Einsatz für Geschädigte und Berufskranke: Meringer engagiert sich im Verein Unfall-Opfer-Bayern

von Leserreporter Heike Schereraus Mering
Werner Ernst aus Mering ist dritter Vorstand des Vereins Unfall-Opfer-Bayern und berät im Süden Bayerns Menschen bei Arbeits- und Verkehrsunfällen, aber auch chronischen Erkrankungen, vermittelt sie weiter zu Ärzten, Physiotherapeuten, Psychologen oder Juristen und organisiert Veranstaltungen und Vorträge.

Werner Ernst aus Mering ist seit zwei Jahren dritter Vorstand des Vereins Unfall-Opfer-Bayern. Er berät und schreibt Betroffenen Stellungnahmen.

Wie schnell passiert ein Verkehrsunfall und es bleiben einem Beteiligten gesundheitliche Folgen. Oder man stürzt auf dem Weg zur Arbeit oder verletzt sich während seiner Tätigkeit, benötigt eine Operation, welche die Berufsgenossenschaft nicht bezahlen will. Der 62-jährige Werner Ernst aus Mering kennt diese Situation und ist vor drei Jahren dem Verein Unfall-Opfer Bayern mit Sitz in Michelau in Unterfranken beigetreten. Seit zwei Jahren ist als dritter Vorstand für den Bereich Südbayern zuständig.

Werner Ernst ist selbständiger Elektromeister und hat mehrere Arbeitsunfälle erlitten. Während eines Bohrvorgangs biss sich die Maschine fest und riss ihn mit, so dass er seitdem unter ständigen Schmerzen im Schulterbereich leidet. Der lange Streit und der zusätzlich aufgetretene, inzwischen chronische Tinnitus haben dazu geführt, dass er nicht mehr die ganze Nacht durchschlafen kann und Psychopharmaka einnehmen muss. Als „Peer-Counseler“, das heißt selbst Betroffener, möchte Ernst anderen Menschen in einer ähnlichen Situation mit Rat und Tat zur Seite stehen. Vor kurzem hat er für einen Bürger eine Stellungnahme geschrieben, die dieser benötigt, um mit seinem Anwalt vor das Sozialgericht ziehen zu können. Durch einen Arbeitsunfall hatte dieser einen Sehnenriss erlitten, musste operiert werden, aber die Berufsgenossenschaft lehnte die Bezahlung der Operation und das Verletztengeld ab. Die Begründung lautete: „Die Sehne sei nicht dem Alter entsprechend.“ Die Krankenkasse hat deshalb die Bezahlung übernommen, aber ist so etwas gerechtfertigt?

Vortrag zu „Unfall und Schädel-Hirn-Trauma“ in München

Wenn der Berufsgenossenschaft ein Unfall gemeldet wird, legt der Sachbearbeiter anhand der Diagnose des Arztes eine Unfallversicherungs-Diagnose an. Darin beschreibt er Art und Ort der Verletzung. Dadurch und anhand der sogenannten Weller-Key-Tabelle wird festgelegt, wie lange die Heilung bei den verschiedenen Verletzungen dauern darf. „Eine Schulterverletzung sollte gemäß der Tabelle nach sechs Wochen beendet sein“, verrät Ernst und muss schmunzeln, denn es entspricht leider nicht der Realität. Es wird auch geprüft, ob Vorschäden an dem verletzten Gelenk vorhanden waren, was zur Ablehnung eines Anspruchs führen kann. Das ist laut Ernst ein Fall von Altersdiskriminierung. Bei Auseinandersetzungen mit der Berufsgenossenschaft hilft er mit dem Selbsthilfeverein Unfall-Opfer-Bayern weiter. Er empfiehlt Ärzte, Juristen, Physiotherapeuten oder Psychologen. Bei einer zeitlich umfassenderen Beratung durch die ehrenamtlichen Mitarbeiter werde dem Betroffenen nahegelegt, Mitglied im Verein zu werden, so Ernst. Außerdem gibt es immer wieder Vorträge mit interessanten Themen. Am 22. Februar spricht um 14 Uhr im Selbsthilfezentrum München in der Westendstraße 68 der Rechtsanwalt Jörg Forster zum Thema „Unfall und Schädel-Hirn-Trauma“. Es geht auch um die Hilfe für Unfallopfer und ihre Angehörigen in Form von Schmerzensgeld, Verdienstausfall, Heilbehandlung und welche Probleme beim Nachweisen von Leistungsdefiziten auftreten können.

Am 12. September feiert der gemeinnützige Verein Unfall-Opfer-Bayern sein 20-jähriges Bestehen. Er ist Mitglied in der Dachorganisation LAG Selbsthilfe Bayern und im Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen. Inzwischen hat die Stadt Augsburg ihn in die Liste der Selbsthilfegruppen aufgenommen. Geplant ist eine große Jubiläumsfeier in Gerolzhofen mit dem Thema „Gegen Alkohol und Drogen am Steuer“. Der Verein wird zahlreiche interessante Aktionen für die Besucher anbieten wie einen Alkohol-Fahrsimulator, Rauschbrillen und Kurzfilme zu verschiedenen Themen. Schon am 6. Juli 2019 fand ein großer Selbsthilfetag am Marienplatz in München statt, an dem sich 67 Organisationen beteiligten und viele Besucher sich Informationen holten.

Sprechstunde

„Unser Verein ist noch vielen Menschen nicht bekannt, aber eine sehr wichtige Einrichtung“, weiß Ernst. Er bietet montags, dienstags und donnerstags eine Sprechstunde von 11 bis 13 Uhr unter Telefon 09382/310 13 36 an. Die Anrufer erreichen die erste Vorsitzende Birgit Franz, die selbst durch einen Verkehrsunfall geschädigt wurde. Auch Werner Ernst in Mering steht gerne für Auskünfte zur Verfügung unter 08233/7953921 oder unter der E-Mail-Adresse ernst[at]unfall-opfer-bayern[dot]de. Er nimmt noch Anmeldungen für den Fachvortrag am 22. Februar in München entgegen, den der Verein kostenlos anbietet und dort Kaffee und Getränke für die Besucher bereitstellt. Als wichtige Patienten-Selbsthilfeeinrichtung ist der Verein Unfall-Opfer-Bayern auf Spenden und neue Mitglieder angewiesen, um weitere Veranstaltungen und Vorträge aus den Bereichen Medizin, Therapie, Rechtswissenschaft und Unfallanalytik zu organisieren und Beratungen durchzuführen.

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