Weiterhin kein historisches Fest in Augsburg

Die IG Historisches Augsburg organisierte bislang die Bürgerfeste an den Wallanlagen am Roten Tor.

Auch im Jahr 2020 wird es in Augsburg kein historisches Fest geben. Das wurde nun im Allgemeinen Ausschuss des Augsburger Stadtrates klar. Zwar hatte die Interessensgemeinschaft Historisches Augsburg ein mögliches Konzept für ein Fest noch in diesem Jahr erstellen lassen und den Stadträten sowie Ordnungsreferent Dirk Wurm vorgestellt, letztendlich wurde man sich allerdings einig, dass die Zeit nun nicht mehr ausreiche, um bis zum Sommer eine Veranstaltung dieser Größenordnung zu organisieren.

Zuletzt fand 2017 ein historisches Fest in Augsburg statt. Seitdem müssen sich Freunde von Ritterturnieren, Dudelsack-Musik und historischen Kostümen gedulden. Zuvor hatte es im jährlichen Wechsel Feste am Wertachbrucker Tor, organisiert vom Stadtmauer-Verein, und an den Rote-Torwall-Anlagen, organisiert von der IG Historisches Augsburg, gegeben.

Doch beide Veranstalter hatten zuletzt Probleme, die Kosten und Risiken der Veranstaltungen zu stemmen. Inzwischen will der Stadtmauer-Verein sich wohl gar nicht mehr an den Festen beteiligen. Laut dem nun vorgestellten Konzept hat die IG allerdings vor, wieder ein jährliches Fest am Wertachbrucker Tor zu etablieren. Voraussetzung dafür wäre eine Förderung durch die Stadt Augsburg.

Bei einer Sitzung des Allgemeinen Ausschusses im vergangenen Jahr ging Marktamtsleiter Werner Kaufmann noch davon aus, dass die IG gar nicht mehr als Veranstalter auftreten wolle, sondern lediglich die Organisation und Programmgestaltung übernehmen wolle. Hätte die Stadt alle Kosten übernehmen müssen, wäre wohl mit mindestens 250 000 Euro im Haushalt zu rechnen gewesen. So viel kostete die Ausrichtung des Festes 2017.

Allem Anschein nach will die IG nun allerdings doch zumindest wieder als Mit-Veranstalter auftreten und hat sich dafür professionelle Unterstützung von der Agentur "Der Pate" geholt. Diese hat ein Konzept für die künftigen Bürgerfeste erstellt und würde diese auch mitausrichten. Die Event-Agentur organisiert zum Beispiel auch die Augsburger Sommernächte und zeigte sich überzeugt, dass sie die historischen Feste zu einem Erfolg machen könne. Die Veranstalter wünschen sich von der Stadt aber einen Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro. Ohne eine finanzielle Unterstützung der Stadt seien die Feste nicht durchführbar.

Um noch im Jahr 2020 ein Fest ausrichten zu können, hätte der Allgemeine Ausschuss diesem Zuschuss nun zustimmen müssen. Die Stadträte zeigten sich allerdings wenig begeistert von der Idee, in dieser kurzen Zeit eine solche Veranstaltung zu organisieren.

Das Konzept der Event-Agentur sieht vor, die historischen Feste künftig am Wertachbrucker Tor abzuhalten. Dabei wolle man das Wertachbrucker-Tor-Fest nicht grundlegend verändern, sondern lediglich verbessern. Bislang liefen die Feste rund 10 Tage lang. Womöglich könnten mit weniger Veranstaltungstagen, verbunden mit günstigeren Eintrittspreisen, mehr Augsburger erreicht werden, glaubt Pate-Geschäftsführer Christian Nägele. Allerdings würden historische Feste wohl immer eine Nische bleiben, die nicht alle Augsburger ansprechen. Im Gegenzug seien sie zum Beispiel sehr beliebt bei Familien mit Kindern.

Eingeschnappt reagierte auf die Entscheidung, eine Event-Agentur mit der Erstellung eines Konzepts fürs Wertachbrucker Tor zu beauftragen, die CSU-Fraktion. Denn die hatte im Juni 2019 beantragt, für 2021 in einer Zusammenarbeit der IG Historisches Augsburg und der Stadtmarketing-Abteilung "Augsburg Marketing" ein Konzept für ein Fugger-Fest im Jahr 2021 zu erstellen. Dieses könne konzeptionell an das Festjahr "500 Jahre Fuggerei" angebunden werden. Nun sei "von irgendjemand eine Agentur beauftragt worden", so Leo Dietz (CSU), bevor über den Antrag seiner Partei abgestimmt wurde. Außerdem sei das Finanzkonzept nicht ausgereift. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende riet deshalb seinen Parteikollegen, gegen ein Fest im Sommer 2020 zu stimmen.

Ordnungsrefernt Dirk Wurm (SPD) verteidigte die Entscheidung der Interessensgemeinschaft, die Agentur hinzuzuziehen. Es sei darum gegangen, zu erörtern, ob ein Fest 2020 überhaupt noch durchzuführen sei. "Da braucht man professionelle Unterstützung", so Wurm. "Und die haben sie sich geholt." Er habe außerdem in den vergangenen Monaten einen sehr guten Eindruck vom Konzept der Agentur gewonnen.

2021 könnte ein Fugger-Fest stattfinden

Zwar versicherte Nägele, dass man auch damit gerechnet hatte und bereit wäre, im kommenden Jahr das Fugger-Fest auszurichten, doch er gab zu, dass "jetzt natürlich die Zeit davonläuft", um noch 2020 ein Fest auf die Beine zu stellen – auch, da die neue Vorstandschaft der IG erst noch gewählt werden muss und es so noch keinen funktionierenden Vorstand gebe, mit dem man zusammenarbeiten könne. Anton Nowak, Vorsitzender der IG Historisches Augsburg, drängte auf eine zeitnahe Entscheidung der Stadt, denn die Mitglieder säßen "in den Startlöchern und möchten wissen, wie es weitergeht", sprach sich aufgrund der knappen Zeit allerdings letztendlich ebenfalls dafür aus, erst im Jahr 2021 mit dem Fugger-Fest wieder in die historischen Feste einzusteigen.

Einig waren sich alle Fraktionen, dass in Augsburg wieder historische Feste stattfinden sollen, und man im Grunde auch bereit ist, diese finanziell zu unterstützen, wenn ein entsprechender Antrag mit einem überzeugenden Konzept pünktlich gestellt wird.

Falls im Jahr 2021 das Fugger-Fest stattfindet, soll es noch einmal deutlich größer ausfallen als die bisherigen Feste. Es könnte laut dem Antrag der CSU und den Planungen von "Der Pate" als Stadtteil-Fest organisiert werden, das von der Jakobervorstadt bis zu den Rote-Torwall-Anlagen reicht.

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