Pädagogisches Herzblut und Blick für Wirtschaftlichkeit

Die neue pädagogische Geschäftsführerin Doris Stadler an der Hauschronik, die auf eine mehr als 160-jährige Tradition des Kinderheimvereins hinweist.

Doris Stadler hat beim Kinderheimverein Friedberg die Stelle als pädagogische Geschäftsführerin angetreten.

Nach 23 Jahren beendete Gudrun Keller-Buchheit ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin des Kinderheimvereins Friedberg und wechselte zum Hessing-Förderzentrum in Augsburg. Der Kinderheimverein ist eine feste Größe in Friedberg und wuchs in den vergangenen Jahren von 65 auf fast 170 Mitarbeiter. Neue Kindertagesstätten wurden eröffnet, das Kinderheim machte Außenwohngruppen auf, kümmert sich um junge Flüchtlinge und Aufgaben wie die ambulante Betreuung von Familien oder die Jugendsozialarbeit an Schulen kamen hinzu. Auch die Pädagogik hat sich stark verändert. Nachfolgerin als pädagogische Geschäftsführerin ist nun Doris Stadler.

Die 44-jährige Inchenhofenerin arbeitete in den vergangenen 13 Jahren im Landratsamt Aichach-Friedberg als pädagogische Fachberatung und Fachaufsicht für Kindertagestätten des Landkreises. „Jetzt habe ich die Seiten gewechselt“, sagt sie. Sieben Kindertagesstätten betreibt der Kinderheimverein, dessen Wurzeln auf eine 1845 gegründete Suppenanstalt und Kinderbewahrschule zurückgehen. Das Wohl von Kindern und Jugendlichen steht immer noch im Zentrum aller Vereinstätigkeiten. 45 Kinder und Jugendliche von vier bis 18 Jahren werden in fünf Gruppen im heilpädagogischen Kinderheim in der Hermann-Löns-Straße begleitet und unterstützt. „Für mich ist es nun zunächst wichtig, alle Mitarbeiter kennenzulernen“, betont Doris Stadler. Ein Gespräch mit den jungen Bewohnern im Kinderheim gab es schon im Rahmen einer Kinderkonferenz, die Kinderheim-Leiter Jürgen Hammer moderierte. Auch für die Hobbys der neuen pädagogischen Leiterin wie das Theaterspiel bei den Leahada Theaterfreunden in ihrem Heimatort Inchenhofen und das Singen im Kirchenchor sowie die Stubnmusik interessierten sich die Kinder.

So vielfältig wie ihre Hobbys ist auch der berufliche Werdegang der neuen Geschäftsführerin. Nach einer Ausbildung zur Bürokauffrau absolvierte sie eine weitere zur Steuerfachangestellten und arbeitete drei Jahre in einer Kanzlei. Durch die Jugendarbeit in der Pfarrgemeinde fand sie Interesse am Studium der sozialen Arbeit, das sie an der Universität Eichstätt absolvierte. Es folgten Praktika im Jugendamt und in einer heilpädagogischen Tagesstätte der Lebenshilfe Aichach. Die erste Stelle nach ihrem Studium trat Doris Stadler bei einem Bildungsträger an und unterrichtete drei Jahre lang Jugendliche in ihrem berufsvorbereitenden Jahr. Anschließend folgte dann die über zehnjährige Tätigkeit im Jugendamt Aichach-Friedberg. „Ich profitiere aus all diesen Bereichen und kann nun alles einbringen, was ich gelernt habe. Meine Berufserfahrung nehme ich als großen Schatz mit in meine neue Tätigkeit“, sagt Doris Stadler. Im Kinderheimverein ist auch der kaufmännische Geschäftsführer Richard Schulan froh, dass seine neue Kollegin nicht nur eine hochqualifizierte Pädagogin ist, sondern auch einen geschärften Blick auf wirtschaftliche Belange hat. „Den Zwiespalt zwischen Gesetzeserfüllung und Wirtschaftlichkeit und pädagogischem Herzblut kenne ich nur allzu gut“, sagt Doris Stadler. Kinder und Jugendlichen stehen bei der Arbeit des Kinderheimvereins im Mittelpunkt, aber auch die Elternberatung sei enorm wichtig, erklärt die Fachfrau. Ein verändertes Familienbild mit oftmals zwei in Vollzeit berufstätigen Eltern lasse die Familien frühzeitig auf außerfamiliäre Betreuungsformen zurückgreifen. Der Bedarf an Kita-Plätzen in Friedberg ist daher groß. In Planung ist auch ein Familienstützpunkt für niederschwellige Beratung, der vierte im Landkreis. Bei allen Plänen ist der Fachkräftemangel eine Riesenproblematik, von der alle Träger betroffen sind. „Wir pflegen deshalb einen guten Kontakt zu den Fachakademien und nehmen Berufspraktikanten auf“, sagt Doris Stadler. Weitere Kita-Plätze zu schaffen ist nun auch ein Teil ihrer Aufgabe als Vorständin. Der Kinderheimverein Friedberg ist derzeit mit der Stadt im Gespräch über eine weitere Kita an der Bozener Straße. Zu Beginn dieses Kindergartenjahrs ging in Herrgottsruh auch ein Interimskindergarten in Containern in Betrieb. (ike)

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