Ein riesiges Insektenhotel

Das strohgedeckte Bauernmuseum Staudenhaus mit Nisthilfe, alte Beerensträucher-Stängel, die am Zaun platziert wurden.

Das Bauernmuseum Staudenhaus am Kloster Oberschönenfeld mit seinem markanten Strohdach zeigt wie die Menschen vor hundert Jahren gewohnt und gelebt haben. Dass in diesen Häusern auch Tiere wie Kühe, Schweine, Hühner und Enten vorzufinden waren, ist dem Umstand der Selbstversorgung mit Lebensmitteln geschuldet gewesen. Aber neben diesen Nutztieren gab es in zahlreichen Hofstellen noch weitere Mitbewohner. Diese Mitbewohner leben noch heute im Staudenhaus und zwar versteckt und wohlbehütet im Strohdach, das aus langstieligem Roggenstroh besteht. Es sind Hunderttausende Insekten, vor allem Wildbienen, die dort nisten.

Bei Bestäubung denkt man immer zuerst an die Honigbiene, aber was weniger bekannt ist: Die Wildbienen fliegen schon ab 4 bis 6 Grad Celsius, die Hummeln schon knapp über 0 Grad Celsius, wohingegen die Honigbienen länger im Stock kuscheln und erst ab 12 bis 15 Grad Celsius ausfliegen, um fleißig Pollen, Wasser und Nektar zu sammeln. Wenn man also gut bestäubte Beerensträucher und Obstbäume im eigenen Garten wünscht, dann sollte man den fleißigen Helfern auch Nisthilfen anbieten.

Da es abgesehen vom Staudenhaus in Oberschönenfeld landkreisweit inzwischen bekanntlich keine Strohdächer mehr gibt, hilft den Insekten in den heimischen Gärten bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft das Aufstellen von Insektenhotels ganz entscheidend weiter. Diese artgerechten Nisthilfen können mit ein wenig handwerklichem Geschick selbst gebaut werden und sorgen für den Erhalt der Artenvielfalt. Darüber hinaus bieten natürliche Nisthilfen wie alte Beerensträucher-Stängel, die im Garten oder am Zaun platziert werden, für zahlreiche Insekten einen willkommenen neuen Lebensraum, der mit wenig Aufwand auch auf den kleinsten Gartengrundstücken geschaffen werden kann.

Obwohl die Pforten des Staudenhauses derzeit aufgrund der Corona-Pandemie noch geschlossen bleiben müssen, vermittelt ein Blick auf das Strohdach auch von außen einen guten Eindruck von dem geschäftigen Treiben seiner zahlreichen kleinen Bewohner und der damit verbundenen Artenvielfalt. Außerdem inspiriert eine neu gestaltete Nisthilfe am Gartenzaun zum Nachbau und macht Lust, sich auf einen Ausflug in die Welt der kleinen Helfer zu begeben. (pm)

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