In 60 Minuten die Bayerische Landesausstellung in Friedberg erleben

von LeserReporter Heike Scherer aus Mering
Emanuel Schormair zeigt einen Latrinensitz und erklärt, dass die Latrine nicht nur eine Toilette, sondern eine Müllgrube für Lederreste, alte Schuhe, Essensreste und Knochen war.

Viermal am Tag wird im Wittelsbacher Schloss eine Führung für jeweils zwölf Personen angeboten. Die Besucher loben die Einblicke in die Geschichte der Wittelsbacher Gründerstädte.

Emanuel Schormair hat Geschichte studiert und sich auf vor- und frühgeschichtliche Archäologie spezialisiert. Als Museumspädagoge arbeitet er in Kempten und führte die Gruppe am vergangenen Sonntagvormittag durch die Bayerische Landesausstellung in Friedberg. Familie Gratberger aus Derching war dabei und empfand die Führung als sehr informativ. Da dabei Schwerpunkte gesetzt werden und der Inhalt der Ausstellung besser in Erinnerung bleibt, würden sie die Führung jedem Besucher empfehlen. Um das Leben in einer Stadt umfassend kennenzulernen, rät Schormair, diesen Raum im zweiten Stock noch einmal alleine anzusehen. Er empfiehlt, unbedingt die Ausstellung in Aichach sowie Aichach, Oberwittelsbach und Friedberg zu besuchen. In Friedberg gibt es regelmäßig Führungen mit besonderen Themen.

Im Jahr 1180 beginnt die Geschichte der Wittelsbacher, als Friedrich Barbarossa Otto den I. zum Herzog ernennt. Auf ihn folgt Ludwig der Kelheimer, der im Jahr 1231 auf der Kelheimer Brücke ermordet wurde. Im 11. und 12. Jahrhundert entstanden viele Städte, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. „Da es ein langer Prozess ist, finde ich die Bezeichnung Stadtwerdung besser als Stadtgründung“, verriet Emanuel Schormair. Aufgrund eines Klimaoptimums auf der nördlichen Halbkugel gab es gute Ernten und die Bevölkerung wuchs. Wichtige Kennzeichen einer Stadt seien Fernhandel und spezialisiertes Handwerk: Glas aus Venedig und Bernstein aus Lübeck sowie gesägte Knochenkämme sind dazu ausgestellt.

Dass eine Stadt zur damaligen Zeit schon eine ständige Baustelle war, erfahren die Besucher ebenfalls. An einem Modell der Stadt Landshut von 1310 ist der Aufbau einer Stadt dargestellt: eine Kirche mit einem freistehenden Turm, ein Rathaus, Brot- und Fleischbänke, davor eine Wasserrinne. Die Versorgung mit Wasser und die Entsorgung waren sehr wichtig. Ausgestellt ist hierzu eine hölzerne Wasserleitung aus Ingolstadt und ein Latrinensitz. Nicht nur als Toilette diente die Latrine, sie war Müllgrube für alte Schuhe, Lederreste, Knochen, Essensreste und noch vieles mehr. „Daraus konnte man Erkenntnisse über Vermögens-, Gesundheitsstand und Essgewohnheiten gewinnen, aber sie sollte nicht in der Nähe einer Wasserleitung sein“, erfuhren die Besucher.

Warum der urbayerische Löwe ein Zuag‘reister aus der Pfalz ist und es in München eine Pfälzer Weinstube gibt und warum das bayerische Wappen die Rauten hat, war vielen neu. Auch die Kleiderordnung, die Tuchplomben, die Spitäler und die Landtafeln von Philipp Apian wurden bei der Führung angesprochen. Ein Video, das von der Gegenwart in das Jahr 1180 zurückgeht, bildet im letzten Ausstellungsraum einen interessanten Abschluss der Führung.

Die Bayerische Landesausstellung “Stadt befreit – Wittelsbacher Gründerstädte” in Aichach und Friedberg findet noch bis 8. November statt. Die einstündige Führung im Friedberger Schloss wird täglich um 9, 11.30, 14 und 16 Uhr angeboten. Eine online-Buchung wird empfohlen. Die Teilnehmer sollten etwa 20 Minuten vor der Führung am Empfangsgebäude sein, um sich zu registrieren. Zum besseren Verstehen erhält jeder Teilnehmer einen Kopfhörer.

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