehoben worden, die ebenfalls Anschläge plante, erinnert Herrmann. "Wir spüren schon, dass wir in einer Zeit neuer großer Herausforderungen auch im rechtsextremen Bereich angekommen sind." Ursprünglich hatte das bayerische Innenministerium nach wiederholten islamistischen Anschlägen im europäischen und deutschen Raum im Jahr 2016 beschlossen, neue Fahrzeuge für die bayerische Polizei bauen zu lassen. Der Auftrag für die beiden Einsatzwagen wurde 2018 EU-weit ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt die Firma ACS im Oktober des selben Jahres.

Nach rund einem Jahr Bauzeit konnte das neue Fahrzeug also zum ersten Mal erprobt werden. Das erscheine vielen auf den ersten Blick vielleicht wie eine lange Zeit, meinte Ulrich Belwe. Innenminister Herrmann zeigte sich mit der Bauzeit aufgrund dessen, dass das "Enok" zahlreiche Sonder- und Spezialanfertigungen enthalte, allerdings zufrieden.

Die beiden Panzerautos kosten insgesamt 2,4 Millionen Euro

Die beiden "Offensivfahrzeuge" schlagen mit insgesamt 2,4 Millionen Euro im bayerischen Haushalt zu Buche. Insgesamt habe man die Investitionen in die Polizei in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert. So seien 2020 für den Sach- und Bauhaushalt der Polizei 537 Millionen Euro vorgesehen. 2013 stand der Polizei noch ein Volumen von 342 Millionen Euro zur Verfügung.

Die neue Ausstattung soll die Spezialeinheiten befähigen, effektiv gegen Attentäter oder Amokläufer vorzugehen, sie möglichst schnell zu stoppen, und eventuell auch Evakuierungen durchzuführen. Besonders diene das gepanzerte Fahrzeug aber dem Eigenschutz der Beamten. Eine hundertprozentige Sicherheit könne man den Spezialeinheiten zwar nie bieten, aber das Fahrzeug biete nun zumindest die "größtmögliche Eigensicherung". Auch einige Streifenwagen sollen künftig besser vor Schusswaffen, aber auch Flaschen- oder Steinwürfen geschützt sein. Sie werden mit einem "Schutz-Kit" ausgestattet, das Scheiben und Türen auch vor großkalibirigen Handfeuerwaffen schützt. Denn wie in Hanau könnten "von einer Sekunde auf die andere" auch normale Streifenwagen in gefährliche Situationen geraten.

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