Eröffnung der Ausstellung "IMMER TUN"

von LeserReporter Gabriele Gruss-Sangl aus Gersthofen

Barbara Auer, Henriette Macalik und Johanna Schreiner stellen, organisiert durch den Kulturkreis Gersthofen, im Rathaus Gersthofen vom 21.09. bis 05.11.2020 gemeinsam aus.

Faszination und außerordentliches Gespür für Figur, Mensch, Bewegung - das formt den thematischen Schwerpunkt bei allen drei Künstlerinnen in dieser Ausstellung.

Zarte Linien, zerbrechlich, schwerelos, eingefangen oder frei schwebend und - sehr expressiv!

Das ist der erste Eindruck. Der Betrachter wird augenblicklich in den Bann seiner Vorstellungen und Assoziationen gezogen:

75 Papierarbeiten, Zeichnung, Radierung, Siebdruck, Linolschnitt, Monotypie.

 

Was steht hinter allem "TUN"? Was treibt es an?

Für Barbara Auer persönlich bedeutet es "positive Aktivität", bei ihr mit dem Schwerpunkt Kunst und Sport.

Nicht zufällig sind es Frauen in ihren Werken, die "in Bewegung bleiben, sich weiter entwickeln, etwas schaffen".

Das Leben ihrer Mutter, später Frauen auf Reisen in Afrika, deren traditionelle Tätigkeiten ihre Familien am Leben erhalten. Diese Erfahrungen haben die Künstlerin früh und immer wieder geprägt.

Gebeugt vom "Tun": Eine der Frauengestalten arbeitet zum Boden gewendet, mit tiefgesenktem Oberkörper. Eine Skizze, mit feinen Strichen angedeutet. In der differenzierten Variation, einer Radierung, versucht der Betrachter, in ihrem Gesicht zu lesen, nach innen zu spüren.

Die verschobenen Proportionen und Asymmetrien bauen Spannung auf, lassen die Tätigkeit überaus plastisch werden...

Eine Arbeit in hellem, breitem Gelb - die Andeutung einer Grundform des Tuns, kleiner Kopf, breite Schultern, kraftvolle "Arme". Dabei völlige Entpersonalisierung.

Barbara Auer arbeitet konzentriert "in einem Guss", mit Bleistift, Tusche oder Fineliner, mit ihrer Begeisterung für handwerkliches Tun auch in der Radierung und im Siebdruck.

Ihre abstrakten Druckwerke lassen Impulse von allen Seiten eingreifen, schwere Blöcke, Aneinandergereites, Gebündeltes und plötzlich ausbrechende Formen, die große Spannungssituationen schaffen - und damit Motivation zur weiteren Arbeit!

 

Für Henriette Macalik beginnt ihre Arbeit mit der Figur. Sie ist Orientierung, Korrektur, Herausforderung, Motivation und weiterführende Kraft zusammen.

In der Kombination von Monotypie und Linolschnitt ist es der Künstlerin möglich, mit Zeichnung, Linie, Strich, Streuung, Auflockerung oder Bündelung eine Verbindung zur Fläche herzustellen, Räumlichkeit zu entwickeln und auf diese Weise zahlreiche Variationen um einen Schwerpunkt herum zu erarbeiten.

Einzelne kleine Kraftakte, die genau betrachtet werden wollen, werden aneinandergefügt und analysiert, verdichtet.

Sie wachsen in die Höhe, spiegeln sich nach unten, bis sie zu einem Ganzen werden.

"Mal drunter, mal drüber", "In diesem gegenwärtigen Augenblick", "Wenn das Ungefähre bleibt" - so Titel ihrer Arbeiten.

Farbe kontrastiert, kraftvolle Formen teilen das Bild, bewirken Orientierung der Figuren, bündeln die feinporige, zarte Farbverteilung in den Liniengeflechten in einem Balken, der nun klar ordnend Akzente zu setzen vermag.

 

Johanna Schreiners Arbeiten sind während einer Reihe "Performances", Tanzvorführungen entstanden.

Ein Tänzer inszeniert jeweils für einige Tage Vorführungen, die die Künstlerin, thematisch völlig unvorbereitet, währenddessen spontan zeichnend begleitet.

Dieser Vorgang spielt sich gestisch schnell, im Ablauf prozesshaft, ab und vernetzt malerisch-graphische Elemente, bezieht sie aufeinander, Linie wird zur Fläche. Das Ergebnis wird anschließend nicht bearbeitet.

Mit oft wenigen, zügig eingesetzten Strichen (Rohrfeder, Tusche und Bleistift) entsehen Figuren von außergewöhnlicher Leichtigkeit, zumal der Tanzende ununterbrochen in Bewegung ist.

Werke von großer Ausdruckskraft fangen den unmittelbaren Augenblick ein.

Acryl ist die Farbe für diese Arbeitsweise, muss doch spontanen Reaktionen der Künstlerin Raum gegeben werden.

Weiche Farbschleier unterstreichen das Fließen der Bewegung, kräftige Striche dagegen betonen die Unveränderlichkeit von Objekten ("Absurde Figuren"). Es sind zurückgenommene Farbklänge, sparsam eingesetzt, Bewegung, Rhythmus und Ausdruck herauslösend, Freude, Trauer, Liebe...

Es gibt in der Ausstellung einige größere Arbeiten der Künstlerin auf Papier, Akte, Ausschnitte des menschlichen Körpers, Grafitzeichnungen.

Diese Technik schafft Volumen und Plastizität, das einfallende Licht verleiht dem Material noch mehr Glanz und Tiefe, der Körper beginnt zu leben.

 

Der Besucher der Ausstellung wird vielleicht nachdenklich werden - was treibt sein Tun an? Sind es äußere Zwänge? Bedürfnisse und Leidenschaften, die tief aus dem Inneren ihn selbstbestimmen?

So trifft die Ausstellung ins Herz unserer aufgewühlten Gegenwart.

 

Führungen: Do 24.09.2020, 16.00 Uhr, Johanna Schreiner,   Do 08.10.2020, 16.00 Uhr, Barbara Auer,   Mo 26. 10.2020, 10.00 Uhr, Henriette Macalik.  Anmeldung bitte unter 01716430744

Rathaus Gersthofen: 21.09. - 05.11.2020

Öffnungszeiten: Mo 8-12 und 13.30-16.30 Uhr

                          Di  8-12 Uhr,  Mi  8-13 Uhr

                          Do 8-12 und 13.30-18 Uhr

                          Fr  8-12 Uhr

 

 

 

 

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