Region: Augsburger Land

Stadt liefert keine Daten: Königsbrunn meldet Bedenken am Ausbau des 5G-Netzes an

von LeserReporter Ute Blauert aus Bobingen
Die Anzahl solcher Funkstationen muss für den 5G-Mobilfunk deutlich erhöht werden.

Die Bundesnetzagentur hat in diesem Jahr die Stadt Königsbrunn wiederholt aufgefordert, Daten für einen sogenannten "Infrastrukturatlas" zu liefern. Im Stadtrat war man sich nun einig, dieser Bitte nicht nachkommen zu wollen.

Das G in 5G stehe dafür, Geschwindigkeit neu zu erleben, verspricht die Telekom für den neuen Mobilfunkstandard. "Blitzschnelle Downloads größerer Datenmengen! Verzögerungsfreies Streaming von Filmen! Schnellere Reaktionszeiten beim Gaming! In der Silvesternacht oder bei Großveranstaltungen möchten wir unsere Erlebnisse mit Freunden und Familie teilen, wir verschicken Videos, laden Fotos hoch und machen Live-Streams - 5G sorgt für mehr Kapazität und stabilere Verbindungen!“ wirbt die Telekom und empfiehlt den Kauf neuer Smartphones, die für 5G gerüstet sind, und den Umstieg auf neue Mobilfunkverträge für 5G. Tatsächlich ist „5G“ die Abkürzung für „Mobilfunkstandard der 5. Generation“. Dieser Standard, auch FR2 genannt, kann zwar größere Datenmengen übertragen als die bisher genutzten Wellen niedererer Frequenzbereiche, hat allerdings den Nachteil einer geringeren Reichweite, weshalb sehr viel mehr Basisstationen benötigt werden als bei der 4G-Technik, auch LTE-Technik genannt. Die Zahl der Sendemasten muss also stark erhöht werden.

Anfangs wurde die 5G-Technik angepriesen als besonders energiesparend. Inzwischen kennt man den Pferdefuß: Pro übertragenem Bit verbraucht die 5G-Technik, zumindest in der Theorie, zwar nur einen Bruchteil dessen, was dafür im 4G-Netz verbraucht wird. Wenn das neue Angebot jedoch von vielen Menschen so genutzt wird, wie in der Telekom-Werbung beschrieben, ist mit einem starken Anstieg des Energieverbrauchs zu rechnen. Erste Erfahrungsberichte weisen darauf hin, dass sich Mobiltelefone bei Nutzung von FR2 stark erwärmen und viel Energie verbrauchen. Eine Abschätzung des Unternehmens Huawei ergab eine Verdoppelung des Energieverbrauchs. Huawei ist ein Anbieter der 5G-Technik.

Verwaltungsakt wird in Kauf genommen

Die Stadt Königsbrunn wurde in diesem Jahr von der Bundesnetzagentur wiederholt schriftlich aufgefordert, Daten zu liefern für einen „Infrastrukturatlas“. Gewünscht wird die Angabe von Glasfaserkabeln, Funkmasten, Richtfunkstrecken, Straßenlaternen, Leerrohren, Gebäuden in öffentlicher Hand und ähnlichem mit genauer geographischer Lage. Der Begriff „5G“ kommt in den Schreiben nicht vor, es liegt jedoch nahe, dass diese Angaben als Planungsgrundlage für den Aufbau des 5G-Funknetzes dienen sollen. Sollte die Stadt der Aufforderung nicht nachkommen, wird mit einem „Verwaltungsakt“ gedroht. Privatleute kennen Verwaltungsakte vor allem in Form von Steuerbescheiden. Man kann dagegen Widerspruch einlegen und im nächsten Schritt dagegen klagen.

Bisher ist die Stadtverwaltung der Aufforderung der Bundesnetzagentur nicht nachgekommen. Die Stadt verfügt weder über Glasfaserleitungen noch über Richtfunkstrecken, Leerrohre oder Funkmasten. Straßenlaternen sind vorhanden, doch die sind tagsüber ohne Stromversorgung. Daher hält die Stadtverwaltung die Datenübermittlung für sinnlos, wie Bürgermeister Franz Feigl in der jüngsten Stadtratssitzung darlegte. Hinzu kommen grundsätzliche Einwände gegen die Installation des 5G-Netzes: „Die bisher für den Mobilfunk genutzten Wellenfrequenzen kommen auch natürlich vor. Die Wellen mit hoher Frequenz des 5G-Netzes jedoch nicht. Die Auswirkungen auf Mensch und Natur wurden bisher nicht hinreichend erforscht“, so Feigl.

Dieser Ansicht schlossen sich die Fraktionssprecher von SPD, CSU, Freien Wählern und Grünen an. Sie betonten insbesondere ihre Verwunderung darüber, mit welchem Aufwand die Bevölkerung vor einer Ansteckung mit Covid-19 geschützt werde und welch kleine Rolle dagegen der Gesundheitsschutz im Falle der 5G-Strahlung spiele. Der Ausbau des 5G-Netzes könne sicherlich nicht verhindert werden, aber die Lieferung von Daten zu verweigern, bringe immerhin die vorhandenen Bedenken zum Ausdruck.

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