Friedberger demonstrieren gegen die Müller-Schließung: "Wir wollen keine Geisterstadt"

"Friedberg braucht einen Drogeriemarkt". Die Kunden wollen nicht, dass Müller Anfang nächsten Jahres schließt und organisierten gestern Vormittag eine Demo vom Markt zum Rathaus. Foto: Alfred Haas

"Wo kriegen wir künftig unsere Kosmetika her?" Diese Frage könnte sich bald vor allem für ältere Bewohner der Friedberger Innenstadt stellen. Obwohl in allerbester Lage an der Ludwigstraße will der Drogeriemarkt Müller Anfang nächsten Jahres seine Kassen schließen, weil die Umsätze sinken. Nach Abzug der Miete, die angeblich 5600 Euro monatlich betrage, rentiere sich das Geschäft nicht mehr. Gegen die geplante Schließung wehren sich jetzt die Friedberger Kunden.
Gestern Vormittag demonstrierten 35 Menschen gegen die Müller-Pläne. "Unsere Innenstadt stirbt aus", "Wir wollen keine Geisterstadt" oder "Friedberg braucht einen Drogeriemarkt", stand auf den Schildern, mit denen sich die Demonstranten bewaffneten. "Die Stadt soll zwischen Mieter und Vermieter vermitteln", sagte die Organisatorin Manuela Koucky, die eine Schließung nicht tatenlos hinnehmen will. "Wenn es nicht klappt, haben wir es wenigstens versucht."
Unter Begleitung zweier Polizeibeamter zog die Truppe vom Drogeriemarkt zum Rathaus. "Ist der Markt erstmal fort, stirbt bald der nächste Laden hier am Ort", schrie eine Frau ins Megafon. Dazwischen dröhnte die Melodie des berühmten Italo-Western "Spiel mir das Lied vom Tod" aus einem Lautsprecher.
Auf dem Weg zum Rathaus passte Citymanager Thomas David die Demonstranten ab. Er sicherte den Frauen seine Unterstützung zu. Bürgermeister Roland Eichmann habe die Angelegenheit mittlerweile zur Chefsache erhoben, teilte er mit. Es habe auch schon Gespräche auf "sehr hoher Ebene" gegeben. "Es ist eine reine Geldsache", betonte David zur aktuellen Lage. Die Stadt machte der Firmenleitung die Bedeutung eines Drogeriemarkts für die Innenstadt deutlich. Hauptsächlich die älteren Bürger würden unter der Schließung leiden. Das sahen auch die Demonstranten so und wandten sich "gegen Märkte auf der grünen Wiese, die nur mit dem Auto zu erreichen sind". Sie wünschen sich hingegen "ein lebendiges Friedberg". Passend dazu waren wieder die quälenden Mundharmonikatöne des Western zu hören.
David kündigte weitere "intensive Verhandlungen" mit Mieter und Vermieter an und hofft, dass es vielleicht doch noch zu einer Einigung kommt. Das hoffen auch die acht Angestellten des Drogeriemarkts. "Wir wollen zusammenbleiben", betonte Herta Kindermann an der Kasse. Ansonsten würden sie getrennt jeweils an anderen Standorten eingesetzt. Seit 1996 gibt es den Müller an der Ludwigstraße. Und eine kleine Chance, dass das auch nach 2020 noch so ist, gebe es schon noch. Für Herta Kindermann wäre das "mein schönstes Weihnachtsgeschenk".

(von Alfred Haas)

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