Region: Augsburger Land

Eine Schule geht an die Börse: Internationale Schule Augsburg will erste "Bildungsaktien" Deutschlands anbieten

(Symbolbild)

Die "International School Augsburg" will in diesem Frühjahr als erste Schule in Deutschland den Schritt an die Börse wagen.

An der International School Augsburg (ISA) in Gersthofen lernen viele Kinder von Familien, die aufgrund ihres Berufs aus anderen Ländern in die Region ziehen. Der Unterricht findet in Englisch statt, doch die Kinder und Jugendlichen lernen auch Deutsch und können ihre Muttersprache in bestimmten Unterrichtsangeboten weiter nutzen. Am Ende ihrer Schulausbildung erlangen sie die international anerkannte Hochschulreife oder Mittlere Reife. Die International School ist damit auch für den Wirtschaftstraum Augsburg und München ein bedeutender Faktor, wenn es um den Gewinn ausländischer Fachkräfte geht. Seit 2016 setzt die Schule auf den Verkauf von Aktien an Eltern oder regionale Unternehmen. In diesem Jahr soll nun der nächste Schritt erfolgen: Die ISA geht an die Bayerische Börse.

Man sei damit die erste Schule in Deutschland, die diesen Schritt wagt, und "die erste Bildungsaktie auf dem deutschen Kapitalmarkt", heißt es von den Verantwortlichen. Durch den Börsengang will die Schule vorerst vor allem einen neuen, modernen Campus finanzieren. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Augsburg und der Arbeitsgruppe "Transformationsdesign" wolle man eine Schule entwickeln, "auf die die Aktionäre stolz sein können". Von diesem Schritt sollen aber nicht nur die Schüler profitieren. Auch für die Wirtschaftsförderung der Region sei die Internationale Schule wichtig. Profitieren würden deshalb auch namhafte Firmen, der Augsburger Innovationspark, der Spitzensport oder das neue Universitätsklinikum.

Ehemalige Schüler werden zu Aktionären

Bereits im vergangenen Jahr konnte die Schule 322 Aktionäre verzeichnen. Einen Teil von ihnen machen auch die ehemaligen Schüler der ISA aus. Denn jeder Schüler, der an der Augsburger Schule seinen Abschluss macht, erhält damit auch eine Beteiligung an der Schule. Im Schuljahr 2019/20 kamen dadurch zum Beispiel 37 neue Aktionäre hinzu. Auch diese besondere Bindung der Alumni an ihre Schule sei ein Grund für die Entscheidung gewesen, die ISA zu einer Aktiengesellschaft zu machen. Auf diese Weise würden alle Absolventen "zu Miteigentümern ihrer Schule". Gleichzeitig investieren bislang vor allem Eltern und Unternehmen aus der Region in die ISA.

Da es sich bei der Schule um eine gemeinnützige Aktiengesellschaft handelt, schüttet diese keine Dividenden aus. Als reiner Sachwert habe die ISA-Aktie aufgrund der positiven Entwicklung der Schule und des Unternehmenswertes aber ein großes Potential, glaubt die Schule. Zu Beginn kostete eine Aktie der Schule 100 Euro. Inzwischen sind diese wohl rund 370 Euro wert. "Wir sind mit der wirtschaftlichen Entwicklung der ISA angesichts der Herausforderungen durch Corona zufrieden", sagte Marcus Wagner, Direktor für Business und Finance, auch im Rückblick auf das vergangene Schuljahr.

Letztendlich stehe bei einer Bildungsaktie allerdings nicht das Handelsvolumen im Vordergrund, sondern die ideelle Verbundenheit mit einer Bildungsreinrichtung in der Region. Durch eine Investition in die Schule würden Unternehmen und Institutionen in der Region Verantwortung übernehmen für die positive Entwicklung der Schule in der Zukunft. Womöglich könne der geplante Börsengang auch einen Welleneffekt auslösen und zu mehr privaten Investitionen in die Bildung führen. Im Frühjahr dieses Jahres soll es bei der International School soweit sein. (lat)

Über die ISA

An der International School Augsburg lernen aktuell rund 345 Schüler, von denen rund 50 Prozent einen internationalen Hintergrund haben. Die Schule beschäftigt insgesamt 57 Lehrer und verspricht kleine Klassen. Gegründet wurde die ISA im Jahr 2005, um im Wirtschaftsraum Augsburg und München eine Schule nach internationalen Bildungsstandards anzubieten. So soll der akademische Bildungsweg von Schülern sichergestellt werden, die mit ihren Familien aus anderen Ländern in die Region ziehen. Um die Muttersprache der Kinder zu erhalten, bietet die ISA aktuell Sprachunterricht in Japanisch, Spanisch, Russisch, Italienisch, Französisch, Polnisch, Arabisch und Chinesisch an. Das Angebot der Schule hat allerdings auch seinen Preis: Die jährlichen Schulgebühren an der privaten Schule betragen je nach Jahrgangsstufe zwischen rund 13 000 und 16 000 Euro. 

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