Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz besichtigt geplante Trasse der Osttangente

von LeserReporter Wolfhard von Thienen aus Mering

Besuch der Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz (2. von rechts) bei den Osttangentengegnern in Mering
 

Osttangente wird mit Hochdruck geplant

Die Grüne Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz aus Neu-Ulm machte sich vor Ort ein Bild von der geplanten Osttangente - Die Osttangente soll eine autobahnähnliche Schnellstraße zwischen der B17 bei Oberottmarshausen und der A8 bei Derching werden. Sie wird aktuell mit Hochdruck vom staatlichen Bauamt geplant und wird nach Fertigstellung wichtige Naherholungs-, Naturschutz-, und Wasserschutzgebiete entlang des Lech durchschneiden. Gegen sie richtet sich seit Bekanntmachung der Pläne großer öffentlicher Widerstand. Es wurde das parteiübergreifende Aktionsbündnis Keine Osttangente - AKO gegründet, um die Straße zu verhindern. Dem Bündnis gehören unter anderem die Grünen, die ÖDP, die Unabhängigen, sowie einige Naturschutzverbände wie der Bund Naturschutz, die Bayerische Botanische Gesellschaft und die Aktionsgemeinschaft Lebensraum Lechleite an.

Mobilitätswende bedeutet weg vom Auto und hin zur Bahn

Die Aktionsgemeinschaft führt laufend Gespräche mit Politikern aller Parteien und freute sich, diesmal bei recht kaltem Wetter Ekin Deligöz zu Gast zu haben. Frau Deligöz, die sich, als schwäbische Bundestagsabgeordnete intensiv mit der Verkehrssituation in Schwaben beschäftigt, wies darauf hin, dass die aufs Auto fixierte Verkehrspolitik der CSU für viele Probleme verantwortlich sei. Durch die Autofixierung wird u. a. verhindert, dass wir eine gut ausgebaute Bahn haben, anders als z.B. unsere Nachbarländer Österreich und Schweiz.  In ihren Augen verfolgt die CSU die Vision, überall in Bayern noch mehr Straßen und noch mehr Industrie-, Gewerbe- und Logistikzentren anzusiedeln. Aus ihrer Sicht muss dies beendet werden und wir müssen dringend Alternativen schaffen, die verstärkt auf Bahn, öffentlichen Nahverkehr und Fahrrad setzen. Im Endeffekt entstünde durch Straßenbau mehr Autoverkehr, damit auch weitere Staus, abgesehen von den ganz erheblichen Klima- und gesundheitsbelastenden Effekten. Besonders in unserer Region als Logistikschwerpunkt sei es dringend erforderlich, jedes Logistikzentrum wieder mit einem Bahnanschluss auszustatten anstatt noch mehr Straßen und LKW-Parkplätze zu bauen.

Kommunalpolitiker müssen ein gemeinsames Mobilitätskonzept entwickeln

Deligöz betonte, dass es notwendig sei, dass alle Regionalpolitiker gemeinsam die Verkehrskonzepte der Zukunft im Interesse der hier lebenden Menschen erstellen anstatt sich dies von IHK und der mit ihr verbandelten Politik einseitig vorschreiben zu lassen. Als Positivbeispiel wies sie darauf hin, dass sich in Baden-Württemberg die Bürgermeister der Regionen zusammengetan haben, gemeinsam die Verkehrsziele ihrer Region definiert haben und dabei verstärkt auf öffentlichen Nahverkehr und Bahn gesetzt haben. Mit diesen konkreten Zielen und eigenen Priorisierungen sind sie dann in die Verhandlungen mit dem Bundesverkehrsministerium getreten, als die Projekte für den Bundesverkehrswegeplan 2030 definiert wurden. Ganz anders sei man in Bayern vorgegangen. Hier wurde den Regionalpolitikern versprochen, alles an Straßen aufzunehmen und zu finanzieren, was sie sich wünschen. Die Folge ist, dass Bayern sehr viel mehr Straßenprojekte als jedes andere Bundesland bekommen hat und der Ausbau der Bahn und deren Elektrifizierung stagnieren.

Osttangente schafft Probleme in Friedberg, Kissing und Mering

Frau Deligöz bekam Gelegenheit verschiedene Abschnitte der geplanten Osttangente zu besichtigen. In Friedberg schilderten ihr die beiden Stadträtinnen Claudia Eser-Schuberth und Marion Brülls, dass hier demnächst eine autobahnähnliche Schnellstraße den Ortsteil Friedberg-West komplett vom Ortszentrum abschneiden wird und ein riesiger Kreisel viele Kleingartenanlagen verdrängen wird. Wichtige Erholungsgebiete wären betroffen und eine für Augsburg wichtige Frischluftschneise wäre kontaminiert und vom Verkehrslärm betroffen.

In Kissing konnte sie sich einen Eindruck davon verschaffen, dass dort demnächst in unmittelbarer Ortsrandlage die oft auch als Lechautobahn bezeichnete Straße mit täglich mehr als 35.000 Fahrzeugen hindurchführen wird. Der vorherrschende Westwind wird dann Lärm und Abgase in den Ort tragen. Johannes Hofberger als Vertreter des Bund Naturschutz vor Ort sagte, dass viele Kissinger glaubten, sie würden lediglich eine harmlose Ortsumfahrung erhalten. Ihnen ist bisher nicht bewusst, dass die Lechautobahn keine Entlastung, sondern deutlich mehr Verkehr, Abgase, Lärm und Verlust von Naherholungsgebieten am Lech bedeuten würde. Aus Sicht des Bund Naturschutz sei es besonders schlimm, dass die wertvollen Naturschutzgebiete Kissinger Heide und Kissinger Bahngruben durch die Straße bedroht seien.

Am Park & Ride in Mering St. Afra konnte sich Frau Deligöz dann über den Verlauf der Osttangente, westlich von Mering überzeugen. Die Marktgemeinderätin Petra von Thienen wies auf das neue Gewerbegebiet hin. Man habe mit viel öffentlichem Widerstand verhindern können, dass sich hier im Zuge der Osttangente ein Großlogistiker ansiedelt. Noch mehr Verkehr und die Verschandelung des Ortsbildes wären die Folge gewesen. Statt dessen sind jetzt auch viele der ehemaligen Befürworter froh, dass das Gewerbegebiet für Klein- und Mittelstandsbetriebe aus dem Ort und der Region entwickelt wird.

Der Natur- und Erholungsraum Lechfeld droht zunehmend industrialisiert zu werden

Wolfhard von Thienen, Sprecher des Aktionsbündnisses befürchte eine Industrialisierung des Lechfeldes, denn wenn Autobahnen gebaut werden, dann entstünden auch sehr schnell links und rechts davon neue Industrie- und Gewerbeparks. Dies gelte es unbedingt in dem ohnehin bereits stark betroffenen Lechfeld zu verhindern.

Bundesverkehrswegeplan muss überarbeitet werden

Er bedankte sich für den Besuch der Bundestagsabgeordneten und die Unterstützung der Grünen. Er verknüpfte mit dem Besuch den Wunsch, dass sich die Grünen im Bundestag für die dringend erforderliche Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplanes einsetzen. Außerdem sollten sie den Verzicht auf den Bau von Straßen wie die Osttangente auch in eventuelle Koalitionsverhandlungen einbringen.

Der Abschluss des Besuches fand im im Cafe Seelenzeit in Mering bei Tee und Kuchen statt. Hier schilderte Frau Deligöz eindrucksvoll, wie sehr sie als türkischstämmige Politikerin den Anfeindungen von rechts ausgesetzt sei und wie sehr sich die Stimmung und der Umgang im Bundestag durch die AfD verschlechtert habe. Umso wichtiger sei es jetzt, dass alle demokratischen Kräfte zusammen stehen und klar Position gegen rechts beziehen.

Hinweis: Der Autor ist Sprecher des Aktionsbündnis Keine Osttangente - AKO

 

Kommentare

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Beitrag von LeserReporter: Türk Herbert
04. März 2020 - 20:26

Also irgendwie sehe ich die Grünen immer mit Fahrrad auf den Fotos, aber total widersprüchlich dazu, finde ich ist die unsportliche Figur die sie abgeben.

 


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