Gut gemeint reicht nicht aus – Kommentar zum Energieleitbild der Stadt Königsbrunn

von LeserReporter Ute Blauert aus Bobingen
Die Zukunft der Energieerzeugung in Königsbrunn: Solaranlagen.

„Eine besondere Bedeutung kommt der Bewahrung der natürlichen Ressourcen besonders in den Bereichen Klima, Boden, Wasser, Luft, Artenvielfalt sowie der Gewährleistung der urbanen und kulturellen Qualität zu“ – solche Sätze bieten jedem Leser ein weites Feld für Interpretationen. Dies muss einerseits so sein, denn ein Leitbild soll Orientierung geben, Werte und Ziele festlegen. Auf Einzelheiten muss verzichtet werden. Andererseits ist dem Klimaschutz nicht geholfen, wenn jeder den Text zugunsten seiner jeweiligen Interessen auslegt.

Jüngstes Beispiel: Die Anträge zur Asphaltierung des Martin-Bummele-Weges einerseits und des Kieswegs für Radfahrer hinter den Gebäuden der Firmen Hajvazi und Injoy an der Hunnenstraße andererseits.

Der Martin-Bummele-Weg ist ein gekiester Spazierweg im Rosenpark. Die Freien Wähler beantragten die Asphaltierung des Kieswegs, damit Menschen mit Rollatoren oder mit Dreirädern besser vorankommen. Gegen den Antrag sprach die Sorge, dass ein Asphaltweg die Radfahrer zu hohem Tempo verleitet, womit sie Fußgänger gefährden, und auch die Tatsache, dass bereits mehrere Asphaltwege im Park vorhanden sind, auf die mit Rollatoren ausgewichen werden kann. Vor allem aber wurde die Umweltschädlichkeit des Asphaltierens ins Feld geführt. Kies zu verteilen verbraucht erheblich weniger Ressourcen und stößt viel weniger CO2 aus, als zu asphaltieren. Alwin Jung (Grüne) verurteilte den Antrag scharf als „rückständig“. Die Freien Wähler unterlagen in der Abstimmung.

Eine Sitzung später beantragten die Grünen, den Kiesweg nahe der Kurve der Hunnenstraße zu asphaltieren. Prompt kam die Retourkutsche der Freien Wähler: „Du hast doch selbst gesagt, dass Asphaltieren umweltschädlich ist!“, höhnte Helmut Schuler an Alwin Jung gerichtet. Da nützte es den Grünen nichts, dass das Fahrradkonzept der Stadt, das schon vor Jahren vom Stadtrat beschlossen wurde, hier einen Radweg vorsieht. Die Grünen unterlagen in der Abstimmung.

In beiden Fällen hatten beide Seiten gute Argumente. Eine genaue ökologische Gesamtrechnung für jede einzelne Entscheidung aufzumachen, ist nicht möglich. Es ist zwar erwiesen, dass gute Radwege mehr Fahrradfahrer nach sich ziehen, wie viele es aber genau sein würden, wenn ein bestimmter Radweg gebaut wird, ist nicht bezifferbar. Offensichtlich ist auch die Erwartung unrealistisch, der Stadtrat könne stets eine nüchterne Abwägung entgegengesetzter Ziele vornehmen. Denn Rachegelüste sind bei keinem Menschen auszuschließen, auch nicht bei Stadträten.

Von noch dichterem Nebel ist die Formulierung „urbane und kulturelle Qualität“ umgeben. Wenn etwa ein Gebäude aus Beton, Stahl und Glas errichtet werden soll, das allen Nachhaltigkeitszielen spottet, kann man ihm flugs eine „urbane Qualität“ zuschreiben, schon ist der Weg frei. Denn was im Detail unter „urbaner Qualität“ – heute und in Zukunft – zu verstehen ist, weiß niemand. Auch über die „kulturelle Qualität“ menschlichen Tuns lässt sich trefflich streiten.

Das Energieleitbild ist gut gemeint, es benennt wichtige Ziele. Ob es irgendeinen Nutzen entfalten wird, ist ungewiss.

 

Der Kommentar bezieht sich auf diesen Artikel: https://www.stadtzeitung.de/region/koenigsbrunn/politik/stadt-koenigsbrunn-unterstuetzt-klimaschutzziele-bund-freistaat-id211362.html

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