Er ist Musiker, Reitlehrer, Tierfreund und Familienmensch

von Leserreporter Heike Schereraus Mering
Sebastian Frisch aus Friedberg hat für Augsburg, Friedberg und den FCA schon Lieder geschrieben. Beim Spazierengehen kommen ihm oft neue Ideen, die Melodien entstehen auf seinem Klavier.

Der Friedberger Sebastian Frisch ist ein Multitalent. Im Jahr 2011 schrieb er mit „FCA-Wir sind da!“ ein Lied zum Aufstieg in die erste Liga, drei Jahre später ein Lied zur 750-Jahr-Feier von Friedberg

Wenn Sebastian Frisch sein Lied „Gates to the heart“ auf dem Klavier vorspielt, hört man, wie die Pferde gerade über die Weide galoppieren. Er hat es sowohl mit deutschem als auch mit englischem Text zur Islandpferde-Weltmeisterschaft in Berlin im Jahr 2013 geschrieben und es ist ihm außerordentlich gut gelungen! Bereits im Alter von gerade einmal sechs Jahren interessierte sich der inzwischen 52-jährige Friedberger, der in Kissing aufwuchs, für die Musik. Später durfte er sogar mit so prominenten Bands wie BAP oder Spider Murphy Gang spielen und einige Auftragslieder komponieren. Den Lebensunterhalt für sich, seine Frau und die vier Kinder verdient er aber mit dem Islandpferdehof Lechleite, den er sich vor 30 Jahren mit seiner Frau aufgebaut hat. Dort erteilt er Reitunterricht für Erwachsene, züchtet und bildet Pferde aus, macht den Hufbeschlag und die Werbung. Auch heilpädagogisches Reiten, Kindergeburtstage und Turniere mit bis zu 350 Teilnehmern finden auf dem Hof statt. Trotz der vielen Arbeit lässt ihn die Musik aber nicht los. Er komponiert bereits neue Songs für ein Soloprogramm. 50 bis 70 Lieder habe er komponiert, den ersten im Alter von 13 Jahren. Besonders wichtig sind ihm dabei die Texte. Oft habe er bei Spaziergängen, durch ein Gespräch oder eine Nachricht in Zeitung oder Fernsehen eine neue Idee, die er sich auf seinem Handy notiert. Ein Lied sei für ihn wie ein Baby, das eine gewisse Zeit benötigt, bis es dann endlich fertig und gut ist.

Sein ursprünglicher Lebensplan war es, seiner Mutter in die Schauspielerei nachzufolgen. Er erträumte sich eine Karriere mit Film, Theater und Musik. Der Wunsch entstand in frühester Jugend, als er seine kreative Ader entdeckte. Deshalb besuchte Sebastian Frisch nach dem Abitur die Schauspielschule in München. Aber es kam doch anders: er heiratete im Alter von 23 Jahren und wurde bald zum ersten Mal Vater. Als Schauspieler hätte er einen steinigen Weg mit vielen Castings vor sich gehabt und nicht an einen Ort gebunden sein dürfen, erklärt er. In der Nähe ergab sich leider nicht gleich eine Möglichkeit, als Schauspieler eine Anstellung zu bekommen. Er baute sich mit seiner Frau Veronika den Island-Pferdehof Lechleite am Ortsrand von Friedberg auf und bildete sich zum staatlich anerkannten Pferdewirtschaftsmeister weiter. „Wenn man das Wort Beruf im Sinne von Berufung versteht, tue ich ausschließlich Dinge, die mich erfüllen und mir Spaß machen“, verrät er. Dazu zählt für ihn natürlich weiterhin die Musik.

Sein erstes Instrument war das Klavier. Jede Woche hatte er eine Stunde Unterricht bei einer ehemaligen Konzertpianistin in Starnberg, die ihn künstlerisch sehr prägte, sagt er. Im Alter von 13 Jahren wollte er die weiten Fahrten nicht mehr auf sich nehmen und begann mit Schlagzeugunterricht in Augsburg. Heute bereut er es, dass er das Klavier so früh aufgab. Frisch spielte in verschiedenen Augsburger Bands wie Eulenspiegel (Gesang 1984 – 1987); Rio (Schlagzeug, 1995 – 1987); Hagen (Gesang 1987 – 1989), Sebastian Frisch und sonst nix (Gesang 1991 – 1995), No Limit (Coverband Schlagzeug und Gesang 1993 – 1995). Frantic Club (Schlagzeug 1991 – 1994), Frieder Kommt (2008 – 2012), Wo is‘ Kai? (2013 – 2017).

Als Jugendlicher war er ein großer BAP Fan und beschäftigte sich mit den Texten von Wolfgang Niedecken. Das ebbte 1987 ein wenig, dann stark ab. Trotzdem beobachtete er weiter, was die Band tat. Im Jahr 2016 bekam er zufällig den Zuschlag für ein Wohnzimmerkonzert. Im Rahmen dieses Konzertes in seinem Hause freundete er sich mit Wolfgang Niedecken an und musizierte mit ihm. Kurze Zeit später wurde er von ihm eingeladen, in Gersthofen einen Song mit seiner Band zu performen. Der Kontakt besteht weiterhin. Den Musiker Rio Reiser lernte er an Weihnachten 1989 in einem kleinen Theater in Hamburg kennen, als er einen Popkurs an der Hamburger Musikhochschule absolvierte. Ein Jahr später besuchte er den Musiker und komponierte mit ihm, aber es gab keine Veröffentlichungen. Bei einem Konzert der Spider Murphy Gang in Friedberg im Jahr 1995 durfte Sebastian Frisch im Vorprogramm auftreten. Sein damaliges Management hatte das Konzert organisiert, damit verbunden war auch eine kurze Zusammenarbeit mit der Band Münchner Freiheit. Purple Schulz sei auf seinen Song „Leer“ auf YouTube aufmerksam geworden und fragte nach, ob er ihn in der Sendung „Songpoeten“ auf WDR vorstellen dürfe. Dieses Lied, das über den ausgefüllten Tag eines Menschen, der sich innerlich leer und ausgebrannt wie ein Heißluftballon fühlt, fand auch Gefallen beim Bayern 3-Moderator Matthias Matuschik.

Aber wie kam Sebastian Frisch zu der Ehre, „Hymnen“ schreiben zu dürfen? „Ich hatte mit der Band „Frieder kommt“ Langeweile im Probenraum und schlug vor, einen Song für den FCA anlässlich seines Aufstiegs in die erste Bundesliga zu schreiben“, verrät er. Obwohl er und seine Kollegen keine Fußballfans waren, hatten sie den Song nach zwei Stunden fertig und nahmen ihn eine Woche später im Studio auf. „Über Facebook erfuhr Stadionsprecher und RT1-Moderator Rolf Störmann davon. Fans und der Radiosender waren begeistert!“ erinnert sich der Musiker. Zwei Jahre später fragte RT1 an, ob er auch ein Lied für Augsburg schreiben würde. Da er gerade keine Band hatte, nahm er das Angebot gerne an und komponierte, schrieb und arrangierte den Song für Augsburg und produzierte ihn allein in einem Münchner Studio. „Die Instrumente spielte ich alle selbst“, erinnert er sich. Nach der Islandpferdeweltmeisterschaft in Berlin im Jahr 2013 entstand die Band „Wo is‘ Kai“, die den Friedberg Song im Jahr 2014 zur 750-Jahr-Feier produzierte. Inzwischen hat sich die Band aufgelöst und Hymnen oder Auftragsarbeiten möchte Sebastian Frisch künftig nicht mehr übernehmen. Seine letzter Auftrag war außerdem ein trauriger Anlass: eine Freundin, die an Krebs erkrankt war und bald sterben würde, wünschte sich ein Lied für ihre Beerdigung, das er live spielen sollte. Derzeit beschäftigt er sich mit neuen Liedern. Sein Plan ist es, ein Soloprogramm am Klavier zu erstellen. Um auch Musik in einer Gruppe beizubehalten, hat er den Platz des Bassisten in einer Augsburger Cover Band angenommen.

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