Region: Augsburger Land

Allen Verkehrsteilnehmern gerecht werden

von LeserReporter Ute Blauert aus Bobingen
Eine typische Ausfahrt mit schlechter Sicht durch parkende Fahrzeuge.

Die Straßenverkehrsbehörde im Königsbrunner Rathaus soll Verkehrsprobleme lösen und dabei sowohl Gesetze als auch die Interessen aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigen.

Vermutlich werden an keine Abteilung im Rathaus so viele Bürgerwünsche und –beschwerden herangetragen wie an die Straßenverkehrsbehörde. Hier sind Josef Marko und Denni Köbler zuständig für alle Verkehrsfragen in der Stadt. Oft gehe es um Schwierigkeiten bei der Ausfahrt aus dem eigenen Grundstück, berichteten sie bei einem Gespräch in ihrem Büro. An vielen Stellen in Königsbrunn wird oftmals lückenlos entlang der Straßen geparkt, so dass die Sicht nach links und rechts bei der Ausfahrt auf die Straße verstellt ist. Oder es wird gegenüber einer Ausfahrt geparkt, so dass man mehrmals rangieren muss, um unfallfrei in die Fahrspur zu kommen. „Diese Fälle werden mit den Fachbehörden geprüft“, so Marko. In beiden genannten Fällen kann die Stadt das Parken nicht verbieten, denn die Straßenverkehrsordnung (StVO) besagt, dass bis zu dreimaliges Rangieren in einer Ein- und Ausfahrt zumutbar ist, und dass das Parken am Straßenrand bis zur Bürgersteigabsenkung erlaubt ist. „...erforderlichenfalls hat er sich einweisen zu lassen“, so die Verordnung wörtlich. Bei Ausfahrten von Tiefgaragen kann man sich bei der Behörde die Genehmigung einholen für die Aufstellung eines Verkehrsspiegels auf eigene Kosten. Wer sich über Wohnwagen und andere Anhänger ärgert, sollte wissen, dass diese bis zu 14 Tage lang an der Straße stehen dürfen. Auf größeren öffentlichen Parkplätzen in der Stadt dürfen Anhänger allerdings nicht abgestellt werden. Dies ist dort auch so ausgeschildert.

Wenn die Sicht durch Hecken behindert wird, die in die Straße hinaus wachsen, oder die Gehölze die Nutzung des Gehwegs beschränken oder gar die Fußgänger zum Ausweichen auf die Straße zwingen und somit gefährden, werden die Eigentümer angeschrieben und auf ihre Pflicht zum Rückschnitt des Grünbewuchses hingewiesen. Ist eine Zufahrt jedoch ganz zugeparkt, womöglich sogar eine Feuerwehrzufahrt, oder parkt jemand weniger als fünf Meter von einer Straßeneinmündung entfernt, wird der Fahrzeughalter von der Kommunalen Verkehrsüberwachung verwarnt oder, bei groben Verstößen, abgeschleppt. In manchen Fällen wird die Polizei um Mithilfe gebeten, etwa wenn ein Auto ohne Kennzeichen und Räder auf einem Parkplatz oder einer öffentlichen Fläche steht.

Hauptverkehrsstraßen sind keine Rennstrecken

Oft wird auch Klage darüber geführt, dass in Wohnstraßen zu schnell gefahren wird. In solchen Fällen wird zunächst mit technischen Mitteln überprüft, wie oft und um wie viel das Tempolimit in der betreffenden Straße überschritten wird. Ist die Zahl der Temposünder tatsächlich sehr hoch, werden sie mit Geschwindigkeitsmessgeräten zur Verkehrskontrolle, landläufig „Blitzer“ genannt, dingfest gemacht. „In Wohngebieten müssen wir die Geräte meistens nur dreimal aufstellen, dann ist das Problem behoben, denn hier fahren ja fast nur die Anwohner selbst. An Durchgangsstraßen sieht es anders aus. Hier müssen wir dauerhaft zu allen Tageszeiten überwachen, um an das Tempolimit zu erinnern. Natürlich ärgern sich viele Autofahrer über Blitzer, aber sie dienen dem Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer, den Fußgängern. Wir sind keine Behörde für Autos, sondern für alle Verkehrsteilnehmer, vom Kind über den Radfahrverkehr bis zum Lkw“, erläuterte Marko.

„Manche Anwohner möchten gern, dass in ihrer Straße das Tempolimit von 50 auf 30 gesenkt wird. Doch auch hier setzt die StVO Grenzen. Innerorts gilt derzeit grundsätzlich Tempo 50, Ausnahmen sind in Wohngebieten möglich, nicht jedoch an Hauptverkehrsstraßen. In Königsbrunn gilt bereits in allen Wohngebieten Tempo 30, einige Stellen sind sogar „verkehrsberuhigter Bereich“, wo nur in Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf. In den Hauptverkehrsstraßen, wie Augsburger Straße oder Römer- und Blumenallee, darf das Tempolimit nur vor Kindergärten, Schulen und Altenheimen auf maximal 300 Metern Länge gesenkt werden. Diese Vorschrift dient vor allem dazu, Staus in der Stadt zu verhindern“, erklärte Marko die Gesetzeslage.

Beobachtungen von Bürgern willkommen

Wer Störungen melden will, hat neben Telefon, persönlichem Gespräch und Brief auch die Möglichkeit, auf den Internetseiten der Stadt auf das kleine Feld mit einem „i“ und dann auf den Begriff „Schadensmelder“ zu klicken. Damit gelangt man unter www.koenigsbrunn.de/schadensmelder/ zu einem Formular, in das man seine Beobachtung schreiben und auch zwei Fotos hochladen kann. „Die Mithilfe der Bürger ist für uns sehr wichtig, denn durch solche Meldungen erfahren wir schnell, wenn ein Stoppschild von einem Strauch verdeckt wird oder irgendwo Scherben auf dem Bürgersteig liegen. Auch die Kollegen vom Betriebshof halten die Augen offen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Manchmal sprechen mich Bürger auch in meiner Freizeit auf Verkehrsfragen an, das ist eben Teil dieser Arbeit“, sagte Marko lachend.

Daneben sind Marko und Köbler für die Baustellenbeschilderungen im gesamten Stadtgebiet zuständig sowie für die Ausarbeitung der Verkehrsbeschilderung von Neubaugebieten. Der Bau der Tram 3 wirft die Frage auf, wie die Trasse während der Bauzeit beschildert werden soll. Besondere Aufmerksamkeit bekommen dabei die Schulwege von Kindern. „Eltern sollen darauf vertrauen können, dass ihre Kinder sicher zur Schule kommen“, beschreibt Marko das Ziel der Planung. Nach der Bauzeit sind alle Überquerungen der Tramschienen sicher zu gestalten. Verkehrliche Entscheidungen werden in enger Abstimmung mit anderen Stellen, etwa der Polizei, dem Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV) oder der Baubehörde, getroffen.

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