Jüdischer Feminismus: Jahresprogramm des Jüdischen Museums Augsburg

Gemeinsamkeiten statt Unterschiede will die Ausstellung "Unsere Werte?" ins Zentrum stellen. Ein Pokal der Privaten Tennisgesellschaft Augsburg zeugt vom jüdischen Vereinsleben Anfang der 1930er-Jahre.

Das Jüdische Museum Augsburg hat sein Jahresprogramm vorgestellt

Das Jüdische Museum Augsburg hat vor kurzem sein Jahresprogramm für 2020 vorgestellt. Das laufende Jahr hat das Museum dem Thema "Feminismus" gewidmet. Zwei Ausstellungen werden sich damit auseinandersetzen. Außerhalb der Programmpunkte wird das Museum die Erneuerung seines Profils fortführen, die im Jahr 2018 mit der Umbenennung ins "Jüdische Museum Augsburg Schwaben" begann. Im Frühjahr soll nun das neue Logo des Museums präsentiert werden. Auch eine neue Website soll 2020 online gehen.

Noch bis zum 29. März zeigt das Museum in Kooperation mit dem Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg die aktuelle Ausstellung zu den Themen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, „Die Stadt ohne. Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge“. Sie analysiert den Ausgrenzungsprozess der jüdischen Bevölkerung in den 1920er-Jahren und stellt ihn heutigen Entwicklungen gegenüber.

Die Leiterin der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS), Annette Seidel-Arpaci, ist am 26. März zu Gast in Augsburg und berichtet über ihren Arbeitsalltag. RIAS nimmt Meldungen über antisemitische Vorfälle auf und unterstützt Betroffene. Die Informationsstelle betreibt außerdem Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Seidel-Arpaci wird sich besonders auf den Judenhass im Internet fokussieren.

Am 29. April eröffnet eine neue "Intervention" in der Dauerausstellung. Die Sonderausstellung "Unsere Werte?" wird dann das ganze Jahr über zu sehen sein. Die Grundthese der Ausstellung: In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spaltung beruft sich die Politik vermehrt auf gemeinsame Werte, die die Gesellschaft zusammenhalten sollen: Recht und Gerechtigkeit, Gleichheit, Wohltätigkeit, Gemeinschaft und Familie. Dabei ziele die politische Diskussion nicht darauf ab, Verbindendes in der Gesellschaft zu orten, sondern einzelne Gruppen aus der Wertegemeinschaft auszuschließen. Die Intervention nimmt in den Blick, was diese Werte aus jüdischer Perspektive bedeuten. Ausgehend von Werten, die jede Kultur und Religion teilt, sucht die Intervention einen anderen Weg in der Auseinandersetzung mit Tradition.

Das Programm zum Jahresthema Feminismus eröffnet das Museum mit der Kunstausstellung „Die unsichtbare Frau“, die Künstler des BBK Schwaben Nord und Augsburg in der Ehemaligen Synagoge Kriegshaber gestalten werden. Ob in einem separierten Raum oder auf der Frauenempore – jüdische Frauen sind und waren in der Synagoge meist unsichtbar für die männliche Gemeinde. Das änderte sich erst, als im Zuge liberaler Reformen Frauen als gleichberechtigte Gemeindemitglieder auch im Synagogenraum sichtbar wurden. Die Ausstellung wird sich mit der Präsenz und Absenz des Weiblichen in der Synagoge auseinandersetzen und bis 2. August zu sehen sein.

Im November eröffnet an mehreren Standorten in Augsburg die Ausstellung „Shalom Sisters!“, die sich mit jüdisch-feministischen Positionen auseinandersetzen wird. Religiöse Gesetze bestimmten scheinbar unveränderbar den Platz von Frauen innerhalb der jüdischen Gemeinde. Dabei war die Marginalisierung von jüdischen Frauen eine doppelte. Ihr Kampf um Gleichstellung richtete sich sowohl gegen die jüdisch-männliche als auch die christlich geprägte Dominanzkultur. Jüdisch-feministische Positionen seien daher feministisch und anti-antisemitisch zugleich.

Am 6. September veranstaltet das Jüdische Museum mit der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg den Europäischen Tag der jüdischen Kultur. Zum Jahresthema „Jüdische Reisen“ wird es ein Programm mit zahlreichen öffentlichen Führungen, Film, Musik und weiteren Aktionen geben, bei dem die Besucher das Jüdische Museum an beiden Standorten sowie die Augsburger jüdische Gemeinde in der Synagoge in der Halderstraße kennenlernen können. (pm)

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