Königsbrunn: Hohe Ehrung für archäologisches Engagement

von LeserReporter Ute Blauert aus Bobingen
Bei der Ehrung im Sitzungssaal des Rathauses (von links): Staatsminister Bernd Sibler, Professor Mathias Pfeil, Siglinde Matysik, Bürgermeister Franz Feigl und William Geddes Farquar. Matysik hält die Medaille, auf der Ludwig I. abgebildet ist, Farquhar die dazu gehörige Urkunde.

Siglinde Matysik und William Geddes Farquhar erhielten die „Denkmalschutzmedaille 2020“ für ihre großen Verdienste um die frühgeschichtliche Forschung im Landkreis.

Ursprünglich war für Anfang Juli eine feierliche Veranstaltung in München geplant, erklärte Staatsminister Bernd Sibler. Corona sorgte dafür, dass alle, die in diesem Jahr für die Denkmalschutzmedaille ausgewählt wurden, in kleinem Rahmen an ihren Heimatorten geehrt werden. Am Freitag vergangener Woche kamen der Staatsminister für Wissenschaft und Kunst sowie Generalkonservator Professor Mathias Pfeil, der Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege, nach Königsbrunn, wo sich Siglinde Matysik und William Geddes Farquhar mit ihren Angehörigen, Bürgermeister Franz Feigl, Vertreterinnen des Landesamts für Denkmalpflege und des Heimatvereins Landkreis Augsburg, Kulturbüroleiterin Rebecca Ribarek und ihre Vorgängerin Ursula Off-Melcher im Sitzungssaal des Rathauses versammelt hatten.

Sibler bezeichnete die Ehrung als ein „großes persönliches Anliegen“, denn der Denkmalschutz brauche Verbündete, die mit solcher Leidenschaft wie die beiden Geehrten für die Sache der Erforschung der Vergangenheit der Region eintreten. Beide hätten einen maßgeblichen Beitrag geleistet zum Aufbau des archäologischen Museums in Königsbrunn. Sibler dankte auch der Stadt Königsbrunn dafür, dass sie die Verantwortung für das historische Erbe in vorbildlicher Weise übernommen habe.

Mathias Pfeil erläuterte die Bedeutung der Bodenarchäologie: „Alles, was vor mehr als 1000 Jahren geschah, kann nur aus Funden im Boden rekonstruiert werden.“ Er lobte das archäologische Museum, da durch die ausgestellten Gegenstände das abstrakte Wissen über die Vergangenheit real anschaulich werde.

Franz Feigl betonte den materiellen Wert, den die ehrenamtliche, oft mühevolle Kleinarbeit für die Stadt bedeutet. „Hätten wir dafür Profis anheuern müssen, wären die Kosten in die Hunderttausende gegangen.“ Er bezeichnete das Museum als „Kleinod Königsbrunns“ und versprach, dass es innerhalb der nächsten zehn Jahre besser untergebracht wird als es jetzt im Untergeschoss des Rathauses der Fall ist. Ihn fasziniere es, Einzelheiten aus dem Leben der Menschen vor tausenden Jahren zu erfahren, wie etwa aktuell die Erkenntnis, dass vor 4000 Jahren Frauen zur Eheschließung hunderte von Kilometern weit reisten und dadurch eine wesentliche Rolle für den Austausch von Kulturgütern und Ideen spielten.

Scharfe Augen und zeichnerisches Können

Der Schotte William Geddes Farquhar suchte schon als Kind in Schottland den Boden nach Resten der Vergangenheit ab, wie er erzählte. Durch den Militärdienst kam er zum ersten Mal nach Augsburg und ging auch hier seinem Hobby nach. 1974 ergab sich für ihn die Gelegenheit, nach Augsburg zurück zu kehren, um für eine örtliche Maschinenbaufirma zu arbeiten. Er kam und blieb, heiratete eine Deutsche und gründete eine Familie. „Viele Ausstellungsstücke im Königsbunner Museum, wie tausende Jahre alte Pfeilspitzen, Münzen oder Schmuckstücke, sind seinen scharfen Augen zu verdanken, er benutzte nie eine Sonde“, so Sibler in seiner Laudatio. Alle Fundstücke übergab er dem Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte des Heimatvereins für den Landkreis Augsburg, dem er seit 1987 angehört. Die Mitglieder der Familie Farquhar hatten sich die schottische Festkleidung angelegt. Dazu gehört, bekanntlich für Frauen und für Männer, ein Rock im Karomuster des Clans, dem man angehört. Die Farben des Farquhar-Clans sind Blau und Grün. Wie Enkelsohn Gordon auf Nachfrage erklärte, liegt das Stammschloss der Farquhars in der Nähe von Schloss Balmoral, der Sommerresidenz der Queen. Ein entfernter Verwandter lebte bis vor Kurzem in dem Schloss, als Nachbar der Royals.

Siglinde Matysik kam vor über 30 Jahren durch Zufall zu einer Ausgrabungsgruppe. Sie fing Feuer und brachte ihr handwerkliches und künstlerisches Geschick in die archäologische Arbeit ein, wie Ursula Off-Melcher in einem Gespräch am Rande hervorhob. Matysik half nicht nur beim Bergen, Waschen und Restaurieren von Funden, sondern zeichnete sie auch für die Dokumentation maßstabsgetreu auf Millimeterpapier. Und sie gestaltete die Wände des Museums mit Bildern von Menschen der jeweiligen Epoche der Ausstellungsräume in hellgrauer Farbe, als sähe man sie hinter einer Nebelwand. Sie gründete das Archäologische Museum mit und bringt in ihren Führungen den Besuchern aller Altersstufen die Vergangenheit von der Jungsteinzeit bis zum frühen Mittelalter näher. Matysik überreichte Sibler zur Erinnerung an Königsbrunn die Kopie einer bronzenen Gewandnadel von circa 1400 v. Chr., die im Museum ausgestellt ist. Sibler, der Geschichte und Deutsch für das Lehramt studiert hat, freute sich aufrichtig und ließ sich von Matysik durch das Museum führen, bevor er zu seinem nächsten Termin eilte.

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