Wiesn-Besuch endet vor Gericht: Spätes Geständnis rettet "das Genick"

Ein 20-jähriger Kissinger soll einer jungen Frau auf dem Oktoberfest unter anderem in den Ausschnitt gefasst haben. Nun gestand er die Tat.

Am Dienstag verurteilte Jugendrichterin Eva Grosse einen 20-jährigen Kissinger wegen sexueller Belästigung und vorsätzlicher Körperverletzung zu 24 Arbeitsstunden und einer Geldauflage. Er saß bereits vergangene Woche auf der Anklagebank am Aichacher Amtsgericht. Sein Verteidiger Peter Monz hatte um einen erneuten Verhandlungstermin gebeten, um weitere Zeugen zu hören.
Bisher hatte nämlich nur die junge Frau ausgesagt, der der Kissinger im September auf dem Oktoberfest unter anderem in den Ausschnitt gefasst haben soll, obwohl sie mehrere klare Signale gegeben hätte, dass das nicht in ihrem Sinne sei. Er hätte sie auch gegen ihren Willen geküsst, ihr dabei auf die Lippe gebissen und sie am Hals gepackt. Der Angeklagte hatte die Tat abgestritten. Nachdem am Dienstag weitere Zeugen zumindest die von der Frau geschilderten Rahmenbedingungen bestätigt hatten, beteuerte der 20-Jährige zwar weiterhin, dass er sich an nichts erinnern könne, räumte die Vorwürfe aber ein. So wie die Zeugen, zum Teil gute Freunde von ihm, sein Verhalten an besagtem Abend im September geschildert hätten, müsse es stimmen. Der Angeklagte sei "fassungslos", wie sein Verteidiger erklärte. Der jungen Frau bot er bereitwillig ein Schmerzensgeld in Höhe von 300 Euro an. "Das rettet Ihnen jetzt das Genick", meinte Richterin Grosse. Vergangene Woche, kurz nach der Aussage der 19-jährigen Augsburgerin, hatte sie bereits erklärt, dass sie vom Tathergang überzeugt sei.

Weitere Zeugen

Verteidiger Monz hatte aber darauf gepocht, noch weitere Zeugen zu hören. Immerhin hatte die Geschädigte selbst ihre Strafanzeige zurückgezogen und ein weiterer Zeuge, langjähriger Freund des Kissingers und ehemaliger Geliebter der jungen Frau, sich beim Angeklagten dafür entschuldigt, ihn bei der Polizei belastet zu haben. "Da kann es passieren, dass die Fantasie des Verteidigers zu kreisen beginnt", meinte Monz.
Über ihn war im letzten Bericht über den ersten Verhandlungstag zu lesen, dass er seinem Mandanten zugeflüstert habe: "Was die Frau erzählt hat, ist doch Schwachsinn, oder?" Diese Äußerung ist so allerdings nicht getätigt worden.
Wie der Angeklagte der Frau zwischen die Beine gefasst habe, wollte von den Zeugen so Recht keiner gesehen haben. Ähnlich sah es mit dem unfreiwilligen Kuss aus. Die Augsburgerin und der Angeklagte sind im September miteinander in Richtung der Toiletten gegangen, dort küssten sie sich, der Angeklagte war bis Dienstag davon überzeugt, dass sie auf ihn zugegangen wäre, nicht umgekehrt. 

"Das kann passieren, wenn man flutschige Finger vom Bier hat und die irgendwo abwischen will"

Die "loyalen" Zeugen, wie Grosse die Freunde des Angeklagten nannte, waren zum Teil sichtlich um dessen Sympathie bemüht. In den Ausschnitt hätte er der Frau nämlich wirklich gefasst. "Das kann passieren, wenn man flutschige Finger vom Bier hat und die irgendwo abwischen will", versuchte ein Zeuge den Tatvorwurf ein wenig abzumildern. Vor einem Arrest bewahrt hat den 20-Jährigen aber nur sein etwas spätes Geständnis.
Die 300 Euro, die er als Schmerzensgeld vorgeschlagen hatte, zahlt er an die Brücke Augsburg. Dort leistet er auch die Arbeitsstunden ab. Die Verfahrenskosten trägt er ebenfalls. Grosse riet ihm zur Selbstreflexion und erlegte ihm Gesprächsweisungen zum Umgang mit Grenzüberschreitungen auf. (Bastian Brummer)

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