Region: Aichach|Friedberg

Corona im Friedberger Krankenhaus: Ausbruch ist bestätigt

Während Gesundheitsamtsleiterin Höper und Klinikchef Mayer noch in der Werkausschusssitzung des Kreistags keine Veranlassung gesehen hatten, ein konkretes Ausbruchsgeschehen zu benennen, bestätigte Höper am Montag, dass es tatsächlich ein solches gibt oder gegeben hat. Symbolbild

Gesundheitsamtsleiterin räumt Versäumnisse in Bezug auf positive Laborbefunde aus der Klinik ein. Landrat Metzger spricht von Kommunikationspannen.

Wann ein Ausbruch ein Ausbruch ist, definiert keine Klinik und auch nicht die Politik. Diese Einschätzung erfolgt anhand unmissverständlicher epidemiologischer Gesichtspunkte. Das ist nach Monaten der Pandemie auch Laien bekannt.

Dass die Öffentlichkeit erst jetzt, also Ende Januar, über eine Häufung positiver Laborbefunde auf das Coronavirus SARS-CoV-2 am Friedberger Krankenhaus informiert wird, die bereits ab November vorlagen, scheint unter anderem der Kommunikation zwischen den Kliniken an der Paar, dem Landratsamt und dem Gesundheitsamt geschuldet zu sein.

Das bestätigte Aichach-Friedbergs Landrat Klaus Metzger (CSU) am Montag zu Beginn einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz mit Gesundheitsamtsleiterin Dr. Kirsten Höper und Klinikchef Dr. Hubert Mayer im Sitzungssaal des Landratsamts. „Ich halte mir zugute, seit meinem Amtsantritt stets transparent und offen gewesen zu sein“, machte der Landrat klar. „Um die Öffentlichkeit aber umfassend zu informieren, sind wir auf Informationen angewiesen. Wir generieren diese nicht selbst.“

Damit wies der Landkreischef den vergangene Woche häufig zitierten Vorwurf der Heimlichtuerei von sich. „Ich kann nur vertuschen, was ich weiß“, sagte er abschließend. Deshalb sei er der Ansicht gewesen, in der Werkausschusssitzung der vergangenen Woche sei dieser Vorwurf ausgeräumt worden. Dass ein stockender Informationsfluss nicht passieren dürfe, sei aber ebenso klar.

Seit November des vergangenen Jahres haben sich am Friedberger Krankenhaus immer wieder Fälle ereignet, in denen Mitarbeiter und sogar Patienten positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Seit Beginn des Infektionsgeschehens sollen es laut Angaben des Landratsamts bis 21. Januar 42 Fälle beim Personal gewesen sein.

Während Gesundheitsamtsleiterin Höper und Klinikchef Mayer noch in der Werkausschusssitzung des Kreistags keine Veranlassung gesehen hatten, ein konkretes Ausbruchsgeschehen zu benennen, bestätigte Höper am Montag, dass es tatsächlich ein solches gibt oder gegeben hat. Aus diesem Grund habe sie bereits am vergangenen Montag das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) verständigt. Seither haben mehrere Begehungen stattgefunden, die letzte am Sonntag.

„Wir werden nun gemeinsam die letzten Monate aufarbeiten, und es wird einen Abschlussbericht geben“, erklärte Höper. Eine genaue Auskunft zu den Infektionszahlen wollte sie erst dann geben, wenn der Bericht fertig ist. Dann, das sagte sie ebenfalls deutlich, werde der Bericht auch „transparent“ veröffentlicht.

Seit vergangenem Donnerstag schätzt Klinikchef Dr. Hubert Mayer die Lage als „hochdramatisch“ ein. Zwei Stationen stehen seit Sonntag unter Quarantäne, nachdem derzeit bei neun Mitarbeitern ein positiver Test vorliegt und bei dreien der Verdacht auf eine Infektion besteht. Das solle die Ausbreitung des Virus in der Klinik stoppen, betonte Höper. Eine Gefahr für Patienten, die in Friedberg behandelt werden, sehen übrigens weder sie noch Klinikchef Mayer. „Wir haben alle notwendigen Maßnahmen getroffen und beraten tagesaktuell über deren Anpassung“, sagte Dr. Hubert Mayer. Bei jedem Schichtwechsel an jedem Tag würden Mitarbeiter abgestrichen, zum Zeitpunkt der Pressekonferenz war dem Klinikchef überdies kein positiver Befund bei einem Patienten bekannt. „Unser Hygienekonzept war und ist ein gutes“, meinte Mayer, aber bei mehreren hundert Mitarbeitern sei „nun einmal eine Ansteckung“ möglich.

Gerade das Hygienekonzept der Kliniken an der Paar, warf Höper ein, hätte sie veranlasst, „formal keinen Ausbruch“ zu definieren. „Als ich von der Pflegedienstleitung auf vier gleichzeitig positive Laborbefunde hingewiesen worden bin [das war am 9. Dezember, Anm. d. Red.], wurde ich bereits darüber informiert, welche Maßnahmen getroffen werden und habe keine Veranlassung gesehen, einen Ausbruch zu definieren“, sagte die Gesundheitsamtschefin. Die Definition eines Ausbruchs stellt für die Behörde ein Instrument dar, Einrichtungen, die nicht kooperieren wollen, in die Pflicht zu nehmen. „Das war mein Versäumnis“, machte Höper klar. Die Kliniken aber hätten von vornherein alle notwendigen Maßnahmen getroffen.

Dass nicht alle Meldungen positiver Tests sofort ans Landratsamt gingen oder den übergeordneten Stellen gemeldet wurden, sei zudem den unterschiedlichen Meldewegen oder der Tatsache geschuldet, dass nicht alle Mitarbeiter der Klinik auch im Landkreis Aichach-Friedberg wohnen. Höper gab aber bekannt, dass die Situation an der Klinik umfassend aufgearbeitet werde. Landrat Klaus Metzger stellte klar: „Wir haben aus der misslichen Situation gelernt und wollen die Öffentlichkeit intensiv und unaufgeregt informieren.“ (Von Bastian Brummer)

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