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Abschied von Thomas Düll im BKH Günzburg: "Teamplayer mit Weitblick und Gestaltungskraft"

Der scheidende Vorstandsvorsitzende Thomas Düll (vorne Mitte) im Kreise aktueller und ehemaliger Führungskräfte des Bezirkskrankenhauses Günzburg: (von links) Professor Bernhard Widder, Georg Baur, Professor Hans-Peter Richter, Manfred Nölp, Professor Gerhard Hamann, Professor Manuela Dudeck, Professor Thomas Becker, Professor Bernd Schmitz, Professor Christian Rainer Wirtz und Wilhelm Wilhelm.

Abschied

Würde es die Corona-Pandemie nicht geben, wäre bei einer solchen Veranstaltung der Festsaal des Bezirkskrankenhauses (BKH) Günzburg vollbesetzt und die Mitarbeitenden würden sich die Türklinke in die Hand geben. So aber war zur Verabschiedung von Thomas Düll der Festsaal wegen der Abstands- und Hygieneregeln nur spärlich besetzt, außer den geladenen Gästen durfte gar niemand kommen, wie die Bezirkskliniken nun in einer Pressemitteilung informierten. Die Zahl jener, die den Vorstandsvorsitzenden der Bezirkskliniken Schwaben in kurzen Redebeiträgen würdigten, war dennoch groß. Sie erhöhte sich sogar noch. Denn außer den acht geplanten Rednern baten zwei ehemalige Ärztliche Direktoren kurzfristig darum, zusätzlich ein paar Worte an jenen Mann richten zu dürfen, dessen Vertrag am 31. Januar 2021 ausläuft und der die Kliniken seit mehr als 23 Jahren geleitet und entwickelt hat.

Einer davon war Professor Hans-Peter Richter, der ehemalige Ärztliche Direktor der Klinik für Neurochirurgie am BKH Günzburg. Richter, der am 1. Januar 1974 als Assistenzarzt in der Neurochirurgie begann, bezeichnete sich als „Fossil, das vor Ihnen steht“. Als der älteste der ehemaligen Direktoren wisse er speziell um die Verdienste Dülls bei der engen Kooperation mit der Universität Ulm. „Als 2008 die Bezirkskliniken Schwaben als Kommunalunternehmen gegründet wurden, gab es vonseiten der Uni Ulm Pläne, das Band zum BKH Günzburg zumindest hinsichtlich der Neurochirurgie zu durchtrennen. Heute ist die Verflechtung zwischen beiden enger denn je“, sagte Richter. Der scheidende Klinikmanager könne mit großer Zufriedenheit auf ein großes Werk blicken und stolz auf das Erreichte sein – „es ist wirklich groß“, fügte Richter, der sich längst im Ruhestand befindet, hinzu.

Nach Meinung von Professor. Bernhard Widder, ehemaliger Ärztlicher Direktor der Klinik für Neurologie und Neurologische Rehabilitation in Günzburg, hat Thomas Düll aus den Bezirkskliniken Schwaben das gemacht, was sie heute sind. Er, Widder, habe Düll stets als sachlichen, nie nachtragenden Teamplayer erlebt. „Unter den vielen Geschäftsführern und Klinikmanagern stachen Sie ganz wesentlich hervor“, so Widder.

Dieser Meinung ist auch Professor Gerhard Hamann, Widders Nachfolger. Er habe in seiner 35-jährigen beruflichen Tätigkeit schon viele kaufmännische Geschäftsführer, Verwaltungsleiter und Manager kennenlernen dürfen. „Aber keiner reicht an Sie heran“, sagte der Ärztliche Direktor der Günzburger Neurologie. Düll sei der nachhaltigste, erfolgreichste und klügste Chef eines Klinikverbundes, den er kenne, so Hamann. Für Professor Manuela Dudeck ist der scheidende Vorstandsvorsitzende schlicht „ein Vorbild“. „Mit Ihrem psychiatrisch-psychotherapeutischen Wissen, das Sie sich als Jurist angeeignet haben, haben Sie manche Kollegen vom Fach blass aussehen lassen“, stellte die Ärztliche Direktorin der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie fest.

Düll sei immer hinter und neben den 1500 Beschäftigten am Standort Günzburg der Bezirkskliniken Schwaben gestanden, sagte der Leitende Ärztliche Direktor Professor Thomas Becker. Anhand eines Vergleichs mit dem Bert-Brecht-Gedicht „Fragen eines lesenden Arbeiters“ habe sich Düll nie über die Seinen gestellt, sondern aus ihrer Mitte heraus geleitet. Pflegedirektor Georg Baur verglich Düll mit einem Spielertrainer beim Fußball: Er habe stets eine gute Mannschaft aufgestellt, wollte aber immer selber mitspielen. „Sie waren ein guter Spieler“, so Baur, „und es hat Freude gemacht, mit Ihnen zusammen zu spielen“. Auch der dritte Vertreter der örtlichen Krankenhausleitung, Regionalleiter Wilhelm Wilhelm, dankte Düll für die „äußerst erfolgreiche Zeit“. Hinter jeder Person, die sich hier im Festsaal befinde, stünden unzählige Mitarbeitende, „die Ihnen Dank sagen wollen“, so Wilhelm.

Als Professor Rainer Wirtz vor zwölf Jahren nach Günzburg kam, habe er sich „in ein gemachtes Nest“ setzen können: Die Klinik für Neurochirurgie war personell und medizintechnisch bestens aufgestellt. Direkt nach seinem Dienstbeginn wurde die Brainsuite als hoch-innovativer Operationssaal eingeweiht, so Wirtz. Düll habe die Neurochirurgie stets unterstützt, stellte der Ärztliche Direktor fest. Was keinesfalls selbstverständlich ist, gilt dieses medizinische Fach doch eher als „Exote“ innerhalb des Gesundheitsunternehmens. Wirtz: „Dafür, dass Sie die Neurochirurgie so gefördert haben und dies mit einem solchen Weitblick, mein ganz herzlicher Dank.“

Ähnliches kann Professor Peter Möller, der stellvertretende Ärztliche Vorstand des Uniklinikums Ulm, über sein Fach berichten. „Dass es hier in Günzburg eine so gute Neuropathologie gibt, ist Ihr Verdienst“, sagte der Ärztliche Direktor des universitären Instituts für Pathologie, der zugleich Chefarzt der Pathologie am BKH Günzburg ist. Über 20 Jahre habe es keine Probleme gegeben, er, Möller, habe stets alle seine Aufgaben erledigen können. Manfred Nölp, der Leiter des am BKH verorteten Dienstleistungs- und Logistikzentrums (DLZ) der Bezirkskliniken, arbeitet seit 23 Jahren mit Thomas Düll zusammen. „Es war eine lehrreiche Zeit, ich konnte viel von Ihnen lernen“, sagte er. Düll sei stets ein Spielführer und ein Steuermann gewesen, der das Unternehmen auch durch unruhige Gewässer geführt hat.

Die Schlussworte blieben dem scheidenden Klinikmanager vorbehalten. Die Rolle, selbst verabschiedet zu werden, sei für ihn neu. „Meistens habe ich jemanden verabschiedet.“ Eigentlich, so Düll, möchte er sich gar nicht verabschieden, „aber es ist anders gekommen“. Er mache aber nicht „den Trump“, nach dem Motto: „War da was?“, sondern erkenne die Situation an, so wie sie ist. In den folgenden Minuten ging der Vorstandsvorsitzende in Stichpunkten auf jeden einzelnen Bereich ein. Er blickte aus seiner Sicht auf das zurück, was sich am Standort Günzburg alles getan hat und welche Vorhaben er während seiner knapp 24-jährigen Tätigkeit kreiert, angeschoben und verwirklicht hat. Und das sind eine ganze Menge. Meilenstein nach 100 Jahren Psychiatrie in Günzburg sei der laufende Neubau dieses kompletten Bereiches mit 300 Belegungseinheiten – „ein echtes Brett“. (pm/red)

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